Formel 1 - GP China 2017 sutton-images.com

F1-Vorschau GP China

Platzt endlich der Ferrari-Knoten?

Nach zwei Mercedes-Siegen sollte Ferrari in China so langsam mal die Wende einleiten. Auch Red Bull steht bereits vor dem dritten Saisonrennen bereits unter Druck. Wir haben die letzten Infos zum Rennen in Shanghai in unserer Vorschau.

Nach den überzeugenden Wintertestfahrten ist Ferrari in Melbourne und Bahrain zweimal unter Wert geschlagen worden. Mercedes ist an der Spitze der WM-Wertung bereits um 39 Punkte enteilt. Vom Lob der Experten für die gute Pace kann man sich in Maranello nichts kaufen. Jetzt muss endlich der erste Sieg her. Doch Shanghai ist für das italienische Traditionsteam nicht gerade das beste Pflaster. Der letzte Ferrari-Sieg durch Fernando Alonso liegt bereits sechs Jahre zurück.

Auch im Red-Bull-Lager ist die Stimmung angespannt. Der große Rückstand auf die Spitze hat die Teamführung in Bahrain alarmiert. In China müssen die Ingenieure beweisen, dass sie das Problem erkannt haben und in die richtige Richtung arbeiten. Besonderer Druck lastet auf Pierre Gasly. Der Neuzugang fuhr seinem Teamkollegen Max Verstappen in den ersten Rennen des Jahres weit hinterher. Die Geduld bei Red-Bull-Sportchef mit seinen Junioren ist bekanntlich nicht sehr groß.

Shanghai ist aber immer für eine Überraschung gut. Bestes Beispiel ist das Rennen im Vorjahr, als es drunter und drüber ging und am Ende Daniel Ricciardo gewann. Mercedes feierte hier 2012 mit Nico Rosberg den ersten Sieg der modernen Silberpfeil-Geschichte. Und auch Sebastian Vettel hat gute Erinnerung an das China-Rennen. 2009 trug er sich in Shanghai erstmals für Red Bull in die Siegerlisten der Formel 1 ein.

Es spricht nichts dagegen, dass die Formel 1 bei ihrem 1.000. Grand Prix ein weiteres Action-Feuerwerk abfackeln kann. Auf ein Regenchaos, wie beim Vettel-Sieg vor 10 Jahren, sollten die Fans aber nicht hoffen. Für das ganze Rennwochenende sind trockene Bedingungen vorhergesagt.

Start - GP China 2018
Motorsport Images
Im vergangenen Jahr führte erst Ferrari, dann Mercedes und am Ende gewann Red Bull.

Die Strecke – Shanghai International Circuit

Der 5,451 Kilometer lange Kurs wurde 2004 vom deutschen Streckendesigner Hermann Tilke in ein Sumpfgebiet vor den Toren Shanghais gepflanzt. Mittlerweile sind im Umfeld der Grand Prix-Strecke zahlreiche neue Wohngebiete wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Vom Layout her bietet der Kurs mit seinen 16 Kurven jede Menge Abwechslung. Es gibt schnelle Kurven, mittelschnelle aber auch sehr langsame Ecken. Besonders markant ist die erste Passage, die in ihrer Form einer „Schnecke“ ähnelt. Die Fahrer bremsen am Ende der Zielgeraden tief in die erste Kurve hinein, lassen sich hinaustragen, um den Scheitelpunkt der zweiten Kehre perfekt zu treffen. Es folgt ein langgezogener Linksknick auf eine etwas längere Gerade.

Die meisten Attacken (mit DRS) wird es wie immer auf der Vollgaspassage zwischen den Kurven 13 und 14 geben. Mit mehr als einem Kilometer ist es eines der längsten Geradeausstücke im Kalender. Weitere Überholmöglichkeiten bieten sich vor Kurve 1, 6 und 11. Die vielen langgezogenen Kehren sorgen für eine ungewöhnliche Belastung der Reifen. Normalerweise sind die Gummis auf der Hinterachse stärker gefordert. In Shanghai sind die vorderen Gummis der limitierende Faktor – besonders der linke, der in den Kurven 1, 2 sowie 12 und 13 stark beansprucht wird.

Pirelli-Infografik - GP China 2019
Pirelli
Pirelli bringt die drei mittleren Reifenmischungen zum Rennen in Shanghai.

Fast Facts zum GP China 2019

  • Streckenlänge: 5,451 Kilometer
  • Rundenanzahl: 56
  • Renndistanz: 305,25 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 16 (9 rechts, 7 links)
  • Streckenrekord: 1:32.238 Minuten (Michael Schumacher, 2004)
  • Weg von Startplatz 1 bis Scheitelpunkt Kurve 1: 336,49 Meter
  • Länge der Boxengasse: 383,2 Meter
  • Top-Speed: 344 km/h
  • DRS-Zonen: T13-T14 / T16-T1

Das Setup für Shanghai

Wegen der beiden langen Geraden sind die Teams gezwungen, mit etwas weniger Abtrieb als gewünscht zu fahren. Sowohl Front- als auch Heckflügel werden etwas flacher gestellt, um den Top-Speed zu erhöhen und die Zweikampf-Chancen zu verbessern. Generell ist in Shanghai ein mittlerer Abtriebslevel gefragt.

Der Asphalt auf der permanenten Rennstrecke in Shanghai wird regelmäßig erneuert. Durch den Mangel an Bodenwellen und die flachen Kerbs, wird die Bodenfreiheit in China traditionell weit heruntergeschraubt. Bei den Bremsen und Motoren sind keine besonderen Belastungen zu erwarten. Der Vollgasanteil liegt mit 59% im unteren Bereich. Die Temperaturen sind in Shanghai zumeist gemäßigt.

