Ferrari vs. McLaren - Bahrain 2021 Wilhelm
Alpine - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021 21 Bilder

Ferrari gegen McLaren: Analyse Stärken & Schwächen

Analyse des Duells Ferrari vs. McLaren Wer ist die dritte Kraft?

Ferrari liegt nach sechs Rennen zwei Punkte vor McLaren. Der Abstand spiegelt auch das Kräfteverhältnis wider. Die beiden Traditionsteams schenken sich nichts auf der Rennstrecke. Beide sind dem Spitzenduo dieses näher gekommen. Wo ist Ferrari besser, wo McLaren?

2007 und 2008 war es noch ein Duell um die Weltmeisterschaft. Ferrari gegen McLaren. Der Rennstall der Herzen aus Italien gegen sein britisches Pendant aus Woking. Dann übernahmen andere Protagonisten. BrawnGP, Red Bull und Mercedes sammelten in der Folge die WM-Titel ein.

Auch 2021 haben Ferrari und McLaren nichts mit der Vergabe der größten Pokale im Sport zu tun. Und doch blicken beide mit einer gewissen Befriedigung auf die ersten sechs Saisonrennen zurück. McLaren ist den nächsten Schritt gegangen und in der Lage, den dritten Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zu verteidigen. Ferrari hat sich von der Pleitensaison 2020 erholt. Beide haben den Rückstand auf Red Bull und Mercedes um mindestens die Hälfte verringert.

Beide sind auf manchen Rennstrecken inzwischen so nah am Spitzenduo dran, dass sich die Marktführer keine gebrauchten Rennwochenenden mehr erlauben können. Sonst haben Red Bull und Mercedes plötzlich ein rotes oder papayagelbes Auto vor der Nase. Ferrari eroberte sogar schon zwei Mal die Pole-Position. Mit Charles Leclerc hätte man den GP Monaco gewinnen können, hätte nicht ein kleiner Riss an der hinteren linken Radnabe den Start gekostet. Carlos Sainz stand in Monte Carlo auf dem Podest, eine Stufe über Lando Norris. Der Engländer platzierte sich auch schon in Imola unter den ersten Drei.

Charles Leclerc - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2021
Ferrari
Ferrari hat in den letzten drei Rennen jeweils mehr Punkte gesammelt - und dadurch Rang drei erobert.

Ferrari gewinnt Oberhand

Dieser Zweikampf zieht seinen Reiz daraus, dass hier die nach Siegen, Pole-Positions und Fahrer-Weltmeisterschaften beiden erfolgreichsten Rennställe gegeneinander fahren. Nach sechs Rennen steht es 94 zu 92 für Ferrari. McLaren punktete in den ersten drei Grand Prix jeweils besser. Doch seither hat Ferrari die Oberhand und die Rangfolge gedreht. Beide fahren in einer eigenen Liga alleine um den Platz hinter den beiden Top-Teams. Alpha Tauri und Aston Martin hinken bereits über 50 Punkte zurück.

Die Autos haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Der SF21 fühlt sich in den langsamen Kurven pudelwohl und ist auch in anderen Kurventypen ein schnelles Auto. Der MCL35M liebt die schnellen Ecken, ist stark auf der Bremse und geht gut auf den Geraden, dank einem starken Motor und einer windschlüpfrigen Karosserie. Ferrari sollen dagegen noch um die 20 PS auf den Mercedes-V6-Turbo fehlen, der seit dieser Saison im McLaren steckt.

Ferrari könnte Leclercs Ausfall in Monte Carlo noch auf den Kopf fallen. An diesem Wochenende hätte die Scuderia mehr als 20 Punkte auf McLaren gutmachen müssen. Es wurden nur am Ende nur drei. Bei so knappen Abständen zählt jeder Punkt. Deshalb war in Summe Monaco das bessere Wochenende für McLaren, weil man den Schaden kleinstmöglich hielt. Langsame Strecken sind eigentlich nicht das bevorzugte Jagdrevier des Autos. Doch McLaren hat gezeigt, dass man trotzdem schnell sein kann. Man fand für den vorherrschenden Kurventyp die passende Abstimmung.

McLarens kleine "Quali-Schwäche"

McLaren braucht dringend eine Leistungssteigerung von Daniel Ricciardo, der weiter nicht das Potenzial des MCL35M ausschöpft. Das Problem sind die Bremsen. Der Australier hat seinen Fahrstil noch nicht auf die Bedürfnisse des Autos ausgerichtet. Der Umgewöhnungsprozess dauert länger, als erhofft. Ricciardo sammelte erst 26 WM-Punkte. Teamkollege Norris holt die Kohlen aus dem Feuer. Er ist WM-Vierter mit 66 Zählern. Als einziger Fahrer überhaupt im Feld hat der 21-Jährige in jedem Rennen gepunktet.

Der Rivale zeigt die ausgeglichenere Mannschaftsleistung. Leclerc steht bei 52 Punkten, Sainz bei 42. Kein anderer Umsteiger hat sich so schnell an sein neues Auto gewöhnt wie der Spanier. Ferrