Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020 xpb
Mercedes - F1-Test - Barcelona - 2020
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Ferrari - F1-Test - Barcelona - 2020
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Vergleich der Test-Bestzeiten: Zwei Teams ohne Verbesserung

Vergleich der Test-Bestzeiten 2019 vs. 2020 Zwei Teams ohne Verbesserung

Die Ingenieure erwarten 2020 die schnellste Formel 1 aller Zeiten. Die absolute Bestzeit von Valtteri Bottas bei den Barcelona-Tests bestätigt diese Einschätzung. Sie war fast eine halbe Sekunde schneller als vor einem Jahr.

Vielleicht werden wir noch lange von dieser Formel-1-Saison 2020 sprechen. Nicht nur, weil das Corona-Virus die Zahl der Rennen stark verringern könnte. Auch weil bei den Rennen, die noch stattfinden werden, alle Rekorde fallen.

Eines haben die Testfahrten in Barcelona bereits angedeutet. Die Autos produzieren noch mehr Abtrieb, die Motoren haben noch mehr Leistung. Das einzige, was die Rundenzeiten etwas bremst, ist die Politik von Pirelli, den Luftdruck der Reifen immer weiter zu erhöhen. Die Italiener sehen es als Schutzmaßnahme gegen immer höhere Kräfte, die auf die Reifen einwirken.

Im letzten Jahr einer Fahrzeuggeneration, die 2009 geboren und 2017 durch die Verbreiterung auf zwei Meter noch einmal auf maximalen Speed gepimpt wurde, bieten die Ingenieure alles auf, was sie in den letzten elf Jahren gelernt haben. Und sie lassen alle Fehler weg, die ihnen 2019 mit dem neuen Frontflügel unterlaufen sind. Es wird die schnellste Formel 1 aller Zeiten. Und das auf lange Zeit.

Valtteri Bottas deutete es mit seiner Bestzeit in Barcelona an. Er war bereits am dritten Tag eine knappe halbe Sekunde schneller als Sebastian Vettel letztes Jahr am achten Tag. In der zweiten Woche verhinderte zunächst starker Wind schnellere Zeiten. Am letzten Tag wären die 1.15,732 Minuten von Bottas wahrscheinlich gefallen. Aber die Teams hielten sich absichtlich zurück. Die einen mit mehr Sprit im Tank, die anderen mit gedrosselter Leistung.

Williams mit dem größten Fortschritt

Im Vergleich der individuellen Bestzeiten bei den Wintertests 2019 und 2020 fällt auf, dass sich mit zwei Ausnahmen alle gesteigert haben. Williams am meisten, Haas am wenigstens. Nur Ferrari und Alpha Tauri konnten ihre Bestzeiten aus dem Vorjahr gar nicht knacken. Beide stellten sich während der beiden Testwochen ein bisschen als Sorgenkinder heraus.

Williams hatte natürlich die einfachste Aufgabe. Vor einem Jahr verpasste das Team zweieinhalb Testtage und legte dann eine desolate Leistung hin. Das Auto war nur halb fertig und obendrein nicht einmal legal. Diesmal präsentierte sich der Rennstall aus Grove wesentlich besser sortiert. George Russell unterbot die beste Zeit von 2019 um 1,259 Sekunden. Der FW43 überzeugte vor allem in den Kurven. Das neue Auto produziert deutlich mehr Abtrieb. Nur der Luftwiderstand ist weiterhin zu hoch.

Auch die Steigerung von Racing Point um 0,922 Sekunden überrascht nicht. Der letztjährige RP19 war kein Geniestreich und musste im Laufe des Jahres mit fünf Upgrades erst gesund entwickelt werden. Der RP20 ist eine Kopie des Vorjahres-Mercedes. Die 2019er Bestzeit des Original-Silberpfeils verfehlte sein pinkes Ebenbild allerdings um 0,410 Sekunden. Das ist noch Raum für Verbesserung. „Wir lernen unser neues Auto gerade noch“, entschuldigt sich Technikchef Andy Green.

Alex Albon - Red Bull - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020
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Red Bull konnte eine ordentliche Steigerung zeigen.

Red Bull steigert sich mehr als Mercedes

Red Bull machte einen Riesenschritt. Das überrascht auf dem Niveau, auf dem sich das Team bewegt. Der RB15 kam über 1.17,091 Minuten nicht hinaus. Sein Nachfolger schaffte 1.16,269 Minuten. Der RB16 ist mehr als eine simple Evolution des RB15. Da steckt unheimlich viel Innovation drin. Eine Steigerung um 0,822 Sekunden.

