Fernando Alonso - GP Singapur 2017 Wilhelm
Fernando Alonso
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Der mächtigste Fahrer im Feld

So bekommt Alonso, was er will

Fernando Alonso hat bekommen, was er wollte. McLaren fährt im nächsten Jahr mit Renault-Motoren. Jetzt muss der Spanier nur noch unterschreiben. McLaren kostet der Rettungsplan viel Geld.

Fernando Alonso ist der kompletteste Rennfahrer der Formel 1. Keiner hat so viel Erfahrung wie er, keiner seine Rennintelligenz, keiner sein technisches Verständnis. Und keiner ist so skrupellos wie der 36-jährige Spanier. Alonso versteht es wie einst Alain Prost hinter den Kulissen Strippen zu ziehen und die Dinge in seine Richtung zu lenken. Bisweilen hat er es in seiner Karriere damit übertrieben. Deshalb fährt er keinen Mercedes, keinen Ferrari und keinen Red Bull, sondern einen McLaren-Honda.

McLaren war das letzte große Team, das ihm 2015 noch Asyl gab. Seitdem ist der zweifache Weltmeister im großen Mittelfeld abgetaucht, auf schnellen Strecken wie Monza eher weiter hinten, auf engen Kursen wie Singapur eher weiter vorn. McLaren hat eines der besten Chassis im Feld, aber dem Honda-Motor fehlen immer noch 70 PS auf den Klassenbesten Mercedes. Das kann auch ein Alonso nicht wettmachen.

Die Tragik eines zweifachen Weltmeisters

Start-Crash - GP Singapur 2017
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Was wäre wenn? Alonso ist überzeugt, dass er ohne die Kollision in Singapur auf dem Podium gestanden hätte.

Strecken wie der Marina Bay Circuit oder der Hungaroring sind seine Chance. Da kann er allen zeigen, was möglich wäre, säße er nur in einem Mercedes, Ferrari oder Red Bull. Wenn er dann den McLaren auf den 7. oder 8. Startplatz stellt, wenn er wie in Ungarn Sechster wird oder beim Start in Singapur gleich auf Platz 3 vorstürmt, bevor ihn Max Verstappen und Kimi Räikkönen abräumen, dann sind das die kleinen Siege des großen Fernando Alonso. Seit 2014 stand er nicht mehr auf einem Podest. Seit 87 Rennen hat er nicht mehr gewonnen. 2012 fuhr Alonso zuletzt um den WM-Titel.

Der Beste versinkt seit vier Jahren im Mittelmaß. Das ist die Tragik seiner Karriere. Soweit man einen zweifachen Weltmeister, 32-fachen GP-Sieger und Großverdiener mit kolportiertem Jahresgehalt von 35 Millionen Euro als tragisch bezeichnen kann. Er hat sein eigenes Museum, seine eigene Kart-Rennstrecke und in seiner Karriere fast schon so viel verdient wie Michael Schumacher.

Alonso könnte noch viel mehr Titel, Siege und Pole Positions auf seinem Konto haben, hätte er öfter mal die richtigen Entscheidungen außerhalb des Cockpits getroffen und nicht so viel verbrannte Erde hinterlassen. Sein früherer Ingenieur Pat Symonds hat Alonsos Problem in einen schönen Satz gefasst: „Fernando sollte die Welt auf sich zukommen lassen, statt zu versuchen, der Welt entgegenzulaufen.“

Formel 1 hat Priorität

Fernando Alonso - McLaren-Honda - GP Ungarn 2017 - Budapest - Rennen
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Für 2018 gibt es keine sinnvolle Alternative zu McLaren.

Alonso ist praktisch verdammt dazu, auf die Karte McLaren zu setzen. Die Alternativen sind dünn. Williams wäre im Augenblick ein Abstieg. Renault ist noch nicht bereit für den Ex-Champion, könnte es aber in einem Jahr werden. Siege stehen erst 2019 auf dem Plan. Deshalb hat Renault das Cockpit neben Nico Hülkenberg auch nur für ein Jahr besetzt. Der französische Werksrennstall hofft, dass er mit einer weiteren Steigerung für die übernächsten Saison attraktiv für einen Spitzenfahrer ist.

