Überholproblem nicht gelöst

Situation eher schlimmer als besser

Carlos Sainz - McLaren - Testfahrten 2019 - Barcelona Foto: Wilhelm

Sind die neuen Aerodynamik-Regeln ein Flop? Die Fahrer berichten, dass sich nichts geändert hat. Hinterherfahren und Überholen ist mindestens so schwer wie vorher auch. Die Ingenieure befürchten sogar eine Verschlechterung.

Der Plan der FIA und vom F1-Management war ambitioniert. Neue Aerodynamik-Regeln sollen das Überholen erleichtern. Das ist vor zehn Jahren schon einmal schiefgegangen. 2009 wurden die Flügeldimensionen geändert und die Verkleidung von sämtlichen Aufbauten entrümpelt, um dem nachfolgenden Auto eine bessere Luft zu schenken. Tatsächlich hat man damit das Problem noch verschärft. Dank der breiteren Frontflügel konnten die Ingenieure die turbulente Luft außen um die Vorderräder herumdirigieren. Diese Verwirbelungen trafen hinter dem Auto wieder zusammen und raubten dem Verfolger Anpressdruck.

Die neuen Regeln zielen darauf ab, das zu verhindern. Der Frontflügel ist jetzt weniger zerklüftet, aber auch breiter. „Wozu hat man die Flügel wieder breiter gemacht, wenn man vor Jahren drauf gekommen ist, dass genau diese breiten Flügel das Problem sind?“, wundert sich Sebastian Vettel.

Vettel rundenlang hinter Sainz

Die Breite von zwei Metern erlaubt es den Ingenieuren nämlich, das so genannte Outwash-Prinzip fortzusetzen. Die Frontflügelendplatten sind so breit wie die Vorderreifen und auch noch 15 Grad nach außen angewinkelt. Den Rest erledigen die Aerodynamiker mit der Anordnung der Flaps. Bei den meisten Autos sind sie außen flacher als innen.

Max Verstappen - Red Bull - F1-Test - Barcelona - 2019 Foto: Wilhelm
Der Vordermann stört die Aerodynamik des Hinterherfahrenden immer noch extrem.

Schon im Vorfeld hatten viele Experten befürchtet, dass die neuen Regeln das Überholproblem nicht lösen werden. „Es hat überhaupt nichts gebracht, nur einen Haufen Geld gekostet“, lästert Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Dann fährt der Doktor fort: „Unsere Fahrer berichten, dass sie im Windschatten immer noch die gleichen Turbulenzen spüren.“

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton traten am dritten Testtag den Beweis an, dass sich nichts geändert hat. Vettel fuhr rundenlang hinter dem McLaren von Carlos Sainz her, Hamilton eine gefühlte Ewigkeit hinter dem Sauber von Kimi Räikkönen. Der Ferrari-Pilot hatte zuvor zwei Sekunden pro Runde auf Sainz aufgeholt. Vettel berichtete: „Keine Chance an ihm vorbeizufahren. Ich bin einfach nie nah genug an ihn herangekommen“

Situation noch schlechter als vorher?

Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg haben die gleiche Erfahrung gemacht. Sie berichteten einstimmig, dass sich vom Fahrgefühl gar nichts geändert hat. „Als hätte man die Copy & Paste-Taste gedrückt“, grinst Nico Hülkenberg.

Red Bull-Technikchef Adrian Newey fürchtet sogar, dass es noch schwieriger wird, sich im Windschatten eines anderen Autos zu halten. „Du verlierst genauso viel Abtrieb wie vorher. Der ist aber noch instabil, weil uns jetzt die vertikalen Leitbleche im Frontflügel zum Kontrollieren der Strömung fehlen.“

Force India-Technikchef Andy Green wundert sich nicht, dass die Bemühungen der Überhol-Kommission ins Leere laufen: „Wir bauen keine Autos, die dem Hintermann das Fahren erleichtern. Wir schauen, dass unser Auto so schnell wie möglich ist. Und dazu muss die Luft außen an den Rädern vorbei. Solange wir die Chance sehen, das zu tun, werden wir es machen.“

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