Vorschau & Zeitplan GP Australien 2019

Alle wetten auf Ferrari

Charles Leclerc & Lewis Hamilton - Barcelona-Test 2019 Foto: Motorsport Images 66 Bilder

Ferrari überzeugte bei den Wintertestfahrten, und ist deshalb der Favorit auf den ersten Saisonsieg. Wie nah sind Mercedes und Red Bull dran an den roten Autos? In unserer Vorschau erhalten Sie die letzten Infos vor dem Saisonstart.

Es ist für die Formel 1 ein Jahr der Jubiläen. 2019 wird die 70. Saison der Königklasse. Der GP Australien ist der 998. Grand Prix der Geschichte. Mitte April ist es soweit: In China bestreitet die Formel 1 ihr 1.000 Rennen.

Es hat sich vieles verändert. Die FIA hat für die 2019er Saison ein neues Regelwerk aufgesetzt, um das Überholen zu vereinfachen. Neue Frontflügel, gestutzte Leitbleche, Verbot der Luftdurchführung durch die Vorderachse, breitere und höhere Heckflügel und ein verstärkter DRS-Effekt. Bei den Teams hielten nur Mercedes und Haas an ihren Fahrern fest.

Fahrerfeld durchgewürfelt

Die drei Erstplatzierten der letzten Formel 2-Saison stiegen ganz klassisch auf. George Russell fährt Williams, Lando Norris McLaren, Alexander Albon Toro Rosso. Antonio Giovinazzi ist ein halber Neuling. Der Italiener bestritt bereits zwei Grand Prix 2017. Robert Kubica feiert seine Rückkehr. Zuletzt stand der Pole beim GP Abu Dhabi am 14. November 2010 in der Startaufstellung eines Formel 1-Rennens.

Auch Daniil Kvyat (Toro Rosso) kehrt zurück in die höchste Spielklasse des Motorsports. Pierre Gasly (Red Bull), Daniel Ricciardo (Renault), Kimi Räikkönen (Alfa-Sauber), Carlos Sainz (McLaren), Lance Stroll (Racing Point) und Charles Leclerc (Ferrari) beziehen neue Cockpits.

Start - GP Ungarn 2018 - Budapest Last-Minute-Änderung für 2019 Ein WM-Punkt für schnellste Runde

Und es gibt einen neuen Favoriten. Ferrari hatte bei den Testfahrten in Barcelona das schnellste Auto. Das geben Mercedes und Red Bull zu. Für die Italiener ist das Ansporn und Druck zugleich. Die Fans erwarten einen Sieg. Sie lechzen nach dem WM-Titel. Die Fachwelt ist sich einig: So gut waren die Voraussetzungen dafür lange nicht mehr.

Doch es gibt kleine Fragezeichen. Der Ferrari SF90 schwächelt bei der Zuverlässigkeit. Das rote Auto war zumindest bei den Testfahrten gebrechlich. Und dann wäre da noch die Strecke. Die zehn Teams wissen nach acht Testtagen, wie ihr Auto auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya läuft. Allerdings wartet in Melbourne eine komplett andere Strecke: welliger statt glatter Asphalt, Kurven mit kurzen Radien statt langgezogener Passagen, anderer Abtriebslevel, weniger Haftung, geringerer Reifenverschleiß.

Die Strecke: Albert Park Circuit

Auch ohne den zusätzlichen Reiz des Starts in eine neue Saison ist die eckige Strecke im Albert Park immer ein Garant für gute Unterhaltung. Obwohl es sich nicht um einen Straßenkurs im eigentlichen Sinne handelt, werden Fehler hier stets hart bestraft. Die Kiesbetten sind tief, die Mauern stehen gefährlich nahe. Safety-Car-Einsätze sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mindestens ein Mal zur Neutralisation kommt, lag in den letzten fünf Jahren bei 80 Prozent.

Überholen gehört in Melbourne zu den schwereren Übungen. Im Vorjahr lag das Minimum-Delta bei 1,8 Sekunden. Deshalb richtete die FIA eine dritte DRS-Zone ein. Auch 2019 dürfen die Piloten im Rennen dreimal den Heckflügel-Flap umklappen, sollten sie innerhalb einer Sekunde zum Vordermann liegen: auf der Zielgerade, zwischen Kurve zwei und drei sowie zwischen Kurve 12 und 13.

Die Spalte zwischen Flap und Hauptblatt wächst durch die Regeländerungen von 6,5 auf 8,5 Zentimeter. Das senkt den Luftwiderstand und führt zu höherem Top-Speed. Es muss sich aber erst zeigen, ob Überholen dadurch einfacher wird. Die Regelhüter hoffen es. Es wurde deshalb auch am Frontflügel abgerüstet, um einem anderen Auto leichter folgen zu können.

