Charles Leclerc - Ferrari - GP Australien 2022 - Melbourne Wilhelm
Valtteri Bottas - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Mick Schumacher - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Carlos Sainz - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 68 Bilder

Vorschau Grand Prix Emilia-Romagna in Imola

Vorschau GP Emilia-Romagna Leclerc-Sieg beim Heimspiel?

Ferrari reitet auf einer Erfolgswelle. Beim vierten Saisonrennen in Imola will Charles Leclerc den Tifosi einen Heimsieg schenken. Kann Red Bull dank neuen Teilen dazwischenfunken? Und welches Team wird sich im Mittelfeld behaupten? In unserer Vorschau haben wir die letzten Infos vor dem Grand Prix der Emilia-Romagna.

Besser kann man kaum in eine Saison starten. Charles Leclerc gewann zwei der drei bisherigen Rennen. Der Monegasse sicherte sich jeweils den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde. Er eroberte zwei Mal die Pole Position. Sein schlechtestes Resultat ist ein zweiter Platz. In Summe hamsterte Leclerc 71 von möglichen 78 Punkten. Kein Wunder, dass der WM-Führende seinen ersten Verfolger, George Russell, bereits um 34 Punkte distanziert hat.

Mit dem F1-75 ist Ferrari ein großer Wurf gelungen. Und Leclerc setzt das Potenzial des roten Autos bislang mit einer Leichtigkeit um, die Konkurrenz und Teamkollege schockt. Carlos Sainz hechelt in der Weltmeisterschaft bereits 38 Punkte hinterher. Es ist zwar noch sehr früh in der Saison, doch lange sollte der Spanier nicht warten, wenn er nicht zur Nummer zwei degradiert werden möchte. Fahrfehler inklusive Ausfall wie zuletzt in Melbourne sind für ihn tabu. Leclerc könnte sich dagegen selbst einen Ausfall leisten und er würde die WM noch immer anführen.

Sprint-Wochenende in Imola

So viel zu den Verhältnissen. Beim Ferrari-Heimspiel in Imola steht Sainz jedenfalls gehörig unter Druck, während Leclerc als Favorit anreist. Die Tifosi wollen den Heimsieg. Man darf davon ausgehen, dass das Autodromo in Erwartung eines Ferrari-Erfolgs voll besetzt sein wird. Bislang haben die Streckenbetreiber über 120.000 Tickets verkauft.

Die Scuderia siegte in Imola zuletzt 2006 – damals mit Michael Schumacher am Steuer der roten Göttin. Die letzten beiden Gastspiele in der Emilia-Romagna – 2020 und im Vorjahr – gewannen Lewis Hamilton und Max Verstappen. Letzterer in einem Rennen, in dem sich eine nasse Piste mit einer trockenen abwechselte.

Regen könnte auch diesmal eine Rolle spielen. Der Wetterbericht sagt einen verregneten Freitag voraus. Auch am Samstag und besonders am Rennsonntag könnte es den Prognosen nach zu Regenschauern kommen. Das verspricht Extra-Spannung, zumal auch das Programm für Action an jedem Tag sorgen wird.

In Imola steigt das erste Sprint-Wochenende der Saison. Bedeutet für die Teams: Nach einem einstündigen Training am Freitag geht es direkt in die Qualifikation. Am Samstag folgt auf ein zweites Training ein Mini-Rennen über 21 Runden (103 Kilometer). Die besten acht Piloten bekommen Punkte. Am Sonntag findet dann der Grand Prix der Emilia-Romagna über 63 Rennrunden statt.

Die Strecke: Autodromo Enzo e Dino Ferrari

Imola ist eine wunderbare Rennstrecke für die Fahrer. Auf einer Qualifikations-Runde mit leeren Tanks und neuen Reifen können sie es hier richtig fliegen lassen. Lewis Hamilton eroberte 2021 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 237 km/h die Pole-Position. Doch die schnelle Rennstrecke vom alten Schlag hat auch ihre Kehrseite.

Es war dort in der Vergangenheit schwer zu überholen, trotz eines über einen Kilometer langen Vollgasstücks. Die Gerade ist zwar lang, die Fahrbahn aber vergleichsweise schmal. In den schnellen Kurven davor litt der Hintermann in den Turbulenzen. Aufgrund der geringen Streckenbreite ist es kaum möglich, versetzt zu fahren, und dadurch der verwirbelten Luft auszuweichen. Im Prinzip ist es nur auf den Stadtkursen von Monte Carlo und Singapur komplizierter zu überholen.

