Fahrer zum Überholproblem

„Muss auch langweilige Rennen geben“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 5. April 2018 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Der GP Australien mit nur 5 Überholmanövern treibt die Formel 1-Gemeinde um. Wir haben Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Max Verstappen, Daniel Ricciardo, Sergio Perez und Nico Hülkenberg gefragt, was sie von der Kritik an den Autos halten.

Der GP Australien war nie ein Rennen, bei dem viel überholt wurde. Ob das Überholen ein noch größeres Problem als in der Vergangenheit geworden ist, werden wir erst nach den Rennen in Bahrain und Shanghai wissen. Das sind Strecken, auf der es in der Vergangenheit überdurchschnittlich viele Positionswechsel auf der Strecke gegeben hat. Die Fahrer warnen deshalb, in Panikmache zu verfallen. „Lasst uns die nächsten zwei Rennen abwarten“, hält Daniel Ricciardo den Ball flach. „Überholen ist heute streckenabhängig. In Bahrain gibt es 3 echte Überholstellen. Da sollte es leichter werden.“

Kollege Max Verstappen wundert sich, dass dieses Thema gerade jetzt wieder so hochschwappt: „Darüber reden wir doch schon seit einigen Jahren. Und wir wissen alle, was für die Probleme verantwortlich ist.“ Und daran ist nach Meinung von Verstappen nicht nur die Aerodynamik schuld. „Da spielen viele Dinge mit hinein. Auch die Motoren, die wir gerade fahren. Kein Fan will Funksprüche hören, wie: Schone deinen Motor. Fahr langsamer. Die sind die logische Folge dieser komplizierten Antriebseinheiten.“

Lewis Hamilton hält dagegen, auch wenn ihn der Zwang, sogenannte „target lap times“ zu fahren womöglich den Sieg beim GP Australien gekostet hat: „Schnelle Runden am Stück fahren, kann jeder von uns. Jeder im Rahmen seines Könnens. Aber Formel 1 ist mehr als das. Ich finde es gut, dass du beim Fahren auch andere Dinge im Blick haben musst. Du musst deinen Kopf benutzen. Es ist wie ein Schachspiel, und es fordert dich als Fahrer heraus.“

In der MotoGP haben Fahrer und Fans Spaß

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In einem sind sich die Red Bull-Piloten einig: „Wenn wir die Wahl hätten zwischen einem Auto, das 2 Sekunden langsamer ist, aber tollen Rennsport erlaubt und die Fans zufriedenstellt, dann akzeptieren wir die langsameren Autos.“ Doch macht es dann den Fahrer noch Spaß? Verstappen glaubt ja: „In der MotoGP funktioniert es doch auch. Da haben die Fahrer und die Fans Spaß“. Lässt sich das so einfach auf vier Räder übertragen? Verstappen kontert: „Ich glaube schon. Die Formel 1 hat es doch in der Vergangenheit vorgemacht.“

Bei Ricciardo war selbst 10 Tage nach dem GP Australien noch ein gewisser Frust herauszuhören, dass er 30 Runden lang vergeblich gegen Kimi Räikkönen anrannte, obwohl er das schnellere Auto hatte. Sogar eine halbe Sekunde schneller, wie die beste Rennrunde der beiden vermuten lässt: „Ich war eigentlich überrascht, wie nah ich aufschließen konnte. Trotzdem hätte ich einen Fehler von Kimi gebraucht, um an ihm vorbeizukommen. Er hat mir leider den Gefallen nicht getan. In neun von zehn Fällen wartest du da vergeblich.“

Für Ricciardo liegen die Probleme auf der Hand: „Die Autos sind noch einmal schneller geworden, die Bremswege kürzer. Außerdem sind sie seit letztem Jahr 20 Zentimeter breiter. Da fällt es schwer, die Lücke zu finden.“ Sergio Perez glaubt, dass auch der Halo eine Rolle spielt: „Ich habe das Gefühl, dass die Autos mit Halo sensibler im Windschatten reagieren.“

Nico Hülkenberg kann das nicht bestätigen: „Das Problem ist ähnlich stark ausgeprägt wie im letzten Jahr. Die Aerodynamik der Autos ist sehr spitz, sie sind sehr breit und sie sind schnell. Mit den weicheren Reifen wurden die Autos noch einmal schneller. Durch die immer kürzeren Brermsphasen hat man am Kurveneingang kaum eine Möglichkeit, ein Manöver zu starten. Aber hier im Bahrain sollte es schon besser werden als in Australien.“

Reifen wieder temperaturempfindlicher

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Die neuen Reifen machen die Autos nicht nur schneller. Pirelli wollte wieder für größere Unterschiede sorgen. Das hat zur Folge, dass das Temperaturfenster der einzelnen Gummimischungen wieder enger geworden ist. „Jetzt muss wieder der erste Angriff passen. Wenn du zu lange hinterherfährst, leidet der Reifen“, sagt Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot nimmt Pirelli in Schutz: „Unsere Autos sind 100 Kilogramm schwerer als früher. Das geht automatisch auf den Reifen. Wahrscheinlich ist es sehr schwierig, da die perfekte Balance zwischen Haltbarkeit und Abnutzung zu finden.“

Der Melbourne-Sieger sieht keinen Grund zu vorschnellen Schlüssen und warnt davor, das 2017 gewählte Autokonzept jetzt wieder auf den Kopf zu stellen: „Es gab früher schon langweilige und spannende Rennen. Mit mehr oder weniger Überholmanövern. Vor zwei Jahren haben wir alle schnellere Autos gefordert. Jetzt rufen alle nach langsameren Autos.“

„Es bringt nichts, wenn wir alle paar Jahre das Konzept ändern. Aus Fahrersicht sind die aktuellen Autos eine größere Herausforderung. Ich glaube, dass es auch die Zuschauer honorieren, wenn die Fahrer wieder erschöpft aus ihren Autos steigen und sichtbar schneller durch die Kurven fahren. Es muss auch langweilige Rennen geben dürfen. Das ist im Fußball auch nicht anders. Da schreit bei einem 0:0 auch keiner gleich nach Veränderung.“

Eine Maßnahme, die aktuell diskutiert wird, ist das Ausweiten der DRS-Zonen. Einige sind sogar dafür, den Klappflügel auf der kompletten Strecke freizugeben. Hülkenberg sieht die Maßnahme kritisch: „Das Verlängern der DRS-Zonen hilft ein bisschen, aber wenn es einen Zug mit mehreren Autos hintereinander gibt, dann hilft auch DRS nicht mehr weiter. Da kann auch keiner attackieren. Ein wirksames Mittel sind nur Veränderungen an den Autos.“

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