Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain 2020 - Sakhir Motorsport Images
Alexander Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Qualifikation - Samstag - 28.11.2020
Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Qualifikation - Samstag - 28.11.2020
Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Qualifikation - Samstag - 28.11.2020
Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Qualifikation - Samstag - 28.11.2020 36 Bilder

Ferrari scheitert in Q2 in Bahrain: Power-Strecke Gift

Ferrari scheitert in Q2 Power-Strecke Gift für den SF1000

Die Qualifikation nahm für Ferrari den erwarteten Verlauf. Sebastian Vettel und Charles Leclerc stiegen in Bahrain nach Q2 aus. Es hätte auf der Power-Strecke schon eine perfekte Runde gebraucht, um in die Top 10 zu fahren.

Sebastian Vettel kennt das Gefühl. Zum 12. Mal in dieser Saison war der viermalige Bahrain-Sieger keiner der Teilnehmer am dritten Qualifikationsdurchgang. Immerhin reichte es für den vierten Erfolg im Vergleich mit dem Teamkollegen. Ein schwacher Trost, aber ein Zeichen dafür, dass es langsam wieder aufwärts geht. Fahrer und Auto finden gegen Saisonende mehr und mehr zusammen.

Die beiden Ferrari parkten nach Q2 in der Boxenstraße. Zum fünften Mal in dieser Saison nach den Zeittrainings von Belgien, Italien, Russland und der Türkei. Mal abgesehen von Istanbul, wo Ferrari in der nassen Qualifikation keine Temperatur in die Reifen brachte, haben die Strecken eines gemeinsam. Sie fordern den Motor. In Bahrain liegt der Vollgasanteil bei 75 Prozent. Die vier langen Geraden sind Gift für den SF1000.

Es fehlt Motorleistung. Der Abstand zu Mercedes, Renault und Honda lässt sich erst 2021 mit einer neuen Power Unit reduzieren. Und die aerodynamische Effizienz ist weiter ein Pferdefuß. Um diese Schwäche zu beheben, braucht es ebenfalls drastischere Eingriffe ins Aero-Konzept. Die Updates zwischen Russland und Portugal haben zwar geholfen, doch seither gab es keine weiteren neuen Teile. Deshalb rechnete Ferrari mit einem komplizierten Rennwochenende. Bis jetzt sind die Befürchtungen wahr geworden. "Auf dieser Strecke bist du abhängig vom Motor. Deshalb wussten wir schon vorher, dass es schwer für uns werden würde. Meine Quali-Runde war okay. Das hat dann einfach nicht ausgereicht. Wir stehen dort, wo wir hingehören", sagte der Elftplatzierte Vettel.

Das rote Auto generiert zwar ordentlich Abtrieb, doch zulasten des Luftwiderstands. Wenn Ferrari die Flügel zu flach stellt, verliert man zu viel Zeit in den Kurven. In der Topspeed-Wertung landeten Leclerc (321,9 km/h) und Vettel (318,3 km/h) auf den Positionen 14 und 19. Auf Niveau von Mercedes und Red Bull. Doch die können es sich erlauben, größere Flügel aufzusatteln. Vor allem Mercedes mit dem besten Motor im Feld. Ferrari fährt mit kleineren Flügeln, ist auf den Geraden aber trotzdem nicht schneller. Und wird in den Kurven von den Vorzeigeautos obendrein vermöbelt.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Motorsport Images
Charles Leclerc unterlag erst zum vierten Mal in dieser Saison in der Qualifikation gegen Sebastian Vettel.

Zu kalte Reifen bei Vettel

Es hätte für Ferrari schon perfekt laufen müssen, um ins Q3 einzuziehen. Tat es aber nicht. Weder Vettel noch Leclerc erwischten eine optimale Runde. Hätten sie ihre schnellsten Sektoren in den letzten Schuss von Q2 gepackt, wären beide weiter gewesen. Leclerc mit einer Rundenzeit von 1:28.916 Minuten. Vettel in 1:28.999 Minuten. So blieben die Ferrari um 0,141 respektive 0,157 Sekunden hinter Pierre Gasly zurück, der sich als Zehnter in das Finale rettete.

