Lewis Hamilton - Mercedes  - Formel 1 - GP Italien - Monza - 7. September 2019 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Italien - Monza - 4. September 2020
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Fahrer befürchten Chaos-Quali: Droht eine Wiederholung von 2019?

Fahrer befürchten Chaos-Quali Droht eine Wiederholung von 2019?

Auf den langen Geraden des Autodromo di Monza ist Windschatten eine große Hilfe. In der Qualifikation droht deshalb Chaos wie im Vorjahr. Die Rennleitung verschärft zwar die Minimum-Rundenzeit. Trotzdem sind Staus nach dem Trainingsfreitag absehbar.

Es wird eines der bestimmenden Themen der Fahrerbesprechung mit Rennleiter Michael Masi nach dem Freitagstraining sein. Wie verhindern wir eine Wiederholung des Vorjahres? 2019 war es im dritten Qualifikationsteil zum großen Durcheinander gekommen. Kein Fahrer wollte dem anderen auf der letzten Runde einen Windschatten geben.

Nico Hülkenberg führte den Zug der Autos aus der Boxengasse und verbremste sich absichtlich in der ersten Kurve. Danach bummelte er durch die Auslaufzone. Und obwohl Hülkenberg Slalom vorbei an den Styropor-Aufstellern fuhr, blieb er trotzdem vor dem Pulk mit acht weiteren Autos. In Schleichfahrt ging es durch die Curva Grande in Richtung der Roggia-Schikane. Als die Fahrer merkten, dass ihnen die Zeit ausgeht, um überhaupt noch eine schnelle Runde in Angriff zu nehmen, war es für sieben Piloten bereits zu spät.

Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo, Nico Hülkenberg, Alexander Albon und Lance Stroll kreuzten den Zielstrich nach Fallen der Zielflagge. Nur Carlos Sainz und Charles Leclerc schafften es rechtzeitig. Während der Spanier sogar noch eine Verbesserung schaffe, ließ Leclerc ausrollen. Die Pole-Position war ihm ohnehin nicht mehr zu nehmen. Das Fahrerlager war nach der Qualifikation geteilter Meinung: Manche schimpften auf die Perfektionswut der Ingenieure und Fahrer, überhaupt so spät auf die Strecke zu gehen, um das letzte Tausendstel zu finden, und dann auch noch lieber zu kriechen, als dem Gegner Windschatten zu spendieren. Andere meinten: Aufreger sind gut für das Geschäft.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza
F1/FIA
Nur Mercedes scheint den Windschatten nicht zu brauchen.

Windschatten bringt sieben Zehntel

2020 fürchten viele Fahrer um eine Wiederholung. Das zweite Training deutete an, worauf sich die Fans in der Qualifikation einstellen können. Gegen halbzeit robbten in der Einlaufrunde 15 Autos hintereinander auf den weichen Reifen in Richtung der Parabolika. "Ein guter Test, um für Morgen zu üben", funkte Leclerc. "Aber es wird ein Chaos geben." Haas-Pilot Romain Grosjean erklärt: "Ohne Windschatten werden wir keine Chance haben." Gemeint ist der Aufstieg in den zweiten Qualifikationsteil. So wird es vielen seiner Kollegen gehen in einem eng umkämpften Feld. Vor allem die Ferrari befeuerten Autos haben mit ihrem schwachbrüstigen Motor Windschatten bitter nötig.

Der Windschatten ist auf den vier langen Geraden von Monza ein echtes Zugpferd. Die Fahrer spüren den Sog-Effekt sogar bis zu acht Sekunden hinter einem anderen Auto. Seit 2017, seit die Autos auf eine Breite von zwei Metern wuchsen, und sie deshalb mehr im Wind stehen, wird Windschatten immer wichtiger. Weil die Autos immer mehr Abtrieb und so Luftwiderstand aufsatteln. 2020 ist die schnellste Fahrzeuggeneration in der Geschichte der Formel 1, obwohl die Autos so viel wiegen wie nie zuvor.

