Fabel-Zeiten

Der Schumi-Schock

Foto: Ferrari

Die Fabelrekorde von Ferrari machen der Konkurrenz Sorgen. Die beeindruckenden Rundenzeiten des F2004 sind keineswegs das Ergebnis einer extremen Qualifikationsabstimmmung.

Bei Williams-BMW gab man sich zunächst gelassen, nachdem Michael Schumacher in Imola die 1:20 Minuten Schallmauer durchbrochen hatte. Tenor: Der Deutsche sei ganz sicher mit ganz wenig Sprit unterwegs gewesen. Damit lag die Konkurrenz nicht falsch, aber das war nur die halbe Wahrheit.

Schumacher fuhr seinen Rekord am Ende eines 15 Runden-Turns mit gebrauchten Reifen. Eine Runde, bevor er die 1:19,664 Minuten auf die Strecke zauberte, waren ihm bereits zwei Umläufe unter 1:20 Minuten gelungen. Davor drehte der Weltmeister mühelos Runden in den 1:20ern. Auch Juan Pablo Montoya im Williams-BMW fuhr Turns zwischen zehn und 15 Runden. Doch der Kolumbianer kam nie unter die 1:21er Grenze.

Ross Brawn: Gegner nervös machen

Rubens Barrichello im Vorjahres-Ferrari war beim letzten Test nur rund zwei Zehntel langsamer als David Coulthard im McLaren und Juan Pablo Montoya im Williams. Zwar gab Ferrari-Technik-Chef Ross Brawn unlängst zu, man wolle die Gegner vor dem Saisonauftakt in Melbourne (7.3.) nervös machen, aber dass die Rekorde der Roten reiner Bluff sind, glaubt niemand.

Der F2004 beeindruckt ebenso wie der neue Renault R24 durch seine Konstanz. Bei beiden Autos werden die Rundenzeiten im Laufe eines Turns immer schneller, ein klares Zeichen für einen minimalen Reifenverschleiß. Auch wenn der Williams-BMW seine Michelin in der ersten Runde besser auf Temperatur bringt, je länger die Autos mit einem Reifensatz unterwegs sind, desto mehr verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten von Ferrari.

Einzige Rettung: Wärmeres Wetter

Nur ein Umstand kann die WM-Favoriten von Williams-BMW retten: Die Temperaturen. Ferrari fuhr seine Wunderrunden bei extrem kaltem Wetter. In Imola herrschten am vorletzten Testtag gerade zwei Grad Celsius auf dem Asphalt. Den Bridgestone am Ferrari lagen niedrige Temperaturen immer besser als den Michelin auf den Williams und McLaren.

Die wärmsten Testtage dieses Winters bot Jerez in Spanien mit 20 Grad. Wie bei den anderen Tests mit der Konkurrenz schickte Ferrari nur das Vorjahres-Auto, und bei keinem anderen Test war der Zeitabstand des alten F2003 GA zur Spitze größer als im andalusischen Frühlingswetter. In Melbourne sind selbst bei schlechtem Wetter Asphalttemperaturen von über 20 Grad zu erwarten.

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