Trainingsanalyse GP Ungarn 2018

Mercedes sucht noch Rundenzeit

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn - Budapest - Formel 1 - Freitag - 27.7.2018 Foto: xpb 95 Bilder

Am ersten Trainingstag duellierten sich Ferrari und Red Bull um die schnellsten Runden und Longruns. Und wo war Mercedes? Auf eine Runde wegen Fahrfehlern weit weg, im Longrun auf Blickkontakt mit den Gegnern.

Das Ergebnis der ersten beiden Trainingssitzungen zum GP Ungarn erzählt ausnahmsweise die ganze Geschichte, obwohl es nur die Momentaufnahme einer einzelnen Runde ist. Am Vormittag war Daniel Ricciardo vor Sebastian Vettel Schnellster, am Nachmittag Sebastian Vettel vor Max Verstappen. Bislang liefern sich Ferrari und Red Bull nicht nur um die schnellsten Runden ein Duell, sondern auch um die besten Dauerläufe. Auf dem Ultrasoft-Reifen gab Ricciardo mit 1.21,971 Minuten im Durchschnitt den Ton an, auf dem Soft-Gummis Vettel mit 1.20,855 Minuten.

Während auf der weichsten Pirelli-Mischung die ersten vier Plätze an Red Bull und Ferrari gingen, ist auf den Soft-Reifen Valtteri Bottas in die Phalanx der Gegner eingebrochen. Allerdings stolze 0,375 Sekunden hinter Vettel. Die Soft-Longruns waren ähnlich lang. Vettel fuhr 10, Bottas 12 Runden. Mercedes-Teamchef Toto Wolff fasste den ersten Trainingstag in gebotener Kürze zusammen: „Auf Soft-Reifen gut, auf Ultrasoft bescheiden.“ Red Bull ist wie oft am Freitag bei der Musik, fürchtet aber, dass die Konkurrenz am Samstag die Power aufdreht. Was bei nur rund 50 Prozent Volllastanteil nicht ein so gewichtiger Faktor ist wie auf den letzten Rennstrecken.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Hat Red Bull eine Chance?

Red Bull verliert im Vergleich zu Ferrari eine halbe Sekunde auf den zwei Geraden. Und steht damit auch im Sektor 1 im Regen. In dem gibt es nur drei Kurven. „Wir müssen im Sektor 1 mehr Zeit finden, ohne uns die Reifen für den dritten Sektor kaputtzumachen“, macht sich Motorsportchef Helmut Marko Mut. Red Bull ist wie erwartet der König der Kurven 2, 4, 12, 13 und 14. Vettel urteilt: „Die fahren aber auch mal wieder mit einem Segel um den Kurs. Logisch, dass die gut in den Kurven aussehen.“ Gemeint ist die starke Anstellung des RB14.

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Ungarn - Budapest - Formel 1 - 27.7.2018 Foto: sutton-images.com
Red Bull machte am Trainingsfreitag eine gute Figur.

Bei den Ultrasoft-Longruns war Red Bull bei der Musik. Ricciardo fuhr im Schnitt eine halbe Sekunde schneller als Vettel, legte aber auch 7 Runden weniger zurück. Kimi Räikkönens Mittelwert von 1.22,052 Minuten bedeutete zwar die zweitschnellste Zeit, ist aber wegen der Kürze von nur 6 Runden nicht besonders aussagekräftig. Helmut Marko warnt: „Die Longruns hier sind schwer zu lesen. Der Verkehr hat viel verzerrt.“ Deshalb blieb Sebastian Vettel auch ungewöhnlich lange mit seinen Ultrasoft-Gummis auf der Bahn. „Es war gerade wenig Verkehr auf der Strecke. Das wollte ich ausnutzen.“ Die Mercedes-Ingenieure vermuteten auch, dass Ferrari Pirellis Superkleber auf seine Dauerlaufeigenschaften testen wollte, weil man in den letzten beiden Rennen die Reifen immer stärker abgenutzt hat als Mercedes.

