Ferrari bestätigt zweiten FIA-Sensor

"Keine Auswirkung auf die Performance"

Sebastian Vettel - GP Japan 2018 Foto: sutton-images.com 37 Bilder

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hat einen Bericht von auto motor und sport bestätigt, wonach Ferrari auf Wunsch der FIA einen zusätzlichen Sensor zur Überwachung der Batterie-Power eingebaut hat. Der Italiener dementiert aber, dass die Maßnahme Auswirkungen auf die Performance hatte.

Die Geschichte um den Ferrari-Motor ist weiter nebulös. Der geheimnisvolle Power-Schub, der von der Konkurrenz seit dem GP Österreich registriert wurde, ist zwar durch GPS-Daten deutlich belegt. Doch noch immer fehlt eine Erklärung für die ungewöhnliche Beschleunigungsphase im zweiten Drittel langer Geraden.

Es gab viele Theorien, was wohl dahinter stecken könnte. Von einem geheimen Energiespeicher bis hin zu kurzfristigem Einspritzen von mehr Kraftstoff vermengt mit Öl. Die einen vermuteten, Ferrari kühle den Sprit in den Einspritzdüsen herunter, andere meinten, es werde Öl aus dem Kühlkreislauf der Batterien in den Verbrennungsprozess mit eingebracht. Dieses Öl ist im Gegensatz zum Motoröl weder spezifiziert noch in seinem Verbrauch limitiert.

Die FIA wies alle bösen Gerüchte stets von sich. Die Energieabgabe der Batterie lag demnach immer innerhalb der erlaubten vier Megajoule und die von der MGU-K abgegebene Leistung habe nie 120 Kilowatt (163 PS) überschritten. Mercedes, Renault und Honda hatten lange vergeblich versucht, hinter das Geheimnis zu kommen, das je nach Strecke einen Zeitgewinn zwischen 0,3 und 0,5 Sekunden brachte.

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Ferrari-Vorteil seit Singapur verschwunden

Doch seit dem Rennen in Singapur ist Ferraris Vorteil auf der Gerade plötzlich verschwunden. „Das sehen wir ganz klar an unseren GPS-Messungen“, verriet Renault-Teamchef Cyril Abiteboul. Mercedes fährt in allen Bereichen der Gerade plötzlich wieder auf Augenhöhe mit den roten Autos. In der Szene wurde man hellhörig. Warum ist der Vorteil beim Beschleunigen zwischen 180 und 260 km/h von einem Rennen aufs andere verschwunden? Haben die Gegner aufgeholt, oder musste Ferrari zurückstecken?

Wie von auto motor und sport berichtet, wurde seit geraumer Zeit bei allen Ferrari-Antriebseinheiten ein zweiter Sensor installiert, der den Energiefluss misst. Man habe damit mehr Sicherheit, das zu messen, was man messen will. Als einziges Team nutzt Ferrari einen Energiespeicher, der zwei Batterien koppelt. Auf die Frage, bei welchem Rennen genau der zweite Sensor eingebaut wurde, gab es vom Weltverband allerdings keine Antwort.

Nachdem der Bericht von auto motor und sport nach dem Russland-Rennen große Wellen geschlagen hatte, wurde Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene im Fahrerlager von Suzuka natürlich auch direkt von anderen Medien auf den Einbau des zweiten Sensors angesprochen.

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Arrivabene bestätigt zweiten Sensor

Im RTL-Interview bestätigte der Italiener die Maßnahme: „Die Anordnung unserer Batterien ist sehr komplex. Deshalb sind wir der Bitte der FIA nachgekommen. Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen die Arbeit erleichtern. Deshalb haben wir den zweiten Sensor eingebaut.“

Maurizio Arrivabene - GP Japan 2018 Foto: xpb
Laut Maurizio Arrivabene habe der FIA-Sensor keinen Einfluss auf die Performance.

Der 61-Jährige dementierte, dass zwischen dem Einbau des Sensors und der Performance auf der Strecke ein Zusammenhang bestehe. „Das hat mit der Leistung unseres Autos gar nichts zu tun. In Singapur waren wir auf den Geraden schneller als Mercedes. In Russland lagen wir mehr oder weniger auf einem Niveau. Wir haben die Zeit vor allem in den langsamen Kurven verloren.“

Wie genau der Power-Vorteil, den Ferrari zur Saisonmitte noch hatte, verloren ging, wird man wohl nie erfahren. Der Konkurrenz dürfte es egal sein. Die Ferrari-Gegner hatten den Fall bei der FIA aktiv angeschoben. Man habe nachweisen können, dass mit der alten Methode der Energiefluss nicht zweifelsfrei zu messen war. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, musste das Messverfahren verfeinert werden.

Arrivabene zeigte sich verärgert darüber, dass solch sensible Informationen an die Öffentlichkeit gelangten: „Das ist doch wirklich seltsam, dass jeder über den zweiten Sensor Bescheid weiß. Unser Batterie-Layout ist wie erwähnt sehr komplex. Es handelt sich hier das geistige Eigentum von Ferrari. Ich hoffe, dass in Zukunft nicht jeder über unsere Projekte informiert ist. Das könnte dann sonst eine ernste Angelegenheit werden.“

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