Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn 2021 Ferrari
Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn 2021
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Ferrari-Bilanz: Doppelte Punkte, halber Rückstand

Ferrari zieht positive Halbzeitbilanz Doppelte Punkte, halber Rückstand

Ferrari geht als Dritter in die Sommerpause. Teamchef Mattia Binotto zieht eine positive Zwischenbilanz. Der Rückstand zur Spitze wurde halbiert, die Punkte verdoppelt, die Boxenstopps verbessert. Das Team liegt im Plan für Platz drei in der WM.

Ferrari hat es auf den letzten Drücker geschafft. Der Traditionsrennstall geht als Dritter in die Sommerpause, punktgleich mit McLaren, aber mit den besseren Einzelergebnissen. Die zweiten Plätze von Carlos Sainz in Monte Carlo und von Charles Leclerc in Silverstone stechen die drei dritten Plätze von Lando Norris aus. Insgesamt landeten die beiden Ferrari-Fahrer 16 Mal in den Punkten. 22 wäre das Maximum gewesen.

Teamchef Mattia Binotto kann zufrieden Halbzeitbilanz ziehen. Die Zahlen sprechen für seinen erfolgreichen Wiederaufbau nach dem Pleitenjahr 2020, der schlechtesten Saison für Ferrari seit 40 Jahren.

Unter dem Strich vermeldet die Gestione sportiva: Punkte verdoppelt, Rückstand halbiert. Nach elf Rennen in der Vorsaison stand der Rennstall aus Maranello bei 80 Punkten. Jetzt sind es 163. Vor einem Jahr war der Rennstall der Herzen zum gleichen Zeitpunkt der Saison Sechster. Jetzt liegt man auf dem dritten Platz.

Mattia Binotto - Ferrari - Andrea Stella - McLaren - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - Freitag - 2.7.2021
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Binotto stellt seinem Team ein gutes Zeugnis aus. In der Sommerpause liegt Ferrari punktgleich mit McLaren auf Rang drei des Konstrukteurspokals.

60 Prozent Motor, 40 Prozent Auto

Auch die Rundenzeiten sprechen eine eindeutige Sprache. "Im letzten Jahr haben wir im Schnitt über alle Rennen 1,4 Sekunden auf die Spitze verloren. Dieses Jahr liegt der durchschnittliche Rückstand bei 0,7 Sekunden", rechnet Binotto vor. 60 Prozent davon gehen zu Lasten des Motors, 40 Prozent auf das Auto. Der Mann mit der Harry-Potter-Brille räumt ein: "Sieben Zehntel sind immer noch ein großer Rückstand, aber die Richtung stimmt."

Das gilt auch für andere Disziplinen. Bis jetzt hatte Ferrari noch keinen technischen Defekt zu beklagen. An beiden Ausfällen waren Unfälle schuld. Das Crash-Konto ist laut Binotto in den ersten elf Grands Prix bereits auf über 2,5 Millionen Euro geklettert. "Da sind auch selbst verschuldete Unfälle mit drin." Wie der Abflug von Leclerc im Q3 von Monaco, wie der Ausrutscher von Sainz im Q2 von Ungarn. Beides hat Ferrari womöglich einen Sieg gekostet.

Trotzdem behauptet Binotto: "Wir haben die beste Fahrerpaarung im Feld. Charles und Carlos sind schnell, jung, gleichzeitig erfahren und passen gut zusammen. Beide haben noch Luft nach oben. Wenn wir ihnen ein gutes Auto geben, können beide gewinnen."

Die Statistik gibt Binotto recht. Im Vergleich zu WM-Gegner McLaren punkten die Ferrari-Fahrer gleichmäßiger. Bei McLaren hat Lando Norris mehr als doppelt so viele Zähler wie Daniel Ricciardo auf dem Konto.

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Samstag - 31. Juli 2021
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Ohne den Crash von Carlos Sainz im Ungarn-Qualifying wäre die Punkteausbeute vielleicht noch höher ausgefallen.

84 Prozent unter drei Sekunden

Auch die Boxencrew von Ferrari hat sich verbessert. Auf der Grundlage, dass jeder Reifenwechsel unter drei Sekunden ein guter Wert ist, weil man damit zumindest kein Rennen verliert, hat Ferrari 84 Prozent seiner Boxenstopps unter dieser Marke abgespult. Im letzten Jahr waren es nur 48 Prozent. "Damit liegen wir auf dem zweiten Platz der Rangliste. Vor einem Jahr waren wir Achter", blickt Binotto stolz zurück.

Auch bei der Rennstrategie ist die Scuderia sattelfester geworden. Es gab kein Rennen, das der Kommandostand verbockt hätte. Einziger Vorwurf: Man hätte das Unfallauto von Leclerc in Monte Carlo auf der dem Einschlag abgewandten Seite vielleicht noch genauer untersuchen können. Dann wäre vielleicht auch der Schaden an der Radnabe aufgefallen, der den Trainingsschnellsten einen möglichen Sieg gekostet hat.