Die bisherigen Rennen der Saison haben gezeigt, dass die neue Formel funktioniert. Die neuen Autos erleichtern das Hinterherfahren und erhöhen die Überholchancen. Auf der sonst überholfeindlichen Rennstrecke in Imola, auf der nur eine DRS-Zone auf der Zielgeraden ausgeschrieben ist, kann die Formel 1 den endgültigen Beweis antreten. Statistiker zählten 2020 mit Abzug der Startrunde nur zehn Platzwechsel in Imola. Weniger Überholmanöver gab es in keinem anderen Grand Prix. Das Vorjahr mit 27 Überholmanövern dient nicht als Referenz, da unter Mischverhältnissen ohnehin leichter überholt wird.

Die Rennstrecke befindet sich zwischen Bologna und der Adria-Küste, und war zwischen 1980 und 2006 fester Bestandteil des Rennkalenders der Formel 1. Zuerst als Ersatz für Monza, ab 1981 dann als GP San Marino. Mit der Rückkehr auf die Traditionsbahn 2020 änderte sich die Streckenführung.

Die Zielschikane – genannt Variante Bassa – wurde ausgebaut, um ein rund 1,2 Kilometer langes Vollgasstück zu schaffen. Damit erreichen die Autos zwischen der Doppellinks von Rivazza und der Tamburello-Schikane deutlich höhere Spitzengeschwindigkeiten. Am Ende der Zielgerade werden fast 330 km/h gemessen.

Zwei Schikanen unterbrechen den Fluss im ersten Streckenabschnitt. Im Mittelsektor folgt auf die Tosa-Haarnadel, die langsamste Kurve der Strecke, erst ein Bergaufstück und dann eine schnellere Kurvensequenz. Zunächst schießen die Autos durch die Linkskurve Piratella, um sich danach in die Acque Minerali zu stürzen. Es geht dabei zunächst links herum durch eine Senke, gefolgt von einer Doppelrechts, an deren Ausgang die Strecke wieder bergauf führt. Der letzte Sektor beginnt mit einer Schikane (Variante Alta) und endet nach Rivazza auf der Zielgerade, die wegen kleinerer Windungen nicht kerzengerade verläuft.

Fehler werden auf dem 4,909 Kilometer langen Kurs noch richtig bestraft. Den Old-School-Charme verleihen Imola einige Auslaufzonen, die nicht asphaltiert sind, sondern aus Gras und Kies bestehen.

Pirelli - Grafik - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
Pirelli
Pirelli liefert die Reifenmischungen C2, C3 und C4.

Fast Facts Imola

  • Streckenlänge: 4,909 Kilometer
  • Rennrunden: 63
  • Renndistanz: 309 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 19 (9 rechts, 10 links)
  • Distanz Pole bis erste Bremszone: 575 m
  • Länge Boxengasse unter Speed-Limit: 549 m (24,7 Sek. Durchfahrtszeit)
  • Vollgasanteil (Rundenzeit): 71 Prozent / Vollgasanteil (Rundendistanz): 76 %
  • Pirelli-Reifen: C2, C3, & C4
  • DRS-Zonen: 1 (Zielgerade)
Charles Leclerc - Ferrari - GP Australien 2022 - Melbourne
Motorsport Images
Vorteil Ferrari? Die Teams haben nur wenig Trainingszeit, ein passendes Setup zu finden.

Das Setup

Drei Schikanen, eine Haarnadel, langsame bis schnelle Kurven – dazu ein langes Vollgasstück: Imola ist eine technisch anspruchsvolle Rennstrecke, die mit einem breiten Spektrum an Kurventypen und einer langen Gerade nach einem Kompromiss beim Setup verlangt, um schnell zu sein.

Auf der Traditionsbahn, die gegen den Uhrzeigersinn verläuft, zählen Motorleistung, Traktion und Bremsstabilität. Um gut aus den langsamen Ecken zu kommen, sollten die Mechaniker die Autos auf der Hinterachse nicht zu hart abstimmen. Allzu tief können sie nicht gelegt werden, sonst droht Ungemach auf den Bodenwellen und den stellenweise hohen Randsteinen. Anpressdruck ist gefragt. Bei der Suche nach dem besten Kompromiss müssen die Ingenieure schnell sein. Das Sprint-Format kürzt die Trainingszeit insgesamt um eine Stunde.

