Start - GP USA-West 1977 - Long Beach Motorsport Images

Formel 1 in den USA

Grand Prix auf Wanderschaft

1000. GP

Die Formel 1 und die USA. So richtig angekommen ist die Königsklasse jenseits des Großen Teiches nie. Das wird schon dadurch klar, dass der GP-Zirkus seit 1959 nie eine echte Heimat in den USA gefunden hat. Zehn Rennstrecken spielten den Gastgeber.

Die Formel 1 hat in den USA eine überschaubare, aber feine Fan-Gemeinde. Sie schaut über den Tellerrand der Nascar- und IndyCar-Rennen hinaus. Die ersten Rennen ab 2000 in Indianapolis waren ausverkauft. Zur Premiere des GP-Zirkus in Austin kamen 265.445 Zuschauer an drei Tagen. Damals noch ohne Pop-Konzert als Köder.

Der Circuit of the Americas ist der zehnte Gastgeber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was die Vermutung nahelegt, dass die Königsklasse zwischen New York und Los Angeles nie so richtig angekommen. „Wir hatten nur einmal so etwas wie ein Zuhause hier, und das war Watkins-Glen“, fasst US-Rennsportlegende Mario Andretti zusammen. Der Weltmeister von 1978 erinnert sich gerne an die Zeit am „Glen“, wie die Rennstrecke in Motorsportkreisen genannt wurde. „Ein toller Kurs. Würde man ihn nach heutigen Standards bauen, wäre er ein echtes Highlight.“

Am häufigsten in Watkins-Glen

Watkins-Glen war mit 20 Grand Prix zwischen 1961 und 1980 am häufigsten Schauplatz des GP USA. Bis 1970 wurde auf einer 3,7 Kilometer Version gefahren. Ab 1971 wuchs die Strecke im Bundesstaat New York auf 5,4 Kilometer Länge an. Die Berg- und Talbahn war fahrerisch eine Herausforderung. Und extrem gefährlich. Francois Cevert und Helmut Koinigg kamen hier 1973 und 1974 bei Unfällen ums Leben. Beide Mal führten schlampig befestigte Leitplanken zu den tödlichen Verletzungen. 1980 wurde die Rumpelpiste der Formel 1 zu gefährlich. Man hatte inzwischen Alternativen zu einem Ort, der im Oktober meist auch noch mit grauem Himmel und kühlen Temperaturen aufwartete.

Angefangen hat alles 1959 auf dem Flugplatzkurs von Sebring. Der ist eigentlich eher bekannt durch das 12-Stunden-Sportwagenrennen. Streckenbesitzer Alec Ullmann erfüllte sich seinen Traum, die Formel 1 nach Amerika zu bringen. Sebring bekam am 12. Dezember 1959 gleich auch noch das Finale, in dem Jack Brabham, Stirling Moss und Tony Brooks um die WM-Krone kämpften. Brabham gewann mit Platz 4. Das Bild ging damals um die Welt. Der Australier schob seinen Cooper-Climax ohne Sprit im Tank über die Ziellinie. Sein Cooper-Teamkollege Bruce McLaren hatte mit seinem Sieg die letzte Hoffnung von Tony Brooks zerstört. Moss war bereits in der Anfangsphase ausgefallen.

Wirtschaftlich war das Rennen eine Pleite. Nur 20.000 Zuschauer fanden sich ein. 1960 zog die Formel 1 nach Riverside um. Der Titel war längst zugunsten von Jack Brabham entschieden. Stirling Moss gewann auf dem 5,2 Kilometer langen Kurs in der kalifornischen Wüste. Die Teams hausten außerhalb der Rennstrecken in lokalen Garagen. Es gibt Fotos, da werden die Formel 1-Autos auf eigener Achse über den Highway zur Rennstrecke gefahren. Auch Riverside konnte als Veranstalter nicht überzeugen. Das Rennen lockte nicht mehr Zuschauer an als Sebring.

Zweiter US-Gand Prix in Long Beach

Mit Watkins-Glen fand der GP USA ab 1961 zum ersten Mal eine ständige Bleibe. Die 110 Runden-Schlacht wurde sogar so etwas wie ein Klassiker am Saisonende. Doch ab 1976 musste sich Watkins-Glen die Aufmerksamkeit mit Long Beach teilen. Veranstalter Chris Pook organisierte zusammen mit Bernie Ecclestone das amerikanische Monte Carlo. Kulisse waren keine Wolkenkratzer, sondern die Queen Mary, die im Hafen ankerte und zum Hotel umfunktioniert worden war.

