Max Verstappen - Red Bull - GP Frankreich 2021 - Paul Ricard - Freitag Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Frankreich 2021 48 Bilder

Teams unter dem Budget Cap: Angst vor gelben Kerbs

Sparen unter dem Budgetdeckel Angst vor den gelben Abweisern

Die Top-Teams klagen ihr Leid. Red Bull und Mercedes müssen jeden Cent zusammenkratzen, um die Auflagen der Budgetdeckelung zu erfüllen. Das führte in Frankreich sogar zur Forderung, die FIA möge bitte die gelben Baguette-Kerbs abbauen, weil sie den Autos schaden. In Österreich könnte das Problem wieder auftauchen.

Die Aufgabe für die Großen der Königsklasse ist riesengroß. Die Topteams müssen 2021 mit 80 bis 100 Millionen Dollar weniger in der Tasche auskommen. Die Budgetdeckelung zwingt sie, ihre Ausgaben drastisch herunterzufahren. Um unter die Obergrenze zu gelangen, machen Mercedes, Ferrari und Red Bull Klimmzüge in einer Sauna. Auch McLaren und Renault müssen zurückfahren. Man spricht bei ihnen von einer Summe zwischen 20 und 30 Millionen weniger. Ihnen fällt das Gesundschrumpfen deshalb leichter, weil sich nicht von einem hohen Sockel steigen, aber keineswegs leicht.

Das verbleibende Feld nähert sich von der anderen Seite an. Für Alpha Tauri, Aston Martin, Alfa Romeo, Williams und Haas geht es darum, überhaupt an die Obergrenze zu gelangen. Die liegt in dieser Saison nicht bei den ursprünglich veranlagten 145 Millionen US-Dollar für Rennbetrieb, Entwicklungsetat und Personalkosten, sondern bei 149,8 Millionen. Wegen der 23 angesetzten Rennen (statt 21) und der zwei kurzfristig abgesagten Grand Prix von Kanada und der Türkei gesteht die FIA mehr zu. Es gibt jeweils 1,2 Millionen Dollar obendrauf.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Frankreich 2021 - Paul Ricard - Freitag
Motorsport Images
Die gelben Abweiser halten die Fahrer davon ab, schneller durch die Kurve zu fahren und die Streckenlimits zu überschreiten.

Anfrage bei Rennleiter Masi

Die Topteams klagen trotzdem. Mercedes und Red Bull auffällig viel, Ferrari hingegen ist verhältnismäßig ruhig. Das Freitagstraining zum GP Frankreich sprach Bände. Da wechselten sich Mercedes und Red Bull ab, Rennleiter Michael Masi vorzurechnen und ihn zum Handeln aufzufordern. Ihre Intention: Den Australier dazu bewegen, die gelben Abweiser am Streckenrand doch bitte abbauen zu lassen.

Erst hatte sich Valtteri Bottas den Frontflügel auf den "Baguettes" neben den eigentlichen Randsteinen kaputtgeschlagen, dann Max Verstappen. Ihre Teammanager meldeten sich via Funk, und sprachen von Schäden im fünfstelligen bis sechsstelligen Bereich. Masi blieb hart. Die aggressiven Abweiser schmückten auch am Samstag und Sonntag die Auslaufzonen des Circuit Paul Ricard. Das Argument: "Sie waren ja auch 2019 da." Da gab es aber noch keinen Budgetdeckel.

Ohnehin wäre es praktisch unmöglich geworden, über Nacht Zeitschleifen als Ersatz einzuziehen. Dafür hätte man den Asphalt schon aufgraben müssen. Ohne eine physische Begrenzung, ohne Sensoren hätte es wahrscheinlich Wildwuchs gegeben. Die Fahrer hätten machen können, was sie wollen. Das hätte wieder die leidige Diskussion um die Track Limits losgetreten.

Fortsetzung in Spielberg wahrscheinlich

Wirklich glücklich über die gelben Abweiser ist kein Team. "Das ist ein Rumgeeiere. Sie sollen Limits setzen, wo der Fahrer halt sofort draußen ist", befand Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Also ein Kiesbett zum Beispiel. Die Steinchen lädieren zwar auch die Autos, strafen aber vor allem die Piloten.

"Ich bin kein Fan einer Lösung, die dazu führt, dass die Autos beschädigt werden", meinte Aston Martins Teamchef Otmar Szafnauer zu den Baguette-Kerbs. "Es kann der Fall eintreten, dass der Fahrer im Zweikampf vor die Wahl gestellt wird. Entweder über diese Randsteine zu fahren oder in das andere Auto." Beide Varianten führen zu Schäden.

Haas-Teamchef Guenther Steiner meint: "Egal, ob kleines oder großes Team: Es ist nicht konstruktiv, Randsteine zu haben, die Autos zerstören. Wir sollten schlauer sein." Im Fahrerlager gab es auch andere Stimmen. Sollen die Fahrer den Abweisern halt fernbleiben. Bei einer Mauer wäre es ja auch nicht anders.

Wir können sagen: Stellen Sie sich jetzt schon mal darauf ein, dass es in Österreich genauso weitergeht. Der Red Bull-Ring gehört mit seinen Randsteinen und den gelben "Sausage"-Kerbs – die berühmten langen Würste neben den Kurven 1 und 3 – zu den aggressivsten Strecken im Rennkalender. Für den Frontflügel, das Bodywork, die Aufhängungen. Im Kontext des Budgetdeckels würden manche Teams deshalb wohl lieber nur einmal in Spielberg fahren.

Start - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
xpb
In Spielberg gibt es besonders aggressive Randsteine und gelbe "Sausage"-Kerbs.

2022 noch weniger Budget

2021 ist der erste Teil der Aufgabe. Im nächsten Jahr fällt das Budget weiter. Das Regelwerk sieht eine Obergrenze von 140 Millionen Dollar vor – also fünf Millionen weniger als ursprünglich in dieser Saison. Klingt vielleicht nicht nach viel. Den Topteams, die um jeden Tausender feilschen, bereitet die Absenkung allerdings Kopf- und Bauchschmerzen. Ihnen steht das Wasser schon jetzt bis zum Hals.

Das Problem: Schäden sind im Vorfeld schwer zu kalkulieren. Kleine und große Unfälle können immer passieren. Die Teams nehmen die Vergangenheit als Referenz für die Planung. Doch was heißt das schon? Beispiel Mercedes in Imola: Eine Kollision mit einem Williams, der zu einem Millionenschaden führte, gab es in der Vergangenheit nicht.

Das Budget Cap und seine Folgen: Der neutrale Fan darf sich die Hände reiben. Kein Team kennt das Erfolgsrezept aus angemessener Personalstärke und Entwicklungsetat. Wie viele Mitarbeiter muss man beschäftigen, um genügend kreative Köpfe zu haben? 500, 700, 800? Sie wissen: je mehr Köpfe, desto mehr Ideen. Wie viele in andere Projekte stecken, um mehr Budget für das Auto übrig zu haben?

Dazu kommen die großen Einschnitte bei Windkanal und CFD. Früher konnten die Großen einfach in viele verschiedene Richtungen gehen, die vielversprechendste auswählen und die restlichen neun Lösungen in die Tonne klopfen. Dafür haben sie heute weder die Zeit noch die Rechenkapazität oder das Geld. Über kurz oder lang wird das bedeuten: Es gewinnt nicht mehr der mit dem meisten Geld, sondern das Team, das am effizientesten wirtschaftet.

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