Pirelli wird die mittlere Reifenkombination, bestehend aus den Mischungen C2, C3 und C4, nach China mitbringen. Viel Action in Sachen Strategie gibt es in China zumeist nicht. Einstopp-Rennen sind hier eher die Regel als die Ausnahme. Im vergangenen Jahr konnte Red Bull die Konkurrenz allerdings mit einem zusätzlichen Reifenwechsel in einer Safety-Car-Phase überrumpeln.

Upgrades:

In der Frühphase der Saison halten sich Teams mit neuen Teilen in der Regel zurück. Doch schon Australien und Bahrain haben gezeigt, dass die Lernkurve der Ingenieure durch die großen Regeländerungen in der Winterpause hoch ist. Renault und Alfa Romeo haben kleinere Änderungen angekündigt. Wir erwarten aber auch, dass die Top-Teams mit Upgrades auftauchen. Interessant wird zu sehen, ob der Ferrari-Motor von Charles Leclerc die Probleme in Bahrain gut überstanden hat. Ein Kurzschluss hatte zum Versagen einer Einspritzdüse geführt. Das Triebwerk des Monegassen soll nun nach der Reparatur im ersten Training auf Herz und Nieren getestet werden.

Formel Schmidt - Teaserbild - GP Bahrain 2019
Formel Schmidt: Rückblick auf Bahrain, Ausblick auf China
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Die Favoriten:

Das Rennen in Bahrain hat gezeigt, dass Ferrari nur schwer zu schlagen ist, wenn alles glatt läuft. Doch die Scuderia stellte sich zuletzt immer wieder selbst ein Bein. In den ersten beiden Rennen paarten sich Strategie- und Fahrfehler mit Zuverlässigkeitsproblemen. Der Power-Vorteil und die lange Gerade sprechen dafür, dass Vettel und Leclerc den Sieg unter sich ausmachen. Allerdings ist China die erste Strecke für die neuen Autos, bei der die Vorderräder übermäßig beansprucht werden. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das auf das Kräfteverhältnis hat.

Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass man Mercedes nie abschreiben darf. Fünf Siege in den letzten sieben Shanghai-Rennen sprechen eine eindeutige Sprache. Und auch bei Red Bull hofft man, das Potenzial des RB15 endlich auf den Asphalt bringen zu können und wieder näher dran zu sein. Vom Papier wäre ein Sieg der Mannschaft aus Milton Keynes aber eine noch größere Überraschung als im Vorjahr.

Im Mittelfeld wird es wieder ganz eng zur Sache gehen. Eigentlich sehen wir Haas und Renault beim Kampf um die hinteren Punkteplätze in der besten Position. Doch beide Teams konnten ihre Stärke zuletzt in Bahrain nicht in Zählbares ummünzen. Überraschend stark präsentierten sich zu Saisonbeginn McLaren und Alfa Romeo. Die Fans können sich jetzt schon auf heiße Duelle im Verfolgerfeld freuen.

Zeitplan GP China 2019

Ereignis Tag Uhrzeit
1. Training Freitag (12.4.) 4:00 Uhr
2. Training Freitag (12.4.) 8:00 Uhr
3. Training Samstag (13.4.) 5:00 Uhr
Qualifiying Samstag (13.4.) 8:00 Uhr
Rennen Sonntag (14.4.) 8:10 Uhr

So lief das Rennen im Vorjahr – GP China 2018:

Nach einem Turboschaden im dritten Training und einer Last-Minute-Reparatur im Qualifying sah es vor dem China-Rennen 2019 alles andere als gut aus für Daniel Ricciardo. Doch dann waren die Renngötter ausnahmsweise mal gnädig mit dem Australier. In der 31. Runde schickte die Rennleitung das Safety-Car auf die Bahn, nachdem eine Kollision der beiden Toro Rosso-Fahrer Trümmerteile auf die Strecke gespült hatte.

Während Ferrari und Mercedes an der Spitze darauf verzichteten, die Reifen zu wechseln, nutzte Red Bull die Gelegenheit, um frische Soft-Gummis aufzuziehen. Von Rang 6 schnappte sich Ricciardo einen Konkurrenten nach dem anderen. Elf Runden vor der karierten Flagge übernahm er mit einem kompromisslosen Manöver gegen Valtteri Bottas die Führung, die er bis zum Ziel auf 8,8 Sekunden ausbaute.

Ohne das Safety-Car hätte wohl Bottas den Sieg eingefahren. Der Finne hatte sich mit einem Undercut in der ersten Rennhälfte die Führung von Sebastian Vettel geholt. Doch gegen Ricciardo hatte der Finne keine Chance. Für Vettel kam es sogar noch schlimmer. Max Verstappen, der ebenfalls frische Reifen für das Finale bekam, schoss den Ferrari am Ende der langen Gerade ab.

Mit dem beschädigten Auto fiel Vettel bis auf Rang 8 zurück. Verstappen kassierte eine 10-Sekunden-Strafe, die ihn am Ende noch hinter Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton auf Position 5 zurückwarf. Nico Hülkenberg fehlten 0,6 Sekunden, dann hätte er Verstappen auch noch kassiert. Dahinter kam Fernando Alonso auf Position 7. Der Spanier hatte sich in der vorletzten Runde mit einem harten Manöver gegen Vettel durchgesetzt.

Grand Prix von China 2018: Ricciardo siegt dank Red-Bull-Taktik

Sebastian Vettel - Formel 1 - GP China 2018
Sebastian Vettel - Formel 1 - GP China 2018 Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP China 2018 Daniel Ricciardo - Formel 1 - GP China 2018 Gasly vs. Hartley - Formel 1 - GP China 2018 65 Bilder
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