Lewis Hamilton - GP Frankreich 2019 Motorsport Images
Lewis Hamilton Formel 3 2004
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Lewis Hamilton Formel 3 2005
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Ferrari flirtet mit Hamilton

Was ist dran an den Gerüchten?

Fiat-Chef John Elkann hat sich mit Lewis Hamilton getroffen. Bei Mercedes löst der Flirt von Ferrari mit dem Weltmeister aber keine Unruhe aus. Hamilton ist durch und durch Mercedes-Mann. Und trotzdem bleiben 25 Prozent Unsicherheit.

Es ist schon ein paar Wochen her. Doch Italiens Sportzeitschrift Gazzetta dello Sport elektrisierte alle Ferrari-Fans erst diese Woche mit der Meldung. Fiat-Chef John Elkann trifft Lewis Hamilton. Das Thema liegt auf der Hand. Elkann wollte ausloten, ob der Champion 2021 an einem Wechsel zu Ferrari interessiert ist. Das allein regt die Phantasie der Tifosi an. Und sorgt im Fahrerlager für reichlich Zündstoff.

Vor allem, nachdem Ferrari-Teamchef Mattia Binotto mit einer Aussage weiteres Öl ins Feuer goss: „Lewis ist sicher ein außergewöhnlicher, ein fantastischer Fahrer. Zu wissen, dass er 2021 verfügbar ist, kann uns nur glücklich machen. Aber ehrlich gesagt ist es zu früh für eine Entscheidung. Wir sind zufrieden mit den Fahrern, die wir im Moment haben. Aber ich denke, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt in der nächsten Saison über das Thema diskutieren werden, um herauszufinden, was wir tun wollen.“ Hamilton amüsierte sich: „Es ist das erste Mal in den letzten 13 Jahren, dass Ferrari gut über mich spricht.“

Viele verstehen den Vorstoß des obersten Dienstherrn des Fiat-Chrysler-Konzerns auch als ein erstes Misstrauensvotum gegen Sebastian Vettel. Wenn Hamilton käme, müsste er gehen. Vettel zählt wie Hamilton zur älteren Generation. Er ist wie der Engländer einer der Großverdiener in dem Geschäft.

Charles Leclerc ist für Ferrari die Zukunft. In seine Karriere hat man viel Geld investiert. Und das soll sich jetzt auszahlen. Es wäre aus Sicht von Ferrari das falsche Signal, zwei Fahrer anzustellen, die bereits im zweiten Abschnitt ihrer Karriere fahren. Vettel versuchte, die Geschichte mit einem Scherz wegzudrücken: „Lewis ist doch schon Ferrari-Fahrer. Er hat ein paar Ferrari in seiner Garage stehen.“

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2019 - Rennen
Wilhelm
Lewis Hamilton ist durch und durch ein Mercedes-Mann.

Druck auf Mercedes wird höher

Die Initiative zu dem Gespräch ging von Ferrari aus. Hamilton war schlau genug, die Bitte nach einem Gespräch nicht auszuschlagen. Man sagt dem Vorstandsvorsitzenden eines Autokonzerns nicht grundlos ab. Auch wenn man sich nur schwer vorstellen kann, einmal die Seiten zu wechseln. Sich die Sicht der Konkurrenz anhören kostet ja nichts.

Und die Nachricht passt Hamilton ins Konzept. Das erhöht den Druck bei Mercedes für die anstehenden Vertragsverhandlungen. Beim GP Brasilien sagte der Weltmeister: „Auch wenn ich bei Gesprächen mit Mercedes mit Freunden an einem Tisch sitze, sind die Verhandlungen um einen neuen Vertrag immer so etwas wie ein Ringkampf. Du versuchst immer noch ein bisschen mehr rauszuholen.“

Hamilton bestätigte kürzlich auch, dass er nicht daran denkt, schon bald aufzuhören. „Ich habe meinen Zenit noch nicht erreicht, kann immer noch besser werden.“ Er sieht den Neustart der Formel 1 mit völlig neuen Autos ab 2021 als die letzte große Herausforderung in seiner Laufbahn. „Ich will mit dem Team zusammen dieses Auto in die richtige Richtung entwickeln.“

Hamilton findet auch immer mehr Gefallen daran, sich dem Ansturm der Jugend zu stellen. Max Verstappen und Charles Leclerc haben schon an seine Tür geklopft. Lando Norris und George Russell werden es vielleicht bald tun. „Wir haben zur Zeit im Feld eine ganze Gruppe von super Youngstern. Ich bin stolz, dass ich in so einer Epoche fahren darf und freue mich auf die Zweikämpfe mit ihnen, die schon nächstes Jahr hoffentlich etwas härter werden.“

Lewis Hamilton - GP Abu Dhabi 2019
Wilhelm
Lewis Hamilton saß in seiner ganzen Karriere in Rennautos mit Mercedes-Motor.

