Sebastian Vettel - GP Brasilien 2018 sutton-images.com
Verstappen - Ocon - GP Brasilien 2018 - Rennen
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Start - GP Brasilien 2018 - Rennen 63 Bilder

Was lief bei Ferrari schief?

Falsche Flügel in Interlagos

Ferrari hat den Kampf in der Konstrukteurs-WM endgültig verloren. Warum die roten Autos trotz exzellenter Ausgangslage in Brasilien nicht gewinnen konnten, ist noch ein Rätsel. Möglicherweise haben sich die Ingenieure beim Abtriebslevel vertan.

Am Ende konnte Ferrari nur noch seinem Bezwinger gratulieren. Der Konstrukteurs-Titel ging auch im fünften Jahr der Hybrid-Ära an Mercedes. Dabei waren die Chancen für die Italiener noch nie so gut, die silberne Dominanz zu brechen. Über weite Strecken der Saison hatte Ferrari das beste Paket. Doch dann wurden im Verlauf der Saison zu viele gute Gelegenheiten verpasst. Auch in Brasilien.

Interlagos passt von seinem Streckenlayout nahezu perfekt in das Profil des SF71H. Es ist ein Kurs, auf dem in einem Bereich mit mittleren Abtrieb aerodynamische Effizienz zählt. Die Ausgangslage nach dem Training sprach durchaus für Ferrari, auch wenn man die Pole Position um ein paar Hundertstel verfehlt hatte.

Dafür standen Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen mit Soft-Reifen am Start. Zumindest Mercedes hätte auch gerne diese Startreifen gehabt, weil die Soft-Mischung robuster ist als der Supersoft-Gummi. Am Ende landeten Räikkönen und Vettel jedoch nur auf den Plätzen 3 und 6. Das war gemessen an den Vorzeichen eine Enttäuschung.

Räikkönen nur so schnell wie Gegner mit Handikaps

Erklärungsversuche sind schwierig. Vettel hatte ganz klar ein Problem mit dem Auto. Sein Ferrari war aus der Balance, laut Ferrari wegen eines defekten Sensors, der Vettel noch vor dem Start zwang Setup-Einstellungen vorzunehmen, die sich nachteilig auf das Fahrverhalten und die Reifennutzung auswirkten.

Sebastian Vettel - GP Brasilien 2018
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Vettels Reifen kamen in Brasilien nie ins richtige Temperaturfenster.

„Ich habe nie die Reifen in ihr Temperaturfenster gebracht, egal welche Mischung“, wunderte sich Vettel. Als er zum Schluss auf Supersoft-Reifen wenigstens noch die schnellste Rennrunde drehen wollte, scheiterte er an Valtteri Bottas, dessen Mercedes nur mit Soft-Reifen bestückt war. Wieder so ein Indiz, dass der Wurm im Auto mit der Startnummer 5 steckte.

Deshalb ließ Vettel seinen Teamkollegen auch ohne Gegenwehr vorbei. Räikkönen war zumindest mit seinem Auto und den Reifen zufrieden. Einzige Einschränkung: „Die Garnitur Soft am Anfang hat beim Versuch Bottas zu überholen, zu stark gelitten. Damit war der Vorteil, den wir uns eigentlich versprochen hatten, dahin.“

Auf dem Papier stellt das Ergebnis Räikkönen und seinem Auto ein gutes Zeugnis aus. Der Finne kam nur 4,7 Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel. Doch seine Gegner waren auch klar gehandikapt. Verstappen verlor mit einem beschädigten Unterboden 10 Prozent Abtrieb, und Hamilton büßte mit einem angeschlagenen Motor mindestens 4 Zehntel pro Runde ein. Das relativiert den Abstand von Ferrari zur Spitze.

Problem mit dem Windkanal verstanden

Ferrari war also auch mit einem intakten Auto zu langsam. Die ersten Anzeichen gab es schon in der Qualifikation. Weder Vettel noch Räikkönen konnten sich auf den Supersoft-Reifen im Vergleich zur Soft-Mischung so steigern, wie man es eigentlich erwarten sollte. Und beide Ferrari verloren die Hoheit auf den Geraden. Mercedes war exakt gleich schnell.

Schnell wurde klar, dass Ferrari Top-Speed für Abtrieb geopfert hatte. Offenbar aus Angst um die Hinterreifen, die in den Freitag-Longruns noch tiefe Blasen zogen. Und aus Furcht, es könnte im Laufe der Qualifikation regnen. Die Abstimmung hat auf die Rundenzeiten gedrückt. Man hätte mit dem üblicherweise überragenden Top-Speed mehr Zeit gewonnen als man in den Kurven wieder verloren hat.

Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Brasilien 2018
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Räikkönen konnte die Pace von Red Bull nicht mitgehen.

Am Sonntag war zudem so viel Gummiabrieb auf der Strecke, dass Blasenbildung ein viel geringeres Problem gewesen wäre als am Freitag. So bezahlte Ferrari im Rennen. Vettel überholte nur Autos aus dem Mittelfeld und war gegen die Angriffe der Red-Bull-Piloten fast wehrlos. Räikkönen rannte 44 Runden gegen die Bastion Valtteri Bottas an, obwohl er klar schneller war. Gegen Max Verstappen hatte er beim Speed-Duell auf der Gerade auch keine Chance.

Immerhin fand Ferrari in einem Punkt Gewissheit. Der in Austin präsentierte Unterboden mit den vertikalen Vortex-Generatoren funktionierte auch im dritten Anlauf nicht. Der Abtrieb ist nicht so stabil wie mit dem Standard-Boden. Interessanterweise liefen nach der Sommerpause alle Entwicklungen ins Leere, die hinter den Vorderrädern getätigt wurden.

Der in Sotschi präsentierte Frontflügel und die vorderen Bremsbelüftungen dagegen lieferten die gewünschten Ergebnisse ab. Damit weiß Ferrari jetzt endgültig, dass es ein Korrelationsproblem zwischen Labor und Wirklichkeit gibt. Angeblich ist der Grund dafür auch schon gefunden. Immerhin ein Lichtblick für 2019.

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