Am ersten Tag in Budapest war es mit den Ultrasoft-Reifen im Vergleich Ferrari gegen Mercedes umgekehrt. Marko schließt trotzdem ein Zweistopp-Rennen nicht aus, wenn es so heiß bleibt. Die Ultrasoft-Gummis zeigten bei vielen Piloten leichte Blasenbildung. Im Bereich des Motors hat Red Bull leicht aufgerüstet. Endlich hat Renault seinen B-Motor von Renault auch auf den Kraftstoff von Mobil angepasst. Macht ein Prozent oder 9 PS mehr Leistung. Das trifft auch auf den A-Motor zu, den Ricciardo mangels gesunder Triebwerke der B-Spezifikation in seinem Motoren-Pool noch ein Rennen fahren muss.#

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2) Funktioniert Ferraris Power-Trick auch in Ungarn?

Ja. Auch in Ungarn sind Anzeichen zu erkennen, dass Ferrari bei Bedarf auf den Geraden den Nachbrenner einschaltet. Vettel und Räikkönen haben auf Mercedes auf den Geraden zwischen zwei und drei Zehntel gutgemacht, gegen Red Bull eine halbe Sekunde. Eine Erklärung dafür gibt es noch immer nicht. Nur neue Beobachtungen. Ferraris V6-Turbo klingt in der ersten Beschleunigungsphase ganz anders als der Rest. Da ist ein ungewöhnliches harsches Kreischen zu hören, so als ob der Motor an der Klopfgrenze gefahren wird und das Wastegate überschüssigen Druck ablässt.

3) Warum war Mercedes auf eine Runde so langsam?

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas haben in der ersten Runde mit Ultrasoft-Reifen im dritten Sektor jeweils Fehler gemacht. Deshalb der ungewöhnlich große Rückstand von 7 Zehntelsekunden. Hamiltons Idealzeit lag bei 1.17,165 Minuten und war damit nur noch drei Zehntel über der Bestzeit von Vettel. Beide Mercedes-Piloten taten sich schwer, die Hinterreifen über die gesamte Runde bei Laune zu halten. Oft waren sie im letzten Sektor schon zu heiß. Bei den Longruns sahen die Silberpfeile besser aus, speziell auf den Soft-Reifen. „Sie haben da ziemlich stark angefangen“, staunte Vettel. Red Bull fiel auf, dass Hamilton und Vettel in ihre Ultrasoft-Longruns je einmal eine tiefe 1.20er Zeit einstreuten, während Max Verstappen und Daniel Ricciardo nicht unter 1.20,6 Minuten kamen. Marko merkte an: „Das war aber immer nach einer Abkühlrunde.“

4) Warum war Toro Rosso so stark?

Der Hungaroring ist keine Power-Strecke. Das hilft, wenn man in der Leistung noch hinterherhinkt. Außerdem mag der Toro Rosso langsame und mittelschnelle Kurven und die Hitze. „Ich hoffe, Gasly und Hartley können ihre guten Zeiten endlich mal in den Samstag hinüberretten“, betet Marko. Pierre Gasly gelang mit 1.23,331 Minuten der zweitschnellste Longrun im Mittelfeld. Nur knapp hinter Carlos Sainz, der mit 1.23,207 Minuten bestätigte, dass der Renault wie der Toro Rosso ein Auto für langsame Kurven ist.

Kevin Magnussen - HaasF1 - GP Ungarn - Budapest - Formel 1 - 27.7.2018 Freitagscheck F1-Mittelfeld HaasF1 und Renault im Clinch

Im Mittelfeld geht es wieder extrem eng zu. Auf eine Runde liegen 1,1 Sekunden zwischen den Plätzen 7 und 17. Bei den Longruns ist es noch krasser. Auf den Ultrasoft-Gummis. trennen Renault, Toro Rosso, HaasF1, Force India, McLaren und Sauber nur 0,784 Sekunden. Selbst Williams-Pilot Sergey Sirotkin war mit 1.24,270 Minuten noch nicht hoffnungslos weit weg. Auf den Soft-Reifen beträgt das Delta der Mittelfeld-Teams sogar nur 7 Zehntel. Romain Grosjean führte die Reihenfolge an. Nur sechs Piloten absolvierten ihre Rennsimulationen am Nachmittag auf den Medium-Reifen. Darunter auch Pierre Gasly, Nico Hülkenberg, Kevin Magnussen und Marcus Ericsson. Erstaunlich: Gasly verlor nur eine halbe Sekunde auf Räikkönen, gewann aber 6 Zehntel auf Hülkenberg.