Trotzdem gibt der Ferrari SF21 oft genug Rätsel auf. Es ist im Vorfeld immer schwer zu beurteilen, wo er schnell sein wird und wo nicht. Das Auto war gut in Barcelona aber schwach in Portimao, obwohl sich beide Strecken sehr ähneln. Die starke Form in Monte Carlo war erwartbar. Die in Baku wegen der langen Geraden nicht.

Silverstone fiel komplett aus dem Raster. Eine schnelle, frontlastige Strecke, auf der Leclerc die Führung erst drei Runden vor Schluss verlor. Binotto relativiert: "Wir hatten in Silverstone kein Siegerauto. Red Bull und Mercedes waren im üblichen Rahmen schneller als wir. Sie haben uns nur mit dem Crash einen Gefallen getan."

Charles Leclerc - Formel 1 - GP England 2021
Motorsport Images
Der starke Auftritt von Leclerc in Silverstone passt nicht zum Charakter des Autos.

Lösungen für die Reifenkrise

Ferrari hat alle seine Prozesse auf den Prüfstand gestellt und auch da Fortschritte erzielt. Nach dem Reifenfiasko beim GP Frankreich, das sich schon in Portugal angekündigt hatte, gingen die Techniker in Maranello in Klausur. "Wir haben nach dem Ausschlussverfahren versucht herauszufinden, warum unser Auto mehr die Vorderreifen frisst als jedes andere im Feld", erzählt Binotto.

Auf den Tisch kamen drei mögliche Ursachen: Gibt es ein konzeptionelles Problem, das die Reifen stärker verschleißen lässt? Liegt es an der Fahrzeugabstimmung? Haben die Fahrer beim Reifenmanagement Fehler gemacht?

Die Ingenieure spielten in ihren Simulationen unterschiedliche Aufhängungsgeometrien und Gewichtsverteilungen durch, die Fahrer im Simulator unterschiedliche Einstellungen von Radsturz, Federweg und Aero-Balance. Leclerc und Sainz stellten sich die Frage, ob sie ihren Fahrstil bei den für die Vorderreifen kritischen Strecken entsprechend anpassen können.

Da einige Dinge wie die Vorderradaufhängung oder die vorderen Felgen wegen der Homologationsbestimmungen bis zum Jahresende eingefroren sind, musste Ferrari am Setup Hand anlegen. "Wir schützen jetzt die Vorderreifen mehr", verrät Binotto. Die Aero-Balance verschob sich nach vorne. Die Fahrer spüren auf bestimmten Strecken je nach Reifentyp weniger Untersteuern dafür mehr Übersteuern.

Carlos Sainz & Charles Leclerc - Ferrari - F1 - 2021
Wilhelm
Laut Binotto hat Ferrari das stärkste Fahrerduo der Formel 1.

Ferrari kündigt Motor-Upgrade an

Der dritte Platz in der WM wäre für Ferrari eine schöne Bestätigung seines Comebacks, ist aber laut Binotto nicht zwingend notwendig. "Viel wichtiger ist, dass wir uns weiter in allen Bereichen verbessern. Wenn uns das auch in der zweiten Saisonhälfte gelingt, werden wir auch auf dem dritten Platz landen."

Ferrari hat seine Arbeit am aktuellen Auto schon Anfang Juni eingestellt und damit früher als WM-Gegner McLaren. So will man sicherstellen, dass der Aufwärtstrend auch mit der großen Regelreform 2022 anhält. In dieser Saison genießt der WM-Sechste des Vorjahres gegenüber seinen 2020 besser platzierten Konkurrenten noch einen kleinen Vorteil an Windkanalzeit. "Das entspricht einer Woche im Windkanal", winkt Binotto ab. "Umgerechnet ist das weniger als ein Zehntel an Rundenzeit und deshalb nichts, was alles auf den Kopf stellt."

Für den Rest der Saison wird Ferrari das optimieren müssen, was man hat. Doch eine Trumpfkarte hat Maranello trotzdem noch im Ärmel. Und das ist der Motor. Der Teamchef kündigt noch ein Upgrade bei der Antriebseinheit an. Ferrari hatte das Angebot jede der sechs Antriebskomponenten vor der Saison zu erneuern nur in Teilen angenommen.

Die Bereiche, die in der ersten Saisonhälfte noch dem Stand von 2020 entsprachen, werden mit der dritten Motor-Einheit gegen eine Neukonstruktion ausgetauscht. Man kann nur vermuten, wo die Motoreningenieure Hand angelegt haben. Im Vergleich zu Mercedes und Honda stellte man immer wieder ein Defizit am Beginn der Geraden fest, während man am Ende den langen Atem hat. Laut GPS-Messungen geht der Ferrari später als alle anderen Antriebseinheiten in den Ladebetrieb über.

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