Wer sich da im Schatten des Vordermanns verstecken kann, profitiert massiv. Bis zu sieben Zehntel, berichtet Mercedes in seiner Vorschau auf den GP Italien. Deshalb erinnerte das zweite Training mehr an Radfahren im großen Feld als an Formel 1. Es betrifft nicht nur die Fahrer, die im Zug mitfahren, sondern auch diejenigen, die auflaufen. Alexander Albon berichtete nach dem Freitagstraining. "Ich bin in der Parabolica aufgelaufen. Das hat mich Abtrieb an der Vorderachse gekostet. Prompt bin ich zu weit rausgetragen worden, und die Rennleitung strich mir meinen schnellsten Umlauf." Wer mit vier Rädern über die weiße Markierung fährt, dem wird die Runde aberkannt.

Unter 1:43 Minuten

Albons Erlebnis zeigt den schmalen Grat. Zu nah dran, und man verliert Abtrieb. Zu weit weg, und der Sog ist nicht effektiv genug. Das kann gleich mehrere Plätze kosten. "Es dürfte ein sehr enges Qualifying werden. Ein Zehntel kann drei oder vier Positionen ausmachen", glaubt der Thailänder. Die kurze Runde von knapp 80 Sekunden lässt das Feld zusammenrücken. In elf Kurven lässt sich weniger Unterschied machen als sonst. Nur der Red Bull-Ring hatte im bisherigen Saisonverlauf weniger Kurven als Monza. Einzig Mercedes scheint nicht allzu sehr auf den Windschatten angewiesen. Darauf deutet der große Vorsprung von fast neun Zehnteln am Freitagnachmittag.

Die Rennleitung will das Chaos minimieren und erinnerte in Dokument 13 des Rennwochenendes an Artikel 27.4 des Sportgesetzes. Darin steht: "Zu keinem Zeitpunkt darf ein Auto unnötig langsam, unregelmäßig oder auf eine Weise gefahren werden, die als potenziell gefährlich für andere Fahrer oder andere Personen eingestuft werden könnte."

Eine Maßnahme wurde schon getroffen. Die Fahrer müssen auf der Outlap zwischen der ersten und zweiten Safety Car-Linie eine Mindestzeit von unter 1:43 Minuten erreichen. Auch auf den Inlaps ist die Mindestzeit festgeschrieben. "Das könnte helfen. Es wird aber wahrscheinlich trotzdem ein Albtraum", glaubt Weltmeister Lewis Hamilton. "Jeder wird nach der passenden Lücke und dem besten Windschatten suchen."

Die Safety Car-Linien befinden sich bei Ein- und Ausfahrt der Boxengasse, die 417 Meter lang ist. Wir sprechen also über eine Wegstrecke von rund 500 Metern, die ausgeklammert wird. Am Trainingsfreitag brauchte die Spitze für eine Runde knapp über 80 Sekunden. Die Mindestzeit liegt also mehr als 25 Prozent darüber.

Reifen kühlen um 20 Grad ab

Die Frage ist, warum die Rennleitung um Michael Masi die Mindestzeit nicht noch weiter drückt? Weil die Autos nach unterschiedlichen Aufwärmrunden verlangen. Manche müssen langsamer fahren, damit die Reifen nicht schon vor der fliegenden Runde überhitzen, andere brauchen eine schnellere Einführungsrunde, um Temperatur zu generieren. Das warme Wetter in Italien erleichtert den Aufwärmprozess. Deshalb muss kein Fahrer eine besonders schnelle Outlap hinlegen.

Die Fahrer müssen achtgeben. Im Bummeltempo kühlen die Reifen aus. Pirelli-Sportchef Mario Isola gibt ein Beispiel. "In Baku verlieren die Reifen auf der 2,2 Kilometer langen Geraden um die 30 bis 40 Grad. Bei langsamer Fahrt zwischen Ascari-Schikane und Parabolica dürften es um die 20 Grad sein." Dann ist beim Anbremsen der ersten Schikane Vorsicht geboten. Zu kühle Reifen führen zu stehenden Vorderrädern.

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