Autos - GP Spanien 2021 - Barcelona Motorsport Images
Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021
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Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021 44 Bilder

Fahrzeugentwicklung unter dem F1-Budget-Cap

Entwicklung unter dem Budget-Cap Modularer Teileaufbau spart Kosten

Der Budgetdeckel zwingt die Teams zur Effizienz, und zu einem Umdenken bei der Entwicklung. Jeder Schuss muss im Prinzip sitzen, um nicht unnötig Geld zu verbraten. Die Fahrzeugteile werden deshalb immer modularer aufgebaut. Das spart Kohle, kostet aber Gewicht und Steifigkeit.

Das Budget-Cap erweitert die diesjährige Formel 1-Saison um eine spannende Dimension. Erstmals in der Geschichte dürfen die Teams nicht mehr so viel ausgeben, wie sie wollen. Das Regelwerk deckelt die Ausgaben auf 147,4 Millionen Dollar. Normal wären es nur 145 Millionen, doch für den Rekordkalender von insgesamt 23 Rennen bekamen die Teams 2,4 Millionen mehr zugestanden.

Es gibt Ausnahmen von der Regel. Die Fahrergehälter zum Beispiel. Das Salär für die drei teuersten Angestellten. Das Marketing. Die Motoren. Trotzdem schränkt der Budgetdeckel stark ein. Die Top-Teams werden in dieser Saison zwischen 80 und 100 Millionen weniger ausgeben als früher. Nicht alle Mannschaften schöpfen den Rahmen aus. Haas, Williams und Alfa Romeo operieren unter dem Maximalbetrag.

Effizienz das neue Zauberwort

Die Obergrenze ist ein großer Schritt zu mehr Gerechtigkeit und damit zu mehr Ausgeglichenheit im Feld. Weil keiner mehr Geld mit beiden Händen ausgeben und in die Fahrzeugentwicklung stecken kann. Effizienz ist das neue Zauberwort. Effizienz in der Entwicklung, im Windkanal, im CFD, bei der Gewichtung zwischen 2021 und 2022.

Das Reglement schreibt ja auch hier maximale Kapazitäten vor. Mit dieser begrenzten Zeit, mit dieser begrenzten Auslastung kann keiner mehr in viele unterschiedliche Richtungen forschen, sondern muss den vielversprechendsten Ansatz auswählen. Das macht die Sache gerade so spannend. Die Top-Teams haben trotzdem weiter einen Vorteil: Sie haben die beste Infrastruktur, die besten Werkzeuge, die besten Rechner, die beste Software, die natürlich auch am effizientesten sind.

Es kommt noch ein weiterer Spannungsmacher hinzu. 2022 schreibt die Formel 1 ein ganz anderes Reglement mit völlig neuen Autos. Die Teams entwickeln parallel und müssen die schwere Entscheidung treffen, wie viel sie noch ins 2021er Auto stecken und wie viele Ressourcen sie für 2022 aufwenden. Jede Woche im Windkanal mit dem aktuellen Modell kostet Zehntelsekunden mit dem neuen, weil die Spielwiese noch eine so unbekannte ist. Einzig Haas hat einen Schlussstrich gezogen. Der US-Rennstall nimmt Windkanal und CFD ausschließlich für das kommende Auto her.

Daniel Ricciardo - McLaren - GP Spanien 2021
Wilhelm
McLaren gehört zu den Teams, das noch mit die meisten (kleinen) Upgrades bringt.

Jedes Update muss sitzen

Das WM-Duell zwingt Mercedes und Red Bull, das aktuelle Auto nicht aus den Augen zu verlieren. McLaren und Ferrari ergeht es im Zweikampf dahinter nicht anders. Alpine will aufholen, Alpha Tauri mindestens Fünfter in der Weltmeisterschaft werden. Aston Martin bekommt Druck von seinen Investoren, 2021 nicht abzuschreiben. Jeder steckt irgendwie in der Zwickmühle, das diesjährige Auto nicht zu vernachlässigen.

Die Ingenieure haben Glück, dass ihnen gewisse Strukturen irgendwann Grenzen setzen. "Das neue Auto braucht einen gewissen Vorlauf. Zu einem Zeitpunkt müssen wir mit der Produktion starten. Außerdem wird uns der Rennkalender irgendwann zwingen, die Parallelentwicklung einzustellen." 12 Rennen in 17 Wochen, dazu drei Triple-Header: Spätestens nach der Sommerpause im August dürfte die Entwicklung für das aktuellen Auto einschlafen.

Die großen Upgrades sind in den ersten vier Rennen ausgeblieben. Das liegt am Budget-Deckel. Und daran, dass die Teams am Ende eines auslaufenden Reglements nur noch an Details feilen. "Da bringen Veränderungen nur noch kleine Fortschritte und nicht mehr mehrere Zehntel", verrät uns ein Ingenieur. "Aber die können in einem engen Zweikampf unter gleichwertigen Autos einen Unterschied machen."

Die Teams müssen sich schon sicher sein: Jedes neue Teil, das sie designen, im Windkanal und CFD testen, produzieren und ans Auto schrauben, sollte zu einer Verbesserung führen. Sonst hat man umsonst investiert, was sowohl für 2021 als auch für das kommende Jahr schmerzt, weil damit Ressourcen verschwendet wurden.

Carlos Sainz - Ferrari - GP Spanien 2021
Wilhelm
Wer zuckt zuerst und stellt die Entwicklung am 2021er Auto zugunsten der Regelrevolution 2022 ein?

Modularer Aufbau senkt Kosten

Um Kosten bei Updates zu sparen, bauen die Teams die Fahrzeugteile stärker modular auf. Das heißt in einzelnen Bausteinen. So muss man bei einer Weiterentwicklung zum Beispiel nicht mehr die ganze Verkleidung erneuern und wieder produzieren, sondern kann den alten Teil rausschneiden und einfach gegen den neuen ersetzen.

Der Nachteil: Dieser modulare Aufbau geht ins Gewicht und kostet Steifigkeit, weil die Komponenten nicht in einem Guss gefertigt, sondern aus mehreren Einzelteilen bestehen, die an verschiedenen Stellen miteinander verknüpft werden. Den Luxus, immer neue, strukturstarke und leichtere Teile zu bauen, haben die Top-Teams in dieser Form nicht mehr. Die kleineren Teams sind diesen modularen Fahrzeugaufbau aus der Vergangenheit gewohnt.

Im Spannungsfeld des Budget-Caps wird mit noch härteren Bandagen gekämpft. Manchen im Fahrerlager sind die engen Verbindungen zwischen den Teams, wie Mercedes und Aston Martin oder Ferrari und Haas, weiter ein großer Dorn im Auge. Schon kommen Forderungen auf, jeder Rennstall möge doch bitte einen eigenen Windkanal nutzen, damit auch ja kein Informationsaustausch stattfinden kann. Jeder kleine Hinweis kann in seinem so eingeschränkten Entwicklungsumfeld Gold wert sein.

Es wäre ein weiterer Schritt nach den Klarstellungen der FIA im Vorjahr, um eventuelle Seilschaften zwischen A- und B-Teams zu kappen. Die Antikopier-Regeln haben laut ihren Befürwortern dazu geführt, dass Aston Martin in dieser Saison mit seinem nächsten Mercedes-Plagiat nicht von der Stelle kommt, weil es keinerlei Hilfestellung mehr gäbe.