Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain- Sakhir - Freitag - 27.11.2020 xpb
Alexander Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Freitag - 27.11.2020
Alexander Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Freitag - 27.11.2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Freitag - 27.11.2020
Romain Grosjean - Haas - Formel 1 - GP Bahrain- Sakhir - Freitag - 27.11.2020 57 Bilder

Fahrer mit Kritik an neuen Pirelli-Reifen für 2021

Kritik an 2021er Pirelli-Reifen Zurück nur bei guten Gründen

Die neuen Reifen von Pirelli standen nach ihrem ersten echten Test in Bahrain im Kreuzfeuer der Fahrer. Sie klagten über zu wenig Grip. Pirelli lässt die Kritik nicht gelten. Ein Zurück zu den 2019er Reifen gibt es nur bei guten Gründen. Weniger Grip zum Beispiel ist keiner.

Die Ingenieure machen sich schon länger Sorgen um die neuen Reifen von Pirelli. Sie hörten im Sommer mit Erstaunen, dass Pirelli trotz Aerodynamikbeschränkungen für 2021 nun auch noch die Konstruktion seiner Reifen ändert und vorne auch die Form. Weil die Teams die von der FIA homologierte Version erst in Bahrain testen konnten, ist es nun reichlich spät, bei dem weit fortgeschrittenen Entwicklungsprozess der 2021er Autos noch zu reagieren. Mercedes-Technikchef James Allison befürchtet signifikante Eingriffe in die Aerodynamik und Mechanik der Autos.

Während die Ingenieure ihre Sorgen in moderater Tonlage äußern, hielten die Fahrer nach dem ersten Kennenlernen mit ihrer Kritik nicht zurück. Charles Leclerc klagte noch im Auto: "Kein Grip, kein Gefühl." Max Verstappen machte sich lustig, weil Lewis Hamilton vor ihm hilflos durch die Kurven rutschte: "Schaut mal, wie schön der driftet." Auf das eigene Auto bezogen meinte er: "Wir rutschen nur herum und suchen nach einer Balance." Hamilton wunderte sich, dass Pirelli trotz genug Entwicklungszeit nichts Besseres eingefallen war: "Sie kommen mit Reifen an, die drei Kilogramm schwerer und eine Sekunde pro Runde langsamer sind."

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain- Sakhir - Freitag - 27.11.2020
xpb
Die Fahrer haben eine Meinung: Der neue Reifen für 2021 ist schlechter als der alte.

Kein Fortschritt, sondern Rückschritt

Der Weltmeister forderte Pirelli sogar auf, die Neukonstruktion in die Tonne zu klopfen und bei den aktuellen Reifen zu bleiben. Ähnlich äußert sich auch Sebastian Vettel: "Das ist kein Schritt vorwärts, sondern rückwärts. Ich hoffe, wir sehen diese Reifen nie wieder. So lange ein neuer Reifen nicht das besser kann, was er verspricht, bringt er nichts. Wir haben die gleichen Probleme wie vorher, sind dafür aber langsamer." Am besten ließen sich die Werte zwischen neu und alt bei Max Verstappen vergleichen. Der Holländer war mit der C3-Mischung des neuen Reifens eine Bestzeit von 1.31,003 Minuten gefahren. Als er wenige Minuten später einen Medium-Gummi der 2020er Reifenfamilie aufziehen ließ, kam er auf Anhieb auf eine Rundenzeit von 1.29,318 Minuten.

Pirelli korrigiert die von den Fahrern kolportierten Werte. Eine Garnitur der neuen Reifen ist wegen anderer Materialien in der Konstruktion 2,5 Kilogramm schwerer geworden. Der Unterschied in der Rundenzeit beträgt laut Sportchef Mario Isola nur sechs bis sieben Zehntel. "Wir dürfen nicht vergessen, dass Bahrain ein erster Test war. Die Teams haben ihre Autos noch nicht an diese Reifen angepasst. Deshalb mussten die Rundenzeiten langsamer sein. Beim nächsten Test in Abu Dhabi werden wir schon eine Steigerung sehen."

Lewis Hamilton bemängelte, dass er vor zwei Jahren extra zu einer Techniksitzung nach Paris gereist sei und Pirelli die Wünsche der Fahrer mitgeteilt hätte. Nichts sei passiert. Der ursprünglich für 2020 geplante Reifen wurde nach einem unbefriedigenden Test letztes Jahr nach dem Finale in Abu Dhabi zurückgezogen. Teams und Fahrer sprachen sich einstimmig dagegen aus. Doch der Rekordsieger verwechselt da im Übereifer etwas. Auf der von Hamilton angesprochenen Sitzung fragte Pirelli die Forderungen der Fahrer in Bezug auf die 18 Zoll-Reifen ab, die nun erst 2022 kommen. Das ist ein ganz anderes Thema.

