F1-Zukunft vor der Entscheidung

Foto: dpa

Am Mittwoch (31.8.) treffen sich in Mailand die Formel 1-Teams, Herstellervertreter und FIA-Präsident Max Mosley, um über das künftige Formel 1-Reglement nach Auslaufen des Concorde-Abkommens Ende 2007 zu diskutieren. Schon im Vorfeld zeigt sich: Beide Parteien sind nicht allzu weit voneinander entfernt.

Nachdem die Herstellervereinigung ihre Regelvorschläge bereits abgegeben hat, werden nun die strittigen Punkte diskutiert. Dabei ergeben sich beim technischen Reglement drei Problemfelder: Aerodynamik, Kraftübertragung und Elektronik.

Die FIA will den Abtrieb der Autos um 90 Prozent reduzieren, die Hersteller wollen nur 30 Prozent Anpressdruck abgeben. Zudem bestehen sie weiter auf einer halbautomatischen Wippenschaltung, während Mosley eine herkömmliche, mechanische Schaltung und ein mechanisches Differenzial bevorzugt. Schließlich möchte die FIA allen Teams eine Standart-Elektronik aufs Auge drücken, um Manipulationen und versteckte Fahrhilfen zu verhindern. Die Hersteller wollen nach wie vor ihre Elektronik selbst konzipieren.

50 Prozent weniger Abtrieb

Auch wenn die Differenzen auf den ersten Blick unüberbrückbar erscheinen, ein Kompromiss ist bei allen drei Problemfeldern in Reichweite. Bei der Aerodynamik signalisieren beide Seiten, dass sie mit einer Abtriebsreduzierung um 50 Prozent leben könnten. Die FIA ist bereit, mehr Abtrieb zuzulassen, wenn im Gegenzug Mosleys Idee, Einheitsreifen zu verwenden, durchgesetzt würde.

Beim Thema Getriebe ist die FIA bereit, die Wippenschaltung zuzulassen, allerdings fordert sie standartisierte Gangräder, um technische Extremlösungen zu verhindern. Individuelle Elektronik will die Sportbehörde nur dann erlauben, wenn die Gegenseite eine Überwachungstechnik präsentiert, mit der sich Schummeleien aufdecken lassen.

McLaren-Ingenieur Paddy Lowe hat bereits ein derartiges System entwickelt, doch ist die Datan-Auswertung so aufwändig, dass sie von den FIA-Kontrolleuren nicht zu bewältigen ist. "Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung", lobt Chefkommissar Charlie Whiting die McLaren-Initiative.

Ferrari fehlt wieder mal

Während auf der technischen Seite beiderseits Kompromissbereitschaft herrscht, prallen die Fronten sportpolitisch deutlich härter aufeinander. Die Hersteller, in Mailand von BMW-Vorstand Burkhard Göschel vertreten, fordern, dass die FIA künftig nur noch eine kontrollierende Funktion haben soll, zudem wollen sie bei Streitfällen ein unabhängiges Sportgericht einsetzen.

Max Mosley will sich die Möglichkeit, selbst die Regeln zu gestalten, nicht aus der Hand nehmen lassen. Schließlich argumentiert der gelernte Jurist, dass der Motorsport zu komplex für andere Sportgerichte sei. Er hält seinen Pool von 20 Richtern und das hauseigene Sportgericht für die kompetentere Instanz.

Abwesend bei diesem Treffen ist wie so oft Ferrari. Die Roten sind ohnehin auf FIA- und Ecclestone-Linie. Teamchef Jean Todt wurde daher im Vorfeld schriftlich über alle Tagesordnungspunkte informiert. Als Überraschungsgast könnte dagegen Bernie Ecclestone auftauchen. Der Formel 1-Chef könnte die Chance nutzen, den versammelten Teams sein neues Geschäftsmodell schmackhaft zu machen. Sollte das Treffen in Mailand einen versöhnlichen Ausgang nehmen, wäre das der erste Schritt zum Begräbnis einer von den Herstellern initiierte Gegen-Serie.

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