Charles Leclerc - Sebastian Vettel - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps - Qualifying Motorsport Images
Robert Kubica - Williams - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - Samstag - 31.8.2019
Robert Kubica - Williams - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - Samstag - 31.8.2019
Robert Kubica - Williams - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - Samstag - 31.8.2019
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - Samstag - 31.8.2019 37 Bilder

Ferrari feiert erste Startreihe in Spa

Rot verprügelt Mercedes auf den Geraden

Die erste Startreihe glänzt wie erwartet in Rot. Charles Leclerc nahm Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sieben Zehntel ab. Die Ferrari nahmen den Mercedes auf den Geraden 1,3 Sekunden ab. Der Verlust in den Kurven hielt sich in Grenzen.

Es war zu erwarten. Ferrari dominierte die Qualifikation zum GP Belgien nach Belieben. Charles Leclerc hatte in allen drei K.O.-Runden die Nase vorne. Der Monegasse feierte nach Bahrain und Spielberg bereits seine dritte Pole Position. Die war nie wirklich in Gefahr. Sebastian Vettel fand zwar bis zum Q2 langsam seinen Rhythmus, verlor den Schwung dann aber wieder in der Schlussrunde, weil es bei den Aufwärmrunden zu Staus und Überholvorgängen im Feld kam und Vettel es nicht schaffte, seine Reifen optimal aufzuwärmen.

Der Vorjahressieger konnte von Glück reden, Lewis Hamilton im Kampf um die erste Startreihe im letzten Versuch noch abzufangen. Er schaffte es gerade so um 15 Tausendstel. Mercedes und Red Bull hatten gegen die Ferrari keine Chance. Mercedes verlor allein auf den Geraden 1,3 Sekunden auf die roten Raketen. Leclerc brauchte in seiner schnellsten Qualifikationsrunde nicht einmal Windschatten. Die Mercedes hatten ihn. Und trotzdem waren sie bei der Topspeed-Messung um 9 km/h langsamer. Im kurvenreichen Sektor 2 verlor Leclerc nur 0,349 Sekunden auf Hamilton und war praktisch gleich schnell wie Max Verstappen im Red Bull. Besser als erhofft.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Lewis Hamilton zerlegte seinen Mercedes im dritten Training.

Die Mercedes-Piloten konnten allerdings nicht wie gewohnt im Q3-Modus fahren. Nach zwei Motorschäden in Kundenautos, deren Ursachen noch nicht geklärt sind, ließ Mercedes Vorsicht walten. Nachdem am Freitag Sergio Perez einen Motor verlor, erwischte es in der Qualifikation Robert Kubica. Mercedes musste an diesem Samstag in Spa aber noch mit anderen Problemen kämpfen.

Lewis Hamilton hatte im dritten Training sein Autos in der Fagnes-Kurve in die Reifenstapel gesteckt und dabei schwer beschädigt. Die Liste der beschädigten Teile war lang. Nase, Frontflügel, Vorderradaufhängung, Leitbleche links, Spiegel links, Unterboden und die Verkleidung mussten getauscht werden. Hamiltons Auto wurde gerade so für das Q1 fertig, wobei ihm auch die Unterbrechung wegen des Kubica-Motorplatzers zu Hilfe kam. Der Weltmeister bedankte sich bei seiner Crew: „Es war mein Fehler. Die Jungs haben mir unter hohem Druck ein perfektes Auto hingestellt. Das hat mich im Training besonders motiviert, mich maximal dafür zu bedanken.“

Staus in der Aufwärmrunde

Bei Ferrari atmete man auf. Nach den vielen Prügeln, die man vor der Sommerpause einstecken musste, hatte der gestrauchelte Favorit endlich mal wieder Grund zum Jubeln. Die Freude wurde schnell getrübt, als erste Nachrichten vom ernsten Zustand des in der Formel 2 schwer verunglückten Anthoine Hubert durch das Fahrerlager kursierten. Der Franzose erlag um 18:35 Uhr seinen Verletzungen.

Für Sebastian Vettel begann nach der Qualifikation das Aufarbeiten der siebten Trainingsniederlage gegen seinen Teamkollegen. Der Ex-Weltmeister hatte sich im Verlauf der Qualifikation langsam an Leclerc herangepirscht. Im Q1 fehlten Vettel noch 0,522 Sekunden auf Leclerc. Im Q2 waren es nur noch 0,099 Sekunden. Doch dann stimmte für Vettel in beiden Aufwärmrunden im Q3 das Timing nicht. Der alternierende Marschplan, der ihm diesmal die Position hinter Leclerc zuwies, erwies sich als Nachteil.