Im Rennen dürfen die Autos 110 statt 105 Kilogramm Benzin verbrauchen. In der Theorie müssen die Fahrer also weniger auf den Spritverbrauch achtgeben. Wegen der Stop-&-Go-Charakteristik sind die Bremsen übermäßigen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten startet die Saison im Albert Park mit einer Ausfallorgie.

Fast Facts zum GP Australien

  • Streckenlänge: 5,303 km
  • Rundenanzahl: 58
  • Renndistanz: 307,574 km
  • Rundenrekord (Rennen): 1:24.125s (Michael Schumacher, 2004)
  • Pole-Position 2018 (absoluter Rundenrekord): 1:21.164 (Lewis Hamilton, Q3)
  • Anzahl Kurven: 16 (6 links/10 rechts)
  • Top-Speed, Quali 2018: 323,7 km/h (Perez, Force India)
  • Top-Speed, Rennen 2018: 319,7 km/h (Hülkenberg, Renault)
  • Distanz Pole zum Scheitelpunkt T1: 248,5 Meter
  • Länge Boxengasse: 280,7 m
  • Zeit bei Tempolimit 60 km/h in der Boxengasse: 16,8 Sekunden
  • Reifensorten: C2 (Hard), C3 (Medium), C4 (Soft)
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 80 % (letzte 5 Jahre)

Set-Up:

Wegen der vielen engen Kurven und den harten Beschleunigungsphasen aus langsamen Ecken sind in Melbourne vor allem Traktion und Bremsstabilität gefragt – was auf dem rutschigen Asphalt der öffentlichen Straßen gar nicht so einfach ist. Gefahren wird mit einer relativ weichen Federung und viel Bodenfreiheit. Das Setup muss wegen des stark steigenden Grips über das Wochenende immer angepasst werden.

Seit der Regelreform 2017 wird im Albert Park nicht mehr ganz mit vollem Abtrieb gefahren. Im Gegensatz zu Barcelona zum Beispiel. Grip ist vor allem auf der Vorderachse gefragt. In den langsamen Ecken muss das Auto dorthin fahren, wo der Pilot hinlenkt. Untersteuern kostet wertvolle Zehntelsekunden. Auch eine gute Bremsstabilität ist wichtig. Hat der Fahrer Vertrauen und einen guten Rhythmus, spiegelt sich das direkt in der Rundenzeit wider.

Die FIA hat die Reifenregeln vereinfacht. Es gibt an jedem Rennwochenende die Sorten „Hard“, „Medium“ und „Soft“. Jedoch verbergen sich dahinter je nach Rennstrecke unterschiedliche Mischungen. Pirelli hat 2019 fünf im Angebot. Vom härtesten C1 (C für Compound) bis zum weichsten C5. Nach Australien karrt der italienische Reifenlieferant die Mischungen C2, C3 und C4.

Die Top-Teams sind sich einig. Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel, Max Verstappen und Pierre Gasly haben jeweils einen Satz des C2, drei Sätze des C3 und neun Sätze des C4 bestellt. Nur Charles Leclerc schert etwas aus: Der Monegasse darf je zwei Garnituren des C2 und C3 sowie neun des C4 verbraten.

Die Reifen werden in Melbourne eher wenig belastet. Im Vorjahr war eine Einstoppstrategie die beste Wahl. Es ist nicht zu erwarten, dass sich daran 2019 etwas ändert. Außer die Temperaturen fordern ihren Tribut. Der Wetterbericht spricht von bis zu 30 Grad am Rennwochenende.

Technik-Updates:

Mercedes hat bereits in der zweiten Testwoche aufgerüstet. Für Australien sind nur noch kleine Änderungen am Frontflügel des Silberpfeils zu erwarten. Ferrari hält sich bedeckt. Dagegen will Red Bull richtig aufrüsten. So kündigte es zumindest Motorsportchef Helmut Marko im hauseigenen TV-Sender an. Ein Upgrade, das eigentlich für China bestimmt war, soll vorgezogen werden, und bereits in Melbourne an den RB15 geschraubt werden.

Renault-Technikchef Nick Chester hatte in Barcelona kleine Updates für Australien angekündigt. Gleiches trifft auf McLaren zu. Haas legt mit einem neuen Frontflügel nach. Er soll sich mehr an der Version von Ferrari und Alfa-Sauber orientieren. Das größte Paket baut vermutlich das neue Team Racing Point – vormals Force India. Bei den Testfahrten war der rosafarbene Rennwagen nur als Basisversion aufgetreten. Down Under soll der RP19 sein Gesicht dramatisch ändern. Racing Point hat es nötig. Bei den Tests war nur Williams langsamer.