Pirelli feuert zurück

Mario Isola kann die Klagen der Fahrer schon nicht mehr hören: "Sie wünschen sich einen Hypersoft-Reifen mit null Abnutzung. Einen solchen Reifen gibt es nicht." Mal abgesehen, dass es physikalisch unmöglich wäre bei den derzeitigen Abtriebswerten der Autos einen solchen Reifen zu bauen, er wäre auch kontraproduktiv. Wenn die Fahrer jede Runde am Limit fahren könnten und der Reifen kein limitierender Faktor mehr wäre, gäbe es keine Überholmanöver mehr. Die Folge wären langweilige Rennen. "Uns sitzt auf der anderen Seiten das Formel 1-Management im Nacken, das genau das Gegenteil der Fahrer will, nämlich Reifen, die schnell abbauen. Das garantiert bessere Rennen", beschreibt Isola den Zwiespalt, in dem Pirelli steckt. Seine Schlussfolgerung: "Es wird immer nur einen Kompromiss geben können."

Das Ziel von Pirelli mit der Neukonstruktion war klar umrissen. Man will weg von den absurd hohen Luftdrücken, was in der Folge naturgemäß die Gefahr des Überhitzens des Reifens verringert. Allerdings traute sich Pirelli in Bahrain nur, die Luftdrücke um moderate 1,5 PSI (vorne) und 0,5 PSI (hinten) zu reduzieren. Damit lagen die Luftdrücke immer noch jenseits der 20 PSI-Marke. Aber laut Isola war der Test in Bahrain nur ein erster Schritt. "Es war ein Tag des Datensammelns für die Ingenieure, nicht der schnellen Runden. Wir haben mit Kritik gerechnet."

So habe Pirelli bereits im Vorfeld vor dem Untersteuern gewarnt, das Verstappen monierte. Weil das als normale Konsequenz auf die Änderung der Reifenkonstruktion zu erwarten war. Das wird sich aber in dem Augenblick legen, wenn die Fahrzeugingenieure ihre Autos konstruktiv angepasst und das Setup für die neuen Reifen maßgeschneidert haben. "Die Fahrer sind diese Reifen nun seit zwei Jahren gewöhnt. Ihr Vertrauen baut auf diesen Autos und diesen Reifen auf. Damit war klar, dass jede Abweichung davon Kritik hervorrufen wird", versucht Isola den Ball flach zu halten.

Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Bahrain- Sakhir - Freitag - 27.11.2020
F1/FIA
Jeder Fahrer hatte im Freitagstraining zwei Sätze der C3-Mischung für 2021 zur Verfügung.

Weniger Grip für alle gleich

Pirelli beharrt darauf, dass ihre Daten und ihre Testreihen in der Fabrik die Ergebnisse bringen, die man von den neuen Reifen erwartet. "Wenn die Autos optimiert sind, werden wir wieder zu den Rundenzeiten von heute zurückkehren", ist Isola überzeugt. Das gleiche erwartet er von den Abtriebswerten, die zunächst einmal wegen der massiven Eingriffe am Unterboden in den Keller rauschen werden. Pirelli fürchtet jedoch, dass die Teams bereits Mitte der kommenden Saison wieder zu dem 2020er Anpressdruck und damit den aktuellen Belastungen für die Reifen zurückkehren.

Eine Rückkehr zu den aktuellen Reifen, wie von Hamilton und Vettel vorgeschlagen, schließt Isola praktisch aus: "Dafür müssten mir die Fahrer und Teams schon sehr gute Gründe nennen. Wenn sie nur damit daher kommen, dass sie jetzt weniger Grip haben und die Rundenzeiten steigen, dann akzeptieren wird das nicht. Weniger Grip ist für alle gleich. Wenn sie sich über Untersteuern beklagen, dann ist das für uns auch kein Grund, unser Programm zu stoppen. Untersteuern kann man mit der Fahrzeugbalance ausgleichen." Der Vergleich mit dem Vorjahr hinkt laut Isola. "Da hatten die Teams die Sorge, dass sie den Unterboden wegen der anderen Form der Hinterreifen zu stark ändern müssten. Deshalb sind wir bei 2019er Reifen geblieben."

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