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Charles Leclerc - Formel 1 - GP Spanien 2021
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Ferrari dritte Kraft: Abstand zur Spitze halbiert

Ferrari dritte Kraft in Spanien Abstand zur Spitze halbiert

GP Spanien

Ferrari hat McLaren in Barcelona dominiert. Zum ersten Mal nicht nur in der Qualifikation, sondern auch im Rennen. Carlos Sainz heizte Charles Leclerc ordentlich ein, haderte beim Heimspiel aber mit seiner Startrunde. Ferrari vermeldet Fortschritte beim Umgang mit den Reifen.

Es wäre zu früh zu sagen, Ferrari sei bereits zurück. Dafür ist der Abstand zu den beiden Top-Teams noch zu groß. In der Qualifikation verlor Charles Leclerc sieben Zehntelsekunden auf die Pole-Position. Der 23-Jährige hatte aber das Gefühl, nicht das letzte Quäntchen aus dem Auto herausgeholt zu haben. Im Rennen waren es 54,616 Sekunden in 66 Runden, die er einbüßte. Das entspricht einem Schnitt von 0,8 Sekunden pro Runde. Und trotzdem traten zwei zufriedene Fahrer und ein zufriedener Teamchef nach dem GP Spanien vor die Presse.

Ferrari ist nach einem Pannenjahr wieder auf dem Vormarsch. Die Trendwende ist eingeleitet. In Barcelona herrschte die Scuderia über das Mittelfeld – sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen. Teamchef Mattia Binotto rechnete außerdem vor: "Im letzten Jahr lagen wir 1,5 Sekunden weg von der Pole-Position. Im Rennen wurden wir überrundet. Aus dieser Position heraus sind wir auf dem richtigen Weg." Das sieht auch Charles Leclerc so. "Die harte Arbeit trägt Früchte. Doch wir haben noch einen langen Weg vor uns. Wir wollen schließlich um Siege und Weltmeisterschaften kämpfen."

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
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Ferrari war in Spanien schnell. Charles Leclerc schöpfte als Vierter das Potenzial des SF21 voll aus.

Ferrari überall besser

Den Ingenieuren in Maranello ist mit dem SF21 ein guter Schritt gelungen, obwohl sie über den Winter rund 70 Prozent der Teile gar nicht anfassen durften. Was erlaubt war, hat Ferrari gemacht. Und damit einen deutlich besseren Rennwagen auf die Räder gestellt. Der SF21 ist windschnittiger. Die Aerodynamik effizienter. Der Abtrieb liegt konstanter über die Kurve hinweg an. Das schafft Vertrauen bei den Fahrern. Die Werkzeuge in der Fabrik narren die Ingenieure nicht mehr.

Der Motor sattelt deutlich mehr Pferde, auch wenn Mercedes und Red-Bull-Honda hier weiter im Vorteil bleiben. Die Boxenstopp-Crew arbeitet schneller und fehlerfreier. Und in Barcelona brachte Ferrari auch das Reifenmanagement hin. Das war in den ersten drei Saisonrennen noch ein wunder Punkt. Das rote Auto nahm die Pirellis härter ran als zum Beispiel der McLaren.

Die Probleme von Portimao mit körnenden Mediumreifen löste Ferrari innerhalb von einer Woche über Verbesserungen am Setup. Auch so eine neue Stärke: die schnelle Reaktion. Die Fahrer attestierten dem roten Auto eine bessere Balance vom Kurveneingang bis zum Ausgang. Binotto beteuert, dass Ferrari auch zuvor kein generelles Problem mit den Reifen hatte.

"In Bahrain haben die Hinterreifen überhitzt, ja. In Portimao haben wir Fehler mit dem Reifenmanagement gemacht, die wir in Barcelona korrigierten. Doch in Imola hatten wir schon das drittschnellste Auto." Leclerc springt seinem Chef zur Seite. Das Auto allein streichele die Reifen nicht. Der Fahrer muss schon mitwirken. "In Bahrain hätte ich es sicher besser machen können."

Leclercs erstklassiges Überholmanöver

Die Selbstkritik zählt zu den großen Stärken des Monegassen. Der zweimalige GP-Sieger ist keiner, der sie nur in den heimischen Wänden ausspricht. Leclerc ist einer, der sich auch vor den Mikrofonen an die eigene Nase fasst. In Spanien musste er das nicht. Ein brillanter Start mit einem erstklassigen Überholmanöver in Kurve drei außen vorbei an Valtteri Bottas ließ die Tifosi sogar im ersten Renndrittel von einem Podest träumen. Doch Mercedes korrigierte den Platzverlust per Undercut.