Die spektakuläre Strecke, die mit dem Shoreline Drive im Gegensatz zu Monaco sogar eine echte Überholmöglichkeit bot, lieferte zwischen 1976 und 1983 Dramen und Tragödien. Mario Andretti setzte sich 1977 in einem atemberaubenden Dreikampf gegen Niki Lauda und Jody Scheckter durch. Clay Regazzonis Karriere endete mit einem fürchterlichen Unfall am Ende des Shoreline Drive. Das Bremspedal war gebrochen. Der Schweizer zog sich so schwere Wirbelverletzungen zu, dass er fortan im Rollstuhl saß.

Niki Lauda feierte 1982 den ersten Sieg nach seinem Comeback. John Watson gewann 1983 den Grand Prix vom 22. Startplatz, nachdem Patrick Tambay und Keke Rosberg im Duell um die Spitze kollidiert waren. 1980 endete die Ära Watkins-Glen. „Ab dann sind wir von Strecke zu Strecke zigeunert“, kritisiert Mario Andretti. Der GP USA entdeckte die Städte.

Von Las Vegas nach Detroit

1981 und 1982 brachte Ecclestone die Formel 1 nach Las Vegas. Zwei Mal kürte die Spielerstadt einen Weltmeister. 1981 Nelson Piquet, 1982 Keke Rosberg. Das Rennen fand auf einem Parkplatz hinter dem Caesar‘s Palace-Hotel statt. „Keine Rennstrecke, die dich als Fahrer inspiriert hätte“, erinnert sich John Watson. Der 3,6 Kilometer lange Kurs schlängelte sich in 14 Kurven zwischen Betonwänden hindurch. Nach zwei Jahren hatte Las Vegas genug von der Formel 1. IndyCar kam den Veranstalter billiger.

Alan Jones - Williams FW07C - Gilles Villeneuve - Ferrari 126CK - Las Vegas 1981
Motorsport Images
Formel 1 in Las Vegas: Start zum Grand Prix 1981.

1982 wanderte der Formel 1-Zirkus in Amerikas Motorcity Detroit. Die vier Kilometer lange Strecke am Ufer des Detroit River bestand hauptsächlich aus 90-Grad-Kurven und hatte einen Tunnel wie Monte Carlo. Die Strecke war in Fahrerkreisen nicht sehr beliebt. „Das beste war, dass unser Hotel mitten im Fahrerlager stand. Wir konnten mit dem Aufzug zur Arbeit fahren“, amüsiert sich Jacques Laffite noch heute. Detroit spielte sieben Mal den Gastgeber. 1988 war nach einem Sieg von Ayrton Senna Schluss. Auch Detroit wendete sich der IndyCar-Szene zu, verlegte die Strecke aber auf die Insel Bell Isle.

Hitzerennen von Dallas und Phoenix

1982 war das einzige Jahr, in dem es drei US-Grand Prix gab: Long Beach, Detroit, Las Vegas. Dann fielen Las Vegas und Long Beach aus dem Kalender. 1984 sprang Dallas ein. Die Stadt hatte wegen einer TV-Serie Berühmtheit erlangt, und genau das wollte sich auch die Formel 1 zunutze machen. Im Fahrerlager waren die Schauspieler gefragter als die Formel 1-Piloten. Dallas richtete nach dem Vorbild von Detroit ein Stadtrennen aus. „Bei 45 Grad Hitze“, wie Sieger Keke Rosberg erzählt. Es war so heiß, dass der Asphalt aufbrach. Nur acht von 24 Startern sahen das Ziel.

Wegen der Hitze wurde das Warm-up bereits um sieben Uhr morgens abgehalten. Laffite erschien spaßeshalber im Pyjama. Nigel Mansell brach beim Versuch, seinen Lotus über die Ziellinie zu schieben zusammen. Er wurde noch als Sechster gewertet. Dallas war eine Eintagsfliege. Phoenix durfte immerhin drei Mal ran. Das Debüt in der Wüstenmetropole 1989 fand bei unerträglicher Hitze mitten im Sommer statt. Alle plädierten für eine Verkürzung der Renndistanz. Nur Ken Tyrrell beharrte stur auf den angesetzten 75 Runden. Zu dem Zeitpunkt, an dem die anderen Teams das Rennen beenden wollten, lagen beide Tyrrell noch in den Punkterängen. Nach 75 Runden waren Jonathan Palmer und Michele Alboreto ausgefallen. „Recht so“, spottete die Konkurrenz.