Auch Renault hat seine Hausaufgaben über den Winter gut erledigt. Die Steigerung um 0,567 Sekunden bestätigt die Einschätzung von Teamchef Cyril Abiteboul: „Wir haben mit unserem neuen Auto alle selbst gesteckten Ziele erreicht. Nur die Konkurrenz können wir nicht kontrollieren.“

Mercedes hat vermutlich einen größeren Schritt getan, als sie es gezeigt haben. Dabei ist eine Verbesserung von 0,492 Sekunden schon beachtlich. Die letztjährige Bestzeit von 1.16,224 Minuten war ziemlich am Limit. Mercedes wollte nach dem mühsamen Start ins Leben des W10 herausfinden, was das Auto wirklich kann. Das wusste man diesmal bereits nach dem ersten Tag.

Der Rest der Testfahrten war geprägt von gesundem Selbstvertrauen. Hier und da ließ man die Katze aus dem Sack, aber nie so richtig. Mercedes hat wieder das Auto gebaut, das die Messlatte legt. Der W11 ist mehr als ein Schnellschuss, damit sich die Ingenieure auf 2021 konzentrieren können. In diesem Auto stecken wie im Red Bull jeden Menge neue Ideen und radikale Ansätze.

Alfa Romeo gab an zwei Tagen Gas und unterbot seinen 2019er Bestwert um 0,297 Sekunden. Trotzdem sieht man bei den Eidgenossen noch Sorgenfalten. McLaren dagegen spielte Versteck. Die schnellste Runde wurde auf C4-Reifen erzielt. Die weichste Mischung wurde nicht angetastet. Das erklärt die bescheidene Verbesserung um 0,093 Sekunden bei einem ansonsten erfreulichen Testverlauf.

Haas ist nach eigenen Aussagen immer mit ordentlich Sprit im Tank unterwegs gewesen und hat auf den schnellen Runden auch nur C4-Reifen benutzt. Die Amerikaner glauben, dass sie um Platz 5 mitfahren können. Alpha Tauri verfehlte seinen Bestwert von 2019 um Haaresbreite. 32 Tausendstel fehlten am Ende. Auch Daniil Kvyat zählte am letzten Testtag zu den Fahrern, die es bei der zweitweichsten Gummimischung von Pirelli bewenden ließen.

Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020
Stefan Baldauf
Hat Ferrari nur gepokert? Die Longrun-Zeit deutet darauf hin, dass der SF1000 auch auf eine schnelle Runde schneller sein müsste.

Ferrari verliert 0,139 Sekunden

Ferrari dagegen unternahm am letzten Testtag mehrere Anläufe, eine gute Runde auf die Bahn zu zaubern. Charles Leclerc kam nicht unter 1.16,360 Minuten. Im Vorjahr hatte Ferrari mit 1.16,221 Minuten den Ton angeben. Vettel und Leclerc fuhren ihre schnellen Runden mit Leichtigkeit.

Teamchef Mattia Binotto analysierte: „Wir sind schneller in den Kurven, verlieren aber zu viel in den Kurven.“ Ferrari bekam den Anpressdruck zum Preis von Luftwiderstand. Im Vergleich zum Mercedes oder Red Bull wirkt der SF1000 eher bieder. Aber vielleicht sind seine Erfolgskonzepte ja auch besser versteckt.

Binotto beteuerte auch, dass Ferrari nicht in großem Stil geblufft habe. „Das, was Sie gesehen haben, ist ungefähr unser Potenzial.“ Wenn man sich die Rennsimulation von Leclerc am gleichen Tag anschaut, dann sind Zweifel an diesem Statement erlaubt. Da schwingt bei den Ferrari-Fans immer noch die Hoffnung mit, dass Leclerc vielleicht mit mehr Benzin im Tank oder einer moderaten Power-Stufe auf Zeitenjagd gegangen ist.

Auf die Distanz sah der Ferrari besser aus als auf eine Runde. Binotto hatte auch hier eine Erklärung dafür: „Mehr Abtrieb hilft uns beim Reifenmanagement. Deshalb werden wir im Rennen besser sein als auf eine Runde.“

Vergleich Test-Bestzeiten 2019 vs. 2020

Team 2019 2020 Differenz
Williams 1.18,130 min 1.16,871 min -1,259
Racing Point 1.17,556 min 1.16,634 min -0,922
Red Bull 1.17,091 min 1.16,269 min -0,822
Renault 1.16,843 min 1.16,276 min -0,567
Mercedes 1.16,224 min 1.15,732 min -0,492
Alfa Romeo 1.17,239 min 1.16,942 min -0,297
McLaren 1.16,913 min 1.16,820 min -0,093
Haas 1.17,076 min 1.17,037 min -0,039
Alpha Tauri 1.16,882 min 1.16,914 min 0,032
Ferrari 1.16,221 min 1.16,360 min 0,139
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