5) Zwingt die Hitze zum Zweistopp-Rennen?

Im letzten Jahr kam Sieger Sebastian Vettel mit einem Boxenstopp über die Distanz. In diesem Jahr könnten es zwei sein, auch wenn Vettel 20 Runden auf den Ultrasoft-Reifen fuhr. Rein rechnerisch sind ein oder zwei Stopps über 70 Runden praktisch gleich schnell. Doch bei der am Sonntag erwarteten Hitze und im Verkehr nutzten sich die Reifen unter Umständen stärker ab als unter Testbedingungen an einem Freitag. Ein Beispiel: Vettels Ultrasoft-Longrun begann mit einer Zeit von 1.21,192 Minuten. Nachdem die Zeiten nach 14 Runden später auf 1.23,426 Minuten gestiegen waren, legte der WM-Zweite ein paar Abkühlrunden ein. Erst danach schaffte er noch eine Runde mit 1.22,065 Minuten.

6) Warum blieb Nico Hülkenberg stehen?

Als Nico Hülkenberg im ersten Training ausrollte, war sein Display schwarz. „Kompletter Stromausfall“, erzählte Teamchef Cryril Abiteboul. Renault wechselte auf die erste Batterie im Kontingent zurück. Ein neuer Energiespeicher hätte eine Strafversetzung um 10 Plätze bedeutet. Die droht Hülkenberg sowieso in den nächsten Rennen, aber man will sie nicht auf einer Rennstrecke nehmen, auf der man nicht überholen kann. Der Einbau der Batterie und eines neuen Getriebes nahm viel Zeit in Anspruch. Hülkenberg nahm erst nach 43 Minuten am Training teil. Ihm blieb nur noch Zeit für einen 14-Runden-Dauerlauf auf Medium-Reifen. Nach dem zweiten Training gab es neuen Ärger für den Renault-Piloten. Er benutzte im zweiten Training einen Reifensatz, den das Team im ersten schon offiziell an Pirelli zurückgereicht hat. Das Team bekam eine 10 000 Euro-Strafe auf Bewährung aufgebrummt. Sauber muss gleich zahlen. 5.000 für ein lockeres linkes Hinterrad. „Ein ähnlicher Fall wie in Silverstone“, verrät Teammanager Beat Zehnder.

Longrun-Analyse GP Ungarn 2018

Fahrer ø längster Longrun Runden Reifen
1. Ricciardo 1.21,971 13 ultrasoft
2. Räikkönen 1.22,052 6 ultrasoft
3. Verstappen 1.22,351 13 ultrasoft
4. Vettel 1.22,544 20 ultrasoft
5. Hamilton 1.22,626 14 ultrasoft
6. Bottas 1.22,694 14 ultrasoft
7. Sainz 1.23,207 19 ultrasoft
8. Gasly 1.23,331 17 ultrasoft
9. Magnussen 1.23,368 12 ultrasoft
10. Perez 1.23,498 12 ultrasoft
11. Grosjean 1,23,603 14 ultrasoft
12. Ocon 1,23,613 13 ultrasoft
13. Ericsson 1,23,683 15 ultrasoft
14. Hartley 1.23,847 9 ultrasoft
15. Alonso 1.23,916 12+9 ultrasoft
16. Sirotkin 1.24,270 9 ultrasoft
17. Stroll 1.24,379 10 ultrasoft
18. Leclerc 1.24,450 11 ultrasoft
1. Vettel 1.20,855 10 soft
2. Bottas 1.21,230 17 soft
3. Ricciardo 1.21,267 12 soft
4. Hamilton 1.21,274 12 soft
5. Verstappen 1.21,315 14 soft
6. Grosjean 1.22,744 9 soft
7. Ocon 1.22,774 16 soft
8. Perez 1.22,927 10 soft
9. Vandoorne 1.23,139 20 soft
10. Leclerc 1.23,242 9 soft
11. Stroll 1.23,445 19 soft
12. Hartley 1.24,145 13 soft
1. Räikkönen 1.22,051 18 medium
2. Gasly 1.22,528 9 medium
3. Hülkenberg 1.23,117 14 medium
4. Magnussen 1.23,140 6 medium
5. Ericsson 1.23,421 11 medium
6. Sirotkin 1.24,411 20 medium
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