Leclerc stellte seinem Team nach dem vierten Platz ein gutes Zeugnis aus: "Das Auto hat sich von Beginn an gut angefühlt. Alles kam an diesem Wochenende zusammen. Guter Start, gute Taktik, gute Boxenstopps. Es war auch für mich wichtig, nach einem durchwachsenen Wochenende in Portimao sofort zurückzuschlagen. Da hatte ich vor allem am Freitag und Samstag geschwächelt."

Teamkollege Carlos Sainz ist dicht dran. In der Qualifikation büßte der Spanier nur eine Zehntelsekunde ein. Das brachte ihm den sechsten Startrang. Die Zielflagge sah er auf der siebten Position, 20 Sekunden hinter dem Garagennachbar. Das ist der Unterschied zwischen einem, der in sauberen Luft fährt und einem, der im Verkehr steckt. Sainz spürte, dass sein Auto zu mehr fähig war. "Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir klar das schnellste Auto im Mittelfeld haben. Wir waren mindestens zwei, drei Zehntel schneller als die McLaren. Das reicht aber nicht, um zu überholen."

Carlos Sainz - Formel 1 - GP Spanien 2021
Jerry André
Carlos Sainz muss sich noch besser an den Ferrari gewöhnen und seine Startrunden verbessern.

Neue Teile bei Ferrari

Die Überlegenheit demonstrierte Leclerc. Das Auto mit der Startnummer 16 war im ersten Stint auf den weichen Reifen teilweise bis zu neun Zehntelsekunden als Daniel Ricciardo im McLaren. Auch auf den Mediumreifen war er mehrere Zehntel schneller als der Australier, der sich um 0,902 Sekunden vor Sainz im zweiten Ferrari ins Ziel rettete.

Die Stärke am Start ist dem Spanier im Ferrari etwas verloren gegangen: "Ich brauche noch mehr Sicherheit und mehr Vertrauen in die Startsysteme. Auf den ersten 100 Metern muss ich noch besser werden. In Barcelona war der Start und meine Position danach sicher der limitierende Faktor für mein Rennen, weil du hier nicht überholen kannst. Das Problem war vor allem die erste Kurve. Da wurde ich eingeklemmt. Meine Starts waren bei McLaren besser. Da muss ich wieder hin." Über die Strategie brachte Ferrari ihn wenigstens noch an Esteban Ocon im Alpine vorbei.

Ferrari testete auch in Spanien neue Teile. Auf einen neuen Unterboden in Portugal folgte eine etwas enger anliegende Verkleidung im hinteren Teil. McLaren hatte seinerseits einen modifizierten Frontflügel und Unterboden im Gepäck, und wirkte nicht in der gewohnten Verfassung. Die beiden Traditionsteams werden in dieser Saison aller Voraussicht nach den dritten Platz unter sich ausmachen. Noch genießt McLaren, das als einziges Team in jedem Rennen doppelt punktete, eine Vorsprung von fünf Zählern. Die will Ferrari mit dem Schwung von Barcelona am besten gleich in Monaco wettmachen.

Ferrari gegen McLaren

Der starke dritte Sektor macht Ferrari Mut. "In den langsamen Kurven waren wir schneller als McLaren", beobachtete Binotto. McLaren ist hier zwar besser geworden gegenüber dem letzten Jahr, weiß aber noch um die Schwachstelle bei geringeren Speeds. Da fehlt es im Vergleich an Haftung. Der SF21 scheint vor allem auf der Hinterachse stark zu sein. Doch den dritten Sektor einfach auf den Stadtkurs zu übertragen, wäre zu kurz gedacht. In Monte Carlo sind die Kurven noch enger, das Setup ein anderes.

Dieser Zweikampf könnte über den Entwicklungswettlauf entschieden werden. Wer zieht das 2021er Auto zuerst aus dem Windkanal zurück, um sich voll auf das nächstjährige Projekt zu stürzen? Sowohl Ferrari als auch McLaren sehen in den neuen Regularien die goldene Gelegenheit, zu Mercedes und Red Bull aufzuschließen. Der WM-Kampf wird zwangsläufig Ressourcen bei beiden Top-Teams binden. Doch für Ferrari und McLaren ist der dritte Platz wichtig auf dem Weg zurück zur Formel-1-Spitze. Beide wollen das Momentum als Motivationsschub.

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