Alonso kokettierte in Singapur zwar damit, dass er überall exzellente Optionen habe, doch das hörte sich eher an wie lautes Rufen im Wald. Außerhalb der Formel 1 würde Alonsos Stern schnell sinken. Das Indy 500 und die 24 Stunden von Le Mans sind alleinstehende Highlights in Rennserien, die kaum einer kennt. Die Formel E ein Zufluchtsort für gescheiterte Formel 1-Fahrer.

Alonso sieht seine Karriere nicht als gescheitert an. „Ich will noch einmal Weltmeister werden, und ich will die Triple Crown. Die Formel 1 hat Priorität. In Indianapolis und Le Mans fahre ich, wenn es sich ergibt.“ Dass er sich mit seiner Vertragsunterschrift noch ein bisschen ziert, gehört zum Spiel. Er wäre keine Primadonna, wenn er es McLaren jetzt einfach machen würde. Die Vertragsdauer dürfte eines der zentralen Themen sein. Auch Alonso muss Interesse daran haben, 2019 frei zu sein. Es ist das Jahr des großen Stühlerückens.

Unverzichtbar für McLaren und die Formel 1

Alonso ist ein Pulverfass, das selbst auch noch die Lunten legt. Auch bei der Scheidung zwischen McLaren und Honda war er die treibende Kraft. Der Spanier ließ sein Team spüren, dass er nur bleibt, wenn ein anderer Motorhersteller kommt und wenn im nächsten Jahr die Aussicht auf Podiumsplatzierungen besteht. Den Glauben an Honda hat der Spanier verloren. Und mit ihm sein Team.

Chase Carey & Fernando Alonso - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 9. Juni 2017
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Die Formel 1 braucht Alonso. Doch Alonso braucht auch die Formel 1.

Alonso weiß genau, dass er für McLaren und die Formel 1 unverzichtbar ist. Der Wiederaufbau des zweitältesten Formel 1-Rennstalls mit Renault als Motorenpartner gelingt nur mit Alonso an Bord. Er garantiert fahrerische Extraklasse und die mediale Aufmerksamkeit, die ein Team wie McLaren braucht. Mit Stoffel Vandoorne und Super-Talent Lando Norris im Auto wäre McLaren in der Versenkung verschwunden. Da hätte Norris schon einschlagen müssen wie einst Lewis Hamilton. Aber dafür gibt es keine Garantie.

Und die braucht McLaren im Augenblick. Die nächste Saison müssen die Chefs den Eigentümern und potenziellen Investoren zeigen, dass McLaren wieder ein Top-Team sein kann. Sonst bricht das ganze Kartenhaus zusammen. Die Trennung von Honda kostet Mansour Ojjeh und die Bahrain Mumtalakat geschätzte 80 Millionen Dollar. Es gibt keine Gratismotoren mehr, keine Beteiligung an den Fahrergehältern, keinen Entwicklungszuschuss. Zak Brown und Eric Boullier sind mit ihrem Plan in Vorlage gegangen. 2018 müssen sie liefern. Das geht mittelfristig nur mit Alonso.

Auch die Formel 1 braucht den alternden Star als Antihelden zur Pop-Ikone Lewis Hamilton, zum braven Sebastian Vettel, zu seinem Strahlemann Daniel Ricciardo und zu seinem Enfant terrible Max Verstappen. Jeder Sport braucht neben den Guten auch einen Schuft. Alonso spielt die Rolle des „Bad Boy“ meisterhaft. Und so konnte sich der Spanier auch sicher sein, dass man ihm seine Wünsche erfüllt. Er mag für die drei Top-Teams nicht mehr vermittelbar sein, aber irgendwie ist er doch der einflussreichste Fahrer im Feld.

Motorsport Aktuell Stoffel Vandoorne - McLaren-Honda - GP Singapur - Qualifying McLaren im Plan Nur noch große Motor-Upgrades

McLaren-Honda liegt im Plan.

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