Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 21. Februar 2020 Stefan Baldauf
Ferrari SF1000 - F1-Auto 2020
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Ferrari SF1000 - F1-Auto 2020 30 Bilder

Ferrari ändert Aero-Philosophie: Ein neuer SF1000 ab GP Ungarn

Ferrari ändert Aerodynamik-Philosophie Ein neuer SF1000 ab GP Ungarn

Ferrari sieht sich deutlich hinter Mercedes und Red Bull. Deshalb schlägt Maranello jetzt eine andere Entwicklungsrichtung ein. Teamchef Mattia Binotto verspricht ab dem dritten Saisonrennen einen neuen SF1000.

Spätestens jetzt dürfte die Hoffnung der Ferrari-Fans auf den großen Bluff dahin sein. Kurz vor dem Saisonstart in Österreich bestätigt Teamchef Mattia Binotto einmal mehr, dass seine Mannschaft bei den Wintertestfahrten nicht zurückgehalten hat. Sondern, dass Ferrari ganz einfach langsamer ist als Mercedes und Red Bull.

Weder in den Kurven noch auf den Geraden machte der SF1000 in Barcelona einen sonderlich schnellen Eindruck. Die Optimisten wähnten Ferrari vier Zehntel hinter Mercedes. Die Pessimisten sprachen von sechs Zehnteln – oder gar mehr.

Radikale Aero-Änderungen am SF1000

Ferrari hatte sich mehr versprochen. Der SF1000 sollte ein Auto sein, mit dem Sebastian Vettel und Charles Leclerc um die Weltmeisterschaft kämpfen können. Doch die Wintertestfahrten in Barcelona brachten Teamführung und Ingenieure zur der Erkenntnis, dass die Piloten dafür nicht das passende Fahrzeug in den Händen haben.

"Wir mussten verstehen, warum wir auf der Rennstrecke nicht die Ergebnisse erzielten, die wir eigentlich erwartet hatten. Und daraus ableiten, wie sehr wir unser Programm neu ausrichten müssen", berichtet Binotto. Die Schlussfolgerung: Der SF1000 braucht eine radikale Wandlung, um es mit der Konkurrenz aufnehmen zu können.

Ferrari hat die Zwangspause zwischen den Testfahrten und Österreich genutzt, um die Fahrzeugentwicklung neu aufzugleisen. "Wir hatten fünfeinhalb Wochen, in denen wir am Auto arbeiten konnten. Die haben wir genutzt", sagt der Rennleiter. Die restliche Zeit waren den Ingenieuren die Hände gebunden. Die FIA untersagte es den Teams über neun Wochen an ihren Autos zu arbeiten. Die Fabriken mussten schließen. Doch die Ingenieure konnten sich ihre Gedanken machen, was mit dem SF1000 nicht stimmt, und was es braucht. Ideen haben keine Sommerpause.

Charles Leclerc - Ferrari - Test - Mugello - 2020
Ferrari
Der SF1000 soll ab dem GP Ungarn ein anderes Gesicht zeigen.

Tests führen zu Umdenken

"Die Wahrheit ist, dass der Ausgang der Testfahrten uns dazu bewegt hat, eine bedeutende Richtungsänderung vorzunehmen – speziell an der Aerodynamik", erklärt Binotto. "Es wäre kontraproduktiv gewesen, wenn wir einfach unseren ursprünglichen Entwicklungsplan weiterverfolgt hätten. Damit hätten wir unsere Ziele nicht erreicht. Deshalb haben wir uns für ein völlig neues Programm entschieden, dass das gesamte Auto betrifft. Wir wussten, dass wir damit zwar nicht bis zum Saisonstart bereit sein werden, es uns für die Saison aber bessere Chancen gibt."

Ferrari haben wohl nicht nur die Testfahrten zum Umdenken gebracht. Auch der Fahrplan der Formel 1 dürfte seinen Teil beigetragen haben. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Regelrevolution von 2021 auf 2022 aufgeschoben. Das erspart den Teams eine Doppelentwicklung in diesem Jahr. Windkanal- und CFD-Tests sind mit den 2022er Modellen erst wieder ab Januar erlaubt.

Die Verschiebung bedingt, dass die Teams im Prinzip mit einem Auto für zwei Jahre fahren. Zumal ein Großteil nach und nach eingefroren wird und Entwicklung in diesen Bereichen dann kaum noch möglich ist. Den Teams bleiben nur noch zwei Joker, sogenannte Token, um homologierte Teile weiterzuentwickeln. Die Aerodynamik bleibt von den Einschränkungen befreit.

Und genau dort wird Ferrari ansetzen. Im Wissen, den SF1000 nicht nur 2020, sondern auch 2021 einsetzen zu müssen, hat Ferrari umgeplant. Andernfalls wäre man bewusst das Risiko eingegangen, zwei Saisons lang hinterherzufahren. So eine lange Zeit im Tal der Tränen kann Ferrari seinen Tifosi nicht verkaufen. Geduld ist bekanntlich nicht deren Stärke.

Neuer Ferrari ab Ungarn

So unternimmt Ferrari den Kraftakt, aus dem SF1000 noch einen Sieger zu machen. Die ersten Früchte der harten Arbeit will Ferrari beim dritten Saisonrennen in Ungarn ernten. "Unser Ziel ist es, die Updates bis dahin fertig zu haben", sagt Binotto. Ferrari wird Abtrieb aufsatteln müssen. Dafür dürfte der Frontflügel umgestaltet und daraufhin die restliche Aerodynamik ausgerichtet werden. Nach dem Vorbild von Mercedes und Red Bull.

Ferrari ist seiner Philosophie der Steil abfallenden Flaps zur Überraschung einiger Experten im Fahrerlager treu geblieben. Darüber hinaus vermissten sie Innovationen. Während Mercedes und Red Bull mit neuen Ideen glänzten, zum Beispiel im Bereich der Aufhängungen, wirkte der SF1000 bieder.

Und dann büßte Ferrari auch noch seinen Motorenvorteil ein. Der Sechszylinder-Turbo aus Maranello war bei den Wintertestfahrten nicht mehr das Maß der Dinge. Das Fahrerlager stellte sofort einen Zusammenhang zwischen dem offensichtlichen Leistungsverlust und der FIA-Untersuchung zum 2019er Ferrari-Motor her. Ferrari schob es dagegen auf gewonnenen Abtrieb zu Ungunsten des Luftwiderstands. Man könnte es auch anders ausdrücken. Ferrari hatte sich Abtrieb zulasten der Höchstgeschwindigkeit erkauft. Nicht genug aber, um wenigstens in den Kurven mit der Konkurrenz mitzuhalten. Maranello muss nachbessern.

In Österreich werden sich Fahrer und Ingenieure mit dem Paket der Wintertestfahrten durchschlagen müssen. Immerhin verspricht Binotto, Ferrari habe sein Auto besser verstanden. Sebastian Vettel und Charles Leclerc trugen ihren Teil mit Simulatorarbeit bei. Der SF1000 soll damit ein besserer Rennwagen geworden sein. Und dann gibt es noch Hoffnung, dass die Streckencharakteristik des Red Bull Rings besser zum derzeitigen Paket passt als Barcelona.

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