Nur sechs Fahrer sahen die Zielflagge. Christian Danner erzielte mit Platz vier im Rial sein bestes Formel 1-Ergebnis. Die beiden anderen Grand Prix in Phoenix fanden bei kühleren Bedingungen zu Saisonbeginn statt. Ayrton Senna gewann 1990 und 1991. Keiner mochte die Strecke, die drei Mal ihr Layout veränderte. Den Einheimischen war das Rennen egal. Als sich Gerhard Berger im Taxi zum Fahrerlager bringen lassen wollte, fragte ihn der Chauffeur: „Fahrerlager, was ist das?“ In Restaurants wurden wir gefragt, ob auch Mario Andretti und A.J.Foyt am Start stehen. Andrettis Zeit in der Formel 1 war da schon sieben Jahre abgelaufen. Beim letzten Auftritt fanden sich gerade mal 20.000 Zuschauer auf den Tribünen ein.

Skandale in Indianapolis

Der vorletzte Auftritt in den USA führte die Formel 1 ins Motorsport-Mekka Indianapolis. Zwischen 2000 und 2007 fuhren Michael Schumacher und Co acht Mal in dem berühmten Oval, in das ein Kurs mit 13 Kurven integriert war. Beim ersten Mal kamen noch 200.000 Zuschauer. Zum Schluss verlor sich gerade Mal die Hälfte auf den riesigen Tribünen.

Der GP-Zirkus hatte die Fans mit zwei Skandalen vertrieben. 2002 ging ein inszeniertes Fotofinish der Ferrari-Piloten in die Hose. Statt Michael Schumacher gewann Rubens Barrichello. Mit 30 Zentimeter Vorsprung. 2005 standen nur sechs Autos am Start. Die Michelin-Teams bogen nach der Formationsrunde in die Boxengasse ab. Michelin konnte nicht für die Sicherheit seiner Reifen garantieren. Im Training hatte man Schäden an den Karkassen festgestellt. Der linke Hinterreifen hielt den Belastungen in der Steilkurve nicht stand. Michael Schumacher gewann fünf Mal in Indianapolis, und Sebastian Vettel feierte im Speedway 2007 sein Debüt. Seine Erinnerung: „Ein schlechter Start, und im Ziel war ich körperlich k.o.“

Austin hat sich etabliert

Austin ist die zehnte Rennstrecke, die antritt, um dem GP USA eine dauerhafte Heimat zu geben. Mit guten Chancen, wie Mario Andretti bei der Premiere 2012 meinte: „Diese Strecke setzt in Amerika neue Standards. Es gibt nichts Vergleichbares in unserem Land. Wenn die Formel 1 eine gute Show bietet, dann hat dieser Grand Prix eine echte Zukunft.“

Inzwischen war die Formel 1 bereits sieben Mal in Austin zu Gast. Und sie hat ein paar schwere Zeiten erlebt. 2015 regnete es zweieinhalb Tage lang in Strömen. Das zweite Training wurde abgesagt, das dritte fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Qualifikation musste auf Sonntag verlegt werden. Nach der zweiten K.O.-Runde war Schluss. Dann begann der Regen wieder stärker zu werden. Doch die Standhaften unter den Zuschauern wurden belohnt. Der GP USA war die Formel 1-Show des Jahres. Mit 78 Überholmanövern, 47 Boxenstopps, fünf Führungswechseln, zwei echten und zwei virtuellen SafetyCar-Phasen und Höhepunkten zuhauf. Wieder einmal zeigte sich: Je weniger Vorbereitung, umso besser für die Qualität des Rennens.

auto motor und sport feiert das 1.000. Formel-1-Rennen in dieser Saison mit einer großen Serie in 100 Teilen. Wir liefern Ihnen im täglichen Countdown spannende Geschichte und interessante Video-Features aus der Historie der Königsklasse. Alle bisherigen Artikel finden Sie auf unserer >> Übersichtsseite zum großen Jubiläums-Grand-Prix.

Formel 1 in den USA: Grand Prix auf Wanderschaft

GP USA 1959 - Sebring - Start - Stirling Moss - Jack Brabham - Harry Schell
GP USA 1959 - Sebring - Start - Stirling Moss - Jack Brabham - Harry Schell GP USA 1960 - Riverside - Start - Jack Brabham - Dan Gurney - Stirling Moss - Jo Bonnier - Innes Ireland Chris Amon - Ferrari 312 - Graham Hill - Lotus 49B - GP USA 1968 - Watkins Glen GP USA East 1980 - Watkins Glen 16 Bilder
Motorsport Aktuell Mercedes - GP Japan 2019 Taktik-Check GP Japan 2019 Hamilton einfach nicht schnell genug

Ferrari war in Suzuka schneller im Qualifying, Mercedes im Rennen.

Mehr zum Thema F1-Countdown zum 1.000 Rennen
Damon Hill - Lotus 49 - GP China - Shanghai - Formel 1 - Freitag - 12.4.2019
Aktuell
Jordan EJR191-Ford - Rennwagen
Aktuell
Museum - Schlumpf
Aktuell