Imola gehört zu den Power-Strecken im Rennkalender. Vom Ausgang der letzten Kurve bis zum ersten Bremspunkt vor Kurve zwei laufen die Motoren für rund 15 Sekunden unter Volllast. Wer hier zu wenig Leistung hat und mit zu großen Flügeln fährt, wird abgestraft. Die Rennstrecke belohnt eine effiziente Aerodynamik.

Pirelli liefert die Mischungen C2 bis C4 – wie in Saudi-Arabien in dieser Saison. Es wird ein Härtetest für die neuen Reifen. Reifenverschleiß und -Abnutzung sind dabei nicht das große Problem. Der alte Asphalt bietet reichlich Grip. Deshalb rutschen die Autos nicht so stark. Gefährlich waren für die Reifen in der Vergangenheit vor allem die Randsteine am Kurvenausgang, die Frequenzen erzeugen, die den Reifen strukturell beschädigen können. Max Verstappen erlitt deshalb beim Imola-Rennen 2020 einen Reifenschaden, der ihm vom Podest und stattdessen ins Kiesbett der Villeneuve-Schikane warf.

Überholen könnte leichter sein als früher, wird für die Fahrer trotz allem aber wohl nicht einfach sein. Deshalb werden es die Strategen vermeiden wollen, ihre Piloten in den Verkehr zu schicken. Es spricht vieles für ein Einstopprennen. Die Autos verlieren viel Zeit beim Reifenwechsel. Die Boxengasse ist in Imola mit 549 Metern eine der längsten aller Formel-1-Strecken in dieser Saison. Der Verlust beträgt inklusive Reifentausch rund 28 Sekunden.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1  - GP Australien - 8. April 2022
Red Bull
Red Bull will den RB18 mit ein paar Upgrades auf das Niveau des Ferrari bringen.

Upgrades

Es ist das erste Europa-Rennen des Jahres. Aus logistischer Sicht ist es daher weniger kompliziert, Upgrades an die Rennstrecke zu bringen. Jedoch ist die Saison noch jung, und der Budgetdeckel zwingt die Teams, sich die Neuentwicklungen über die geplanten 23 Rennen hinweg genau einzuteilen. Im Feld scheint man sich uneins. Manche Teams kündigen Updates für den GP Emilia-Romagna an, andere wollen sich vermehrt auf das bestehende Paket konzentrieren.

Zu letzter Fraktion gehören Ferrari, Mercedes, McLaren und Aston Martin. Aus diesen Reihen heißt es, dass nur Kleinigkeiten zu erwarten seien. Diese Strategie macht aus zwei Gründen durchaus Sinn. Einerseits hat man durch das Sprint-Format kaum Zeit, neue Teile zu bewerten und das Setup anzupassen. Man sollte sich bei Upgrades also schon zu 100 Prozent sicher sein, dass sie direkt einschlagen. Andererseits befinden sich die Autos noch in so einem frühen Entwicklungsstadium, dass allein über das Verständnis noch mehr Rundenzeit heraus geholt werden kann.

Red Bull will den RB18 im Gegensatz zu Ferrari schneller aufrüsten. Die Aussagen der Teamverantwortlichen sind etwas verwirrend. Es ist nicht ganz schlüssig, ob Red Bull eher eine kleinere oder doch eine größere Ausbaustufe vorbereitet hat. Ferrari will das bestehende Paket weiter ausquetschen – und dem F1-75 das Bouncing mit technischen Korrekturen austreiben. Einen ähnlichen Weg geht offenkundig Mercedes. Teamchef Toto Wolff: "Über das Osterwochenende wurde in der Fabrik hart gearbeitet, um das Auto zu verbessern und für das nächste Rennen vorzubereiten." Von den Mittelfeldteams sprechen Alpine und Alpha Tauri von neuen Teilen. Das könnte zu Verschiebungen im Kräfteverhältnis führen.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Australien 2022 - Melbourne
xpb
Mercedes muss sich im dichten Mittelfeld gegen Alpine, Alfa-Sauber, Haas, McLaren und Alpha Tauri behaupten.

Die Favoriten

In den ersten beiden Rennen duellierten sich Leclerc und Verstappen. In Australien dagegen dominierte der WM-Führende in seinem Ferrari nach Belieben, während der Red Bull ins Reifen-Graining stürzte und später aus dem Rennen purzelte. Der Ferrari F1-75 ist ein Allrounder, der bislang auf jedem Reifen zu jeder Zeit auf jeder Rennstrecke funktionierte. Das Setup-Fenster ist breit, das des Red Bull eher schmal.

Ferrari fand in den ersten Rennen schnell in den Rhythmus. Darauf wird es am Sprint-Rennwochenende ankommen. Dieser Umstand macht Ferrari zum heißesten Anwärter auf den Triumph in Imola. Über Red Bull schweben zu viele Fragezeichen. Zum einen, ob Fahrer und Ingenieure schnell das Wohlfühlfenster treffen, bevor es in die Qualifikation geht. Zum anderen, ob das Team aus Milton Keynes innerhalb der kurzen Zeit die technischen Gebrechen beiseite schaffen konnte. Drei Ausfälle in drei Rennen haben Red Bull auf den dritten Platz der Konstrukteurs-WM zurückgeworfen.

Mercedes war bislang eine Bank. Das Auto ist zwar eine halbe bis eine Sekunde langsamer als der Ferrari und Red Bull. Trotzdem sprangen zwei Podestplätze heraus. Die Weltmeister-Mannschaft maximiert die (noch begrenzten) Möglichkeiten, dank einer herausragenden Zuverlässigkeit. Auch in Imola dürfte sich Mercedes im Mittelfeld befinden, und dort nur mit Perfektion bei Fahrern und Strategie ausbrechen können. Es wird spannend zu beobachten, wie der W13 mit den vielen schnellen Kurven zurechtkommt. Zuletzt in Melbourne verloren die Silberpfeile in solchen Passagen viel Zeit, weil man das Bouncing mit in die Kurve schleppte.

Mercedes, Alpine, Alfa Romeo, Haas und McLaren: Es ist schwer auszumachen, wer auf dem flüssigen Kurs die Nase vorn haben wird. Pierre Gasly ist im Alpha Tauri immer eine Überraschung zuzutrauen. Für Aston Martin und Williams könnte es dagegen ein schwieriges Rennwochenende werden. Aston quält sich mit Bouncing. Der Williams hat zu wenig Abtrieb, was Gift auf der schnellen Rennstrecke ist.

So lief das Rennen im Vorjahr

Ein kurzer, aber heftiger Schauer setzte die halbe Strecke unter Wasser und zwang alle Piloten am Start auf profilierte Reifen. Auf den Intermediates kam Verstappen am besten vom Fleck. Er schnappte sich auf dem Weg in die erste Kurve erst Teamkollege Sergio Perez und dann Hamilton. Dabei fuhr der Holländer beide Ellbogen aus und drückte den Mercedes auf die buckeligen Randsteine. Eine Endplatte flog vom W12.

Verstappen kontrollierte zunächst das Geschehen. Doch je mehr die Strecke abtrocknete, desto näher kam ihm Hamilton. Red Bull verschaffte seinem Star mit einem früheren Wechsel auf Slicks wieder etwas Luft. Kurz vor Rennhalbzeit knockte sich Hamilton selbst aus. Er rutschte beim Überrunden auf einem feuchten Fleck in der Tosa-Haarnadel aus und landete in der Streckenbegrenzung. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sich der Brite aus dem Kiesbett befreite und zu seiner Mannschaft zurückhumpelte.

Der Sieg ging ungefährdet an Verstappen. Trotz des Ausrutschers landete der große Rivale auf dem zweiten Platz. Ein Rennabbruch schenkte Hamilton eine Runde. Die Rotphase hatten Valtteri Bottas und George Russell ausgelöst. Beide krachten bei hoher Geschwindigkeit auf der Zielgeraden zusammen und hinterließen zwei völlig zerstörte Autos.

Hamilton kassierte nach dem Restart einen Konkurrenten nach dem anderen. Kurz vor Schluss war auch Lando Norris fällig, der immerhin auf dem Podest landete. Dahinter sortierten sich die Ferrari von Leclerc und Sainz ein. Der Monegasse war beim Neustart von Norris auf weicheren Softreifen überrumpelt worden. Den verlorenen Platz konnte Leclerc nicht mehr zurückgewinnen.

Die deutschen Fahrer gingen leer aus. Sebastian Vettel erlebte einen Chaos-Tag. Mick Schumacher krachte in der Frühphase hinter dem Safety Car in die Mauer, demolierte seinen Haas, konnte das Rennen aber immerhin zu Ende fahren.

Zeitplan GP Emilia-Romagna

Zeitplan GP Emilia-Romagna 2022

Session  Datum 
1. Training Freitag, 22.4., 13.30-14.30 Uhr
Qualifying Freitag, 22.4., ab 17 Uhr
2. Training Samstag, 23.4., 12.30 bis 13.30 Uhr
Sprint Samstag, 23.4., ab 16.30 Uhr
Rennen Sonntag, 24.4., ab 15 Uhr
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