Liebeserklärung an Mercedes

Lewis Hamiltons Verbindung mit Mercedes geht auf die McLaren-Tage zurück. Er ist ein Mercedes-Mann, hat ein ganzes Rennfahrerleben die Marke mit dem Stern vertreten. Erst kürzlich machte er den Stuttgartern eine Liebeserklärung: „Ich liebe diese Marke, ihre Historie, ihre Ausstrahlung. Im Moment sehe ich mich nirgendwo anders als bei Mercedes. Ich bin Teil der Familie. Es wäre schön, wenn ich auch nach meiner Rennfahrerlaufbahn mit ihnen verbunden sein kann.“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff bleibt trotzdem realistisch: „Das einzige, was wir tun können, ist ihm das beste Auto und den besten Motor zu bieten. Für Rennfahrer ist es immer auch wichtig, das schnellste Auto zu haben.“ Bei Mercedes hat Hamilton in den letzten sieben Jahren erlebt, was er zu erwarten hat. Technisch wie menschlich. Ferrari machte zuletzt nicht den Eindruck, als könnte man ein gleichwertiges Paket auf die Beine stellen. Trotzdem bleibt Wolff vorsichtig und realistisch: „Das Ziel ist es, mit Lewis weiterzumachen. Aber zu 25 Prozent haben wir nicht unter Kontrolle, was passiert.“

Zum Beispiel wenn Ferrari sich zu einem unanständigen Angebot mit einem Gehalt hinreißen ließe, das man nur schwer abschlagen kann. Oder Hamilton plötzlich das Gefühl bekäme, sich mit einem Titel für Ferrari unsterblich zu machen. So wie einst Michael Schumacher. Ferrari wartet seit 2007 auf einen Fahrer-Weltmeister und seit 2008 auf einen Konstrukteurspokal. Nach sechs Titeln, fünf davon mit Mercedes, kann Hamilton dort, wo er ist, seinen Ruhm kaum noch steigern.

Wolff hätte dafür sogar Verständnis: „Ein Fahrer von seinem Niveau kann ein Team herumreißen. Er hat es gewissermaßen ja auch mit uns gemacht. Ich werde diesen Faktor nicht unterschätzen. Im Moment sagt der rationale Ansatz, dass wir zusammen weitermachen, aber vielleicht ist es am Ende diese neue Herausforderung, die ihn anzieht.“

Toto Wolff - Mercedes - GP Abu Dhabi 2019 - Rennen
Wilhelm
Toto Wolff (links) ist Mercedes-Sportchef, Teamchef und Anteilseigner.

Wolff dementiert Ferrari-Gerüchte

Dagegen spricht, dass Hamilton seinen Arbeitgebern gegenüber immer loyal war. Er hat das englische Wort „Loyalty“ (dt. Loyalität) sogar auf sein Handgelenk tätowiert. Andererseits konnte man sich 2012 auch nicht vorstellen, dass er jemals McLaren verlassen würde und zu einem Team geht, von dem man zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte, dass es jemals so einen Lauf hinlegen würde. Es müssten bei Mercedes schon Schlüsselfiguren aus dem Team brechen, um Hamilton an seiner „Familie“ zweifeln zu lassen. Wolff bestätigt: „Lewis wird sicher von uns wissen wollen, wohin sich das Team entwickelt und ob es intakt bleibt.“

Hamilton wollte die Gespräche mit Elkann weder dementieren noch bestätigen: „Alles was hinter verschlossenen Türen passiert, sollte Privatsache bleiben.“ Trotzdem ist zwischen den Zeilen zu lesen, dass er über Optionen nachdenkt, und sei es nur deswegen, um sich bei Mercedes in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen.

„Seit Jahren habe ich nicht mehr über andere Optionen nachgedacht. Wir haben ein Ziel verfolgt, verfolgen es noch, und ehrlich, ich sehe nicht viel, das diesen Weg stören könnte. Aber es ist trotzdem kein Schaden, sich anderweitig umzuhören. Ich stehe vor dem letzten Stadium meiner Karriere. Deshalb wäre es nicht klug, sich keine Gedanken zu machen.“ Der 34-jährige Engländer verknüpft sein Schicksal mit dem seines Teamchefs: „Ich weiß, dass auch Toto eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen hat. Deshalb warte ich erst einmal ab, wie er sich entscheidet.“

Gerüchte, dass Wolff selbst vielleicht als Rennleiter zu Ferrari gehen und dabei seinen Starpiloten mitziehen könnte, erteilt der 47-jährige Österreicher eine Absage: „Die Marke Ferrari ist großartig, aber das was mir Mercedes geboten hat, ist einzigartig. Sie haben mir das Vertrauen gegeben, mich als Anteilseigner in das Team einzukaufen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich kann mich hier auch als Unternehmer ausleben. Aus dieser Konstellation sind Beziehungen entstanden, die man nicht einfach so hinter sich lässt.“

Wolff will trotz Ferraris Flirt mit seinem schnellsten Angestellten die Dinge auf sich zukommen lassen. Jetzt steht erst einmal normale Büroarbeit an. „Es ist nichts mit Lewis vereinbart. Wir werden uns Ende Januar vielleicht einmal zusammensetzen.“

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Lewis Hamilton war in Abu Dhabi eine Klasse für sich. Unsere Analyse.

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