Nico Hülkenberg - GP Kanada 2018 Wilhelm
Ferrari - Formel 1 - GP Kanada 2018
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Mercedes - Formel 1 - GP Kanada 2018 20 Bilder

Top-Teams überrunden Mittelfeld

Warum ist der Abstand so groß?

Mercedes, Ferrari und Red Bull fahren momentan ihr eigenes Rennen. Das Mittelfeld ist eine Sekunde und mehr langsamer. Doch wo verlieren Renault, Force India und Co so viel Zeit? Wir haben bei den Experten nachgefragt.

Die Formel 1 ist eine Zweiklassengesellschaft, und das ist schlecht. Das können auch die Schönredner aus den vorderen Startreihen nicht bestreiten, die behaupten, es wäre schon immer so gewesen. Nico Hülkenberg bezeichnet seine 7. Plätze im Training und im Rennen mit Recht als „Pole Position und Sieg“. Wer Siebter wird, ist Erster der Formel B. Mercedes, Ferrari und Red Bull belegen immer die ersten sechs Plätze. Nur Unfälle oder Defekte können die drei Top-Teams stoppen.

Der Rückstand des Mittelfeldes zur Pole Position betrug bei allen sieben Grand Prix mindestens immer eine Sekunde. Das Delta schwankt zwischen 2,023 Sekunden in Melbourne und 1,025 Sekunden in Baku. Auch im Rennen setzt sich die Überlegenheit der Top 6 fort. In Barcelona und zuletzt in Montreal wurden alle Fahrer hinter den drei Top-Teams überrundet. Nur ein spätes Safety-Car bewahrt den Mittelstand vor dieser Blamage.

Selbstredend gingen alle Pole Positions, schnellste Rennrunden und Führungskilometer an Mercedes, Ferrari und Red Bull. Das Podium von Sergio Perez in Baku war nur möglich, weil beide Red Bull crashten, Valtteri Bottas mit einem Reifenschaden ausgefallen war und Sebastian Vettel sich mit einem Verbremser bei einem Re-Start kurz vor Schluss aus den Podiumsplätzen geschossen hatte.

Red Bull wie mit Allradantrieb

Pirelli 18 Zoll - GP2 - Showrun - Monaco - 2015
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Eigentlich hört sich eine Sekunde bei Rundenzeiten von 70 bis 100 Sekunden gar nicht so schlimm an. Das sind in Distanz umgerechnet vielleicht 60 Meter. Doch nach Formel 1-Normen ist eine Sekunde eine Menge. Erst recht, wenn man bedenkt, dass Mercedes, Ferrari und Red Bull sich in Montreal auf 173 Tausendstelsekunden gedrängelt haben und auch das Mittelfeld nur drei bis vier Zehntel auseinanderliegt.

Wo kommt dann diese Sekunde her? So anders als die Top-Autos sehen doch ein Renault, Force India oder HaasF1 gar nicht aus. Und sie haben die gleichen Motoren wie die Werksmannschaften.

Nico Hülkenberg beschreibt das Gefühl der Ohnmacht aus Fahrersicht: „Die gewinnen überall ein paar Hundertstel und das summiert sich. Bei jedem Bremsmanöver, beim Rollen zum Scheitelpunkt, beim Rausbeschleunigen. Die Red Bull-Fahrer stehen aus jeder Kurve raus fünf Meter früher am Gas. Du glaubst, die haben einen Allradantrieb. Wenn ich das mache, fliege ich in die Mauer oder ich ruiniere mir die Hinterreifen.“

Der Renault-Pilot könnte manchmal ganz schön neidisch auf seine sechs Kollegen in den Top-Autos werden: „Ob die einen guten oder schlechten Tag haben, das Setup richtig oder falsch erwischen: Sie wissen, dass sie garantiert immer vor dem Mittelfeld stehen.“

Mehr Geld, mehr Leute, mehr Ideen

Red Bull - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 7. Juni 2018
ams
Auf die Leitbleche am Red Bull hat auch die Konkurrenz ein Auge geworfen.

Technisch kann es Hülkenberg auch nicht erklären. Nur so viel: „Schau dir den Apparat an Leitblechen an, den die Red Bull zwischen den Vorderrädern und den Seitenkästen haben. Das ist schon nochmal eine andere Welt. Da steckt unglaublich viel Knowhow drin.“

Force India-Technikchef Andy Green glaubt, dass die drei besten Autos im Feld rund 25 Prozent mehr Abtrieb haben als der Rest. Das wären acht Prozent. „Und damit ist nutzbarer Abtrieb gemeint. Ich kann auch ineffizienten Anpressdruck auf das Auto bauen, aber dann verhagelt es mir die Fahrzeugbalance und den Luftwiderstand.“

Mehr nutzbarer Anpressdruck bedeutet auch eine bessere Reifennutzung und mehr Grip. „Da multipliziert sich der Vorteil der großen Teams.“ Wer 100 Millionen Euro mehr in der Kasse hat, kann entsprechend mehr ausprobieren. „Die Top-Teams kümmern sich um jede Kleinigkeit. Sie können unendlich viele Dinge mehr ausprobieren als wir. Da fehlt uns einfach das Personal dazu“, bedauert Green.

Renault-Einsatzleiter Alan Permane hält deshalb auch Ansagen für unseriös, die von einem Jahr aufs nächste versprechen, die Lücke zur Spitze zu schließen: „Das ist einfach nicht möglich. Die Top-Teams haben überall Vorteile. Du kannst nicht in einem Winter auf allen Gebieten dein Defizit ausgleichen. Das ist ein Prozess über Jahre.“

Abstand Mittelfeld zu Pole Position

Rennen Pole-Zeit Bester Mittelfeld Rückstand
GP Australien 1:21,164 min (Hamilton) Magnussen (HaasF1) 2,023 s
GP Bahrain 1:27,958 min (Vettel) Gasly (Toro Rosso) 1,317 s
GP China 1:31,095 min (Vettel) Hülkenberg (Renault) 1,437 s
GP Aserbaidschan 1:41,498 min (Vettel) Ocon (Force India) 1,025 s
GP Spanien 1:16,173 min (Hamilton) Magnussen (HaasF1) 1,503 s
GP Monaco 1:10,810 min (Ricciardo) Ocon (Force India) 1,251 s
GP Kanada 1:10,765 min (Vettel) Hülkenberg (Renault) 1,208 s
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