Favoriten:

Sebastian Vettel hat die letzten beiden Ausgaben des GP Australien gewonnen. Er fuhr die Bestzeit bei den Testfahrten. Er ist der heißeste Anwärter auf den Auftaktsieg. Mercedes stellt sich auf eine harte Saison ein. „Im vergangenen Jahr mussten wir alles geben, um uns durchzusetzen. Soweit wir es bislang sehen können, wird diese Saison sogar noch härter“, sagt Teamchef Toto Wolff.

Sebastian Vettel - Ferrari & Valtteri Bottas - Mercedes - F1-Test - Barcelona - 2019 F1 Power Ranking 2019 Droht Ferrari das Mercedes-Schicksal?

„Unter einem neuen Reglement wie in diesem Jahr geht es auch darum, wer sich am besten an die neuen Regeln, die neuen Reifen und die neuen Herausforderungen anpasst, die wir in dieser Saison meistern müssen. Am Ende wird das anpassungsfähigste und agilste Team an der Spitze stehen.“

Zum ersten Mal geht Mercedes nicht als Favorit in eine Saison. Doch wir wissen aus der Vergangenheit um die Anpassungsfähigkeit des Weltmeisters. Kein Team stellt sich Herausforderungen so akribisch. Kein Team arbeitet so analytisch. Kein Team findet auf schwierige Fragen so schnell antworten. 1.600 Menschen arbeiten in Brackley und Brixworth am Projekt sechster WM-Titel in Serie. Und dann wären da ja noch die Fahrkünste eines Lewis Hamilton, der sich in den letzten Jahren von Saison zu Saison steigerte, obwohl man das nicht mehr für möglich gehalten hatte.

Mercedes wird sich strecken müssen. Bei den Tests schüttelten Vettel und Charles Leclerc die Rundenzeiten nach Belieben aus dem Ärmel. Ferrari war zu jeder Tageszeit auf jedem Reifensatz schnell. Vettel ist zwar laut Teamchef Mattia Binotto die Nummer eins, muss aber auf seinen Teamkollegen aufpassen. Leclerc überzeugte bei den Testfahrten und war nur zehn Tausendstel langsamer als der Kapitän.

Red Bull sieht sich langsamer als Ferrari, aber schneller als Mercedes. Das Team wird es in Australien beweisen müssen. Honda soll über den Winter etwa 40 PS gefunden haben. Wie auch Renault. Der Werksrennstall will das Mittelfeld anführen. „Wir haben vielleicht die stärkste Fahrerpaarung im Feld“, sagt Teamchef Cyril Abiteboul.

Doch Achtung vor Haas. Der US-Rennstall hat wieder ein schnelles Auto gebaut, und war schon im letzten Jahr in Australien bis zum Doppelausfall eine Macht im Mittelfeld. Generell scheint der Rest, mit Ausnahme von Williams, näher an die Top-Teams herangerückt zu sein. In Australien wird sich zeigen, ob das wirklich so ist, oder es nur bei den Tests so war.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Australien 2018:

Lewis Hamilton hatte Mercedes mit seiner Pole-Runde verzaubert und die Konkurrenz geschockt. Einen Tag später drehte sich das Bild. Mercedes verrechnete sich während des virtuellen Safety-Cars. Vettel tauschte die Reifen, während Hamilton nach einem früheren Boxenstopp um die Strecke schleichen musste, und entgegen der Mercedes-Kalkulation nicht wieder in Führung ging.

Hamilton rannte in der Folge wütend an, doch Vettel bot ihm keine Angriffsfläche. Souverän brachte der Heppenheimer den Sieg ins Ziel. Mit Kimi Räikkönen kletterte der zweite Ferrari-Pilot aufs Podest. Red Bull blieben die Positionen vier und sechs. Dazwischen schob sich Fernando Alonso im McLaren. Auf dem Weg zu einer großen Punktausbeute scheiterte Haas an den Boxenstopps. Sowohl Kevin Magnussen als auch Romain Grosjean rollten nach dem einzigen Reifentausch auf der Strecke aus.

Zeitplan GP Australien 2019

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 Freitag, 15. März, 2:00 Uhr
Freies Training 2 Freitag, 15. März, 6:00 Uhr
Freies Training 3 Samstag, 16. März, 4:00 Uhr
Qualifying Samstag, 16. März, 7:00 Uhr
Rennen Sonntag, 17. März, 6:10 Uhr
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