Mercedes - GP Eifel - Nürburgring 2020 Motorsport Images
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Eifel 2020 - Nürburgring
Max Verstappen - Red Bull - GP Eifel 2020 - Nürburgring
Alexander Albon - Red Bull - GP Eifel 2020 - Nürburgring
Daniel Ricciardo - Renault - GP Eifel 2020 - Nürburgring 16 Bilder

Vorschau GP Portugal 2020: Matchball für Mercedes

Vorschau GP Portugal 2020 Erster Matchball für Mercedes

Mercedes kann beim GP Portugal bereits vorzeitig den siebten Konstrukteurs-Pokal in Folge klarmachen. Wir haben die letzten Infos zur Portimao-Premiere und verraten bei welcher Konstellation die Silber-Party steigen kann.

Corona macht’s möglich: Nach dem Toskana-Rennen in der Mugello steht am kommenden Wochenende mit Portimao bereits die zweite Strecke auf dem Programm, auf der noch nie zuvor ein Formel-1-Grand-Prix ausgetragen wurde. Bis auf eine verregnete Testwoche im Januar 2009 hat die Königsklasse den Kurs an der Algarve stets ignoriert.

Dabei hat die Strecke, die nur zwölf Kilometer Luftlinie vom Atlantik entfernt liegt, einige Reize zu bieten. Neben der bunten Mischung aus schnellen und langsamen Kurven prägen vor allem die großen Höhenunterschiede den Charakter von Portimao. Wegen der vielen blinden Ecken dürfte es hier wohl etwas länger als üblich dauern, bis die Piloten die Ideallinie verinnerlicht haben.

Obwohl die Formel 1 in Südportugal Neuland betritt, steht auf der Liste der Favoriten natürlich wieder Mercedes ganz oben. Die siebte Konstrukteurs-Meisterschaft in Folge für die Truppe aus Brackley wäre ein neuer Rekord. Sehr wahrscheinlich ist es aber nicht, dass die Titel-Party schon in Portimao steigt. Bei aktuell 180 Punkten Vorsprung und noch sechs ausstehenden Rennen müssten Hamilton und Bottas schon 40 Punkte mehr holen als die Verfolger aus dem Red-Bull-Lager.

Auf Wetterkapriolen und ein Chaos-Rennen brauchen die Mercedes-Fans auch nicht hoffen. Nach den letzten Prognosen sieht es weitgehend trocken aus bei moderaten Temperaturen knapp über der 20°C-Marke. Nur für den Rennsonntag sind aktuell ein paar Schauer vorhergesagt. Aber die können an der Küste bekanntlich genauso schnell verschwinden, wie sie entstehen.

Die Strecke: Autodromo Internacional do Algarve

Nach sieben Monaten Bauzeit und Baukosten in Höhe von knapp 200 Millionen Euro wurde der Algarve-Kurs im November 2008 eröffnet. Was die Rundendistanz angeht, rangiert Portimao mit einer Länge von 4,653 Kilometern eher im unteren Mittelfeld des F1-Kalenders. Das Layout bietet eine gute Mischung aus schnellen und langsame Kurven. Die beste Überholmöglichkeit finden die Piloten am Ende der knapp einen Kilometer langen Zielgeraden. Hier hat die FIA auch die einzige DRS-Zone eingerichtet.

Aus der Vogelperspektive erinnert das Streckenlayout etwas an den Grand-Prix-Kurs in Barcelona. Doch weil das von Ricardo Pena entworfene Asphaltband malerisch in die Hügellandschaft eingebettet wurde, erwartet die Piloten viele Höhenunterschiede. Immer wieder senkt sich die Piste direkt vor harten Bremspunkten ab, wie zum Beispiel vor den Kurven 1, 5 und 12. Hier drohen Balance-Probleme und heftige Verbremser.

Vor dem Formel-1-Gastspiel wurde die Strecke, die in der Vergangenheit vor allem Motorrad- und GT-Rennen beherbergte, in vielen Passagen neu asphaltiert. Damit sollten in der Theorie die größten Bodenwellen glattgebügelt worden sein. Ursprünglich hatten die Organisatoren gehofft, mehr als 40.000 Fans auf den Tribünen begrüßen zu dürfen. Nachdem aber auch Portugal zuletzt steigende Corona-Zahlen vermelden musste, wurde die Zuschauerzahl auf 27.000 begrenzt.

Pirelli-Grafik - GP Portugal 2020
Pirelli
Pirelli bringt die härtesten Mischungen C1, C2 und C3 mit. Die Teams bekommen zudem einen harten Reifensatz mehr und einen weichen weniger.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 4,653 Kilometer
  • Rennrunden: 66
  • Renndistanz: 306,826 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 15 (9 rechts, 6 links)
  • Pirelli-Reifen: C1, C2, & C3
  • DRS-Zonen: 1 (Zielgerade)

Setup:

Weil Portimao nur eine einzige lange Vollgas-Passage zu bieten hat, werden die meisten Teams wohl Abtriebslevel wählen, die am oberen Ende der Skala liegen. Ganz steil darf man die Flügel aber auch nicht stellen, wenn man an der Top-Speed-Messung kurz vor der ersten Kurve nicht zur leichten Beute für die Konkurrenz werden will.