Vettel berichtete über zu kalte Reifen auf dem ersten Teil der Runde und Verkehr im Mittelsektor. Es klappte nicht, seinen Ferrari richtig zu positionieren. Der Heppenheimer suchte den Windschatten vom Williams von George Russell, um auf den Geraden zu profitieren und lief im zweiten Abschnitt zu nah auf. Das kostete Abtrieb. "Ich hatte nicht genug Temperatur in den Vorderreifen, weil ich auf meiner Outlap Abstand nach vorne schaffen musste. Die Reifen kühlten zu stark aus. Das habe ich in den Kurven vier, sechs und sieben bezahlt. Der Mittelsektor war auch nicht optimal. Es wäre mehr drin gewesen", meinte Vettel.

Der Teamkollege haderte ebenfalls mit der vierten Kurve des Bahrain International Circuits. "Da habe ich viel Zeit liegengelassen. Ich kann es besser machen", tadelte sich der WM-Fünfte ein wenig selbst. "Leider will es schon das ganze Wochenende nicht für mich laufen. Ich kämpfe seit dem ersten Training mit dem Auto. Es wurde seither nicht viel besser." Im Vergleich zum Vorjahr, als er die Pole errungen hatte, stürzte Leclerc um 1,3 Sekunden ab. Das dokumentiert den Rückschritt, den Ferrari beim Motor gemacht hat.

Kein Vorteil der freien Reifenwahl

Die nächste Chance bietet der Rennsonntag. Da wollen die beiden Ferrari-Piloten in die Punkte vorfahren. Der Vorteil der freien Reifenwahl dürfte, wenn überhaupt, ein geringer sein. Alle Piloten vor den Ferrari starten auf den Medium-Reifen. Den Softreifen dürfte am Start keiner außerhalb der Top 10 anrühren. Weil die weichste Mischung in Bahrain schon nach wenigen Runden unter der Last der vielen harten Beschleunigungs-Zonen zusammenbricht. Deshalb kommt der C4 maximal für einen Schlussspurt gegen Rennende infrage, wenn nur noch wenig Benzin im Tank ist.

Wenn Ferrari etwas anderes machen will, bleibt nur der harte Reifen für den Start. Doch der könnte ein paar Meter auf dem 350 Meter langen Sprint in die erste Kurve kosten. Den weichen Reifen rührte man wie die Konkurrenz nicht einmal für den einzig echten Versuch in Q2 nach der roten Flagge an. Der Nachteil wäre mit diesem Startreifen zu groß gewesen für den ersten Stint. Da schied man lieber aus, als es auf dem schnelleren Reifen zu versuchen.

Trotz des schwachen Topspeeds sieht Vettel noch gute Möglichkeiten, nach vorne zu kommen. Bahrain zählt mit seinem Layout und drei DRS-Zonen zu den überholfreundlichsten Strecken im Rennkalender. Und über die Taktik sollten sich Möglichkeiten ergeben. "Dafür müssen wir aber schlau sein wie ein Fuchs", sagt der 33-Jährige mit einem Lächeln. Der hohe Reifenverschleiß wird den GP Bahrain zu einem Zweistopprennen machen. "Wir können immer noch mit beiden Autos gut punkten. Dafür müssen wir zur richtigen Zeit die Reifenwechsel einlegen. Eine Runde früher oder später kann einen großen Unterschied machen."

Der Undercut wird ein effektives Mittel sein. Frische Reifen bringen gegenüber alten gleich mehrere Sekunden. Doch es wird nicht nur auf die Taktik und den Umgang des Autos mit den Pirellis ankommen. Sondern auch auf den Gasfuß des Fahrers, der das Reifenleben beeinflussen kann. In dieser Disziplin hat Leclerc in dieser Saison laut eigenen Angaben einen großen Fortschritt gemacht. Der Monegasse kann am Rennsonntag einen weiteren Beweis dafür antreten. Und Vettel seine Erfahrung ausspielen.

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