Anthoine Hubert - Formel 2
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In der Aufwärmrunde vor dem ersten Versuch spielten sechs Fahrer Katz und Maus und kamen dabei fast zum Stillstand. Lewis Hamilton wäre fast in den zweiten Mercedes von Valtteri Bottas gekracht, Bottas selbst in den Renault von Nico Hülkenberg. Alle standen vor dem gleichen Problem. Einerseits wollten sie Windschatten vom Vordermann, andererseits freie Fahrt, um die Reifen vor Beginn der schnellen Runde entsprechend aufzuwärmen. „Beides zusammen ging heute nicht“, stellte Hamilton sachlich fest und fügte hinzu: „Ich bin noch nie so langsame Aufwärmrunden gefahren.“

Vettel saß am Ende der Schlange und konnte nur zusehen, wie seine Reifentemperaturen immer weiter in den Keller fielen. Leclerc hatte das gleiche Problem, kam aber etwas besser damit zurecht. Aus Schaden klug geworden, entschied sich der Trainingsschnellste dazu, seine Taktik zu ändern: „Zuerst war ich auf Windschatten aus. Ich habe in der Runde aber zu sehr darunter gelitten, dass meine Reifen nicht im Fenster waren. Deshalb habe ich meinem Renningenieur gesagt: Schick mich beim zweiten Versuch so schnell wie möglich wieder auf die Bahn. Wichtig ist, dass ich freie Bahn habe.“ Leclerc behielt Recht.

Vettel dagegen lieferte sich mit den Mercedes-Piloten ein Positionsduell, überholte und wurde wieder überholt. Im Rückblick sah er ein: „Ich war zu nah dran an den Vorderleuten. Zu Beginn der Runde waren meine Reifen nicht bereit. Ich bin nur auf der Gerade schnell gewesen. Am Ende der Schlange hatte ich die schlechtesten Karten.“ Vettel bezeichnete das Pokerspiel um die bestmögliche Aufwärmrunde als „Lose-Lose Szenario“. Der Verzicht auf Windschatten kostete bis zu drei Zehntel, der Schaden kalter Reifen möglicherweise mehr.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps - Qualifying
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Sebastian Vettel musste sich dem Teamkollegen beugen.

Vettel setzt auf besseres Reifenmanagement

Wenn man die einzelnen Qualifikationsrunden vergleicht, dann sieht man, dass für Vettel mehr möglich gewesen wäre. Der Deutsche verschlechterte sich vom Q2 zum Q3 um 0,230 Sekunden. Charles Leclerc konnte sich dagegen um 0,419 Sekunden steigern. Auch Lewis Hamilton und Valtteri Bottas wurden im Top Ten-Finale schneller. Hamilton um 0,310 Sekunden, Bottas um 0,565 Sekunden. Das zeigt, dass die Strecke zum Schluss immer schneller wurde.

Ferrari geht nun zum vierten Mal in dieser Saison aus der Favoritenposition ins Rennen. Bis jetzt kam jedes Mal etwas dazwischen. In Bahrain ein Kurzschluss, in Montreal eine Zeitstrafe und in Spielberg Max Verstappen. Der Red Bull-Pilot hatte in Österreich am Ende die besseren Reifen. Leclerc warnt deshalb: „Unsere Rennsimulationen waren nicht so gut. Wir werden im Rennen nicht so überlegen sein.“ Vettel sieht es etwas optimistischer: „Wir sollten es mit unserem Speed über die Runden bringen können.“ Der WM-Vierte setzt auf sein gutes Reifenmanagement, mit dem er zuletzt Leclerc in den Rennen in die Schranken verweisen konnte. Doch Leclerc lernt schnell aus seinen Fehlern: „Ich habe das Rennen in Ungarn studiert und meine Lehren daraus gezogen. Es sind nur Kleinigkeiten, die ich ändern werde, aber die können große Auswirkungen haben.“

Lewis Hamilton hat den Kampf um den Sieg beim GP Belgien noch nicht aufgegeben. „Ich glaube, dass wir die Ferrari im Rennen herausfordern können. Ihr Vorteil auf den Geraden wird sich am Sonntag nicht so stark auszahlen.“ Die Mercedes-Ingenieure hoffen, dass der angekündigte Temperatursturz für Sonntag Ferrari in noch größere Probleme beim Reifenverschleiß treibt. „Egal, an welcher Achse ihr Problem liegt. Je kühler, umso schwieriger wird es sein, die Reifen auf Temperatur zu bringen.“ Wenn wie zu Beginn die Vorderachse der schwache Part ist, wären es die Vorderreifen. Sollte Ferrari wieder wie in Silverstone mit der Mechanik an der Vorderachse auf die Grip-Probleme reagiert haben, könnte über die Distanz das Heck zum Problem werden.

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