Was die Härte des Fahrwerks angeht, verlangen die abwechselnd schnellen und langsamen Kurven nach einem guten Kompromiss. Wegen des ebenen Asphalts und der schnellen Kurven streben die Ingenieure sicher nach einer möglichst tiefen Fahrwerkseinstellung. Bei drei Kurven unter der 100-km/h-Grenze darf allerdings auch das Thema Traktion und damit etwas Federweg nicht vernachlässigt werden.

Beim Themal Reifenverschleiß traut Pirelli dem Braten bei der Portimao-Premiere nicht. Die Italiener bringen die drei härtesten Mischungen nach Südportugal. Dazu wird auch noch die Aufteilung der Mischungen verändert. Statt den üblichen acht weichen, drei mittleren und zwei harten Reifensätzen bekommt jeder Pilot in Portimao nun einen weichen Satz weniger und einen harten mehr. Die Ingenieure rechnen aufgrund der konservativen Reifenwahl wieder mit einem Einstopp-Rennen.

Upgrades:

Bei nur noch sechs ausstehenden Rennen haben die meisten Teams ihr Entwicklungsprogramm an den 2020er Autos bereits eingestellt. Nur bei Ferrari, McLaren und Renault waren zuletzt noch neue Teile zu erkennen. Die größten Umbaumaßnahmen dürften allerdings schon abgeschlossen sein. Wir erwarten in Portimao eher Feintuning. Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Kräfteverhältnis noch einmal dramatisch verschiebt.

Die interessantesten Upgrades hat Pirelli im Gepäck. Der Reifenlieferant stellt jedem Team drei Prototypen-Sätze für die erste halbe Stunde des zweiten Freien Trainings zur Verfügung. Die neuen Gummis sollen eine verstärkte Struktur aufweisen und damit – sollte der Test erfolgreich sein – in der nächsten Saison niedrigere Luftdrücke ermöglichen. Auf einer neuen Strecke wie Portimao dürften die Ingenieure allerdings nur semi-begeistert sein, dass neben der kniffligen Setup-Arbeit im Freien Training nun auch noch Proberunden für Pirelli auf dem Plan stehen.

Favoriten:

In dieser Saison hat die Konkurrenz Mercedes bisher nur zwei Mal auf dem falschen Fuß erwischen können. Doch je mehr Rennen abgespult werden, desto geringer Chance, dass sich das Weltmeisterteam noch einmal so übertölpeln lässt wie in Silverstone oder Monza. Das abwechslungsreiche Layout und die moderaten Temperaturen in Portimao sollten dem silbernen Allrounder perfekt in die Karten spielen.

Gefahr drohte zuletzt sowieso nur noch von Max Verstappen. Als Einzelkämpfer schlug sich der Holländer wacker, Siege sind allerdings seit zwei Monaten keine mehr rausgesprungen. Für Teamkollege Alexander Albon wird es wohl wieder darum gehen, sich die Mittelfeld-Verfolger vom Leib zu halten. Wenn keiner beim Setup verwachst, sehen wir Racing Point, McLaren und Renault als erste Punkteanwärter.

Ferrari hatte mit den vierten Startplatz von Charles Leclerc ein kleines Lebenszeichen am Nürburgring abgegeben. Aber wegen des hohen Reifenverschleißes im Rennen wären ohne die Probleme der Konkurrenz am Ende wohl keine Zähler rausgesprungen. Wir sind gespannt, wie sich das Duell gegen Alpha Tauri um den sechsten Platz der Teamwertung in Portimao entwickelt.

Zeitplan:

Anspruchsvoll wird es am Wochenende nicht nur für die Fahrer sondern auch für die Zuschauer. Weil Portugal eine Zeitzone vor uns liegt, finden die beiden Trainings am Freitag jeweils eine Stunde später als gewöhnlich statt. Am Samstag wird das Programm nach lokaler Zeit dann eine Stunde vorverlegt, was zu einem für uns normalen Quali-Beginn um 15 Uhr führt.

Das Rennen am Sonntag wird dann sogar schon zwei Stunden früher, um 13.10 Uhr Ortszeit, angepfiffen, was dann 14.10 Uhr deutscher Zeit entspricht. Und um die Verwirrung komplett zu machen, werden die Uhren in der Nacht von Samstag auf Sonntag auch noch eine Stunde zurück auf Winterzeit gedreht.

Zeitplan GP Portugal 2020

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 1. Training – Fr. 23. Oktober – 12.00 Uhr
Freies Training 2 2. Training – Fr. 23. Oktober – 16.00 Uhr
Freies Training 3 3. Training – Sa. 24. Oktober – 12.00 Uhr
Qualifying Qualifying – Sa. 24. Oktober – 15.00 Uhr
Rennen Rennen – So. 25. Oktober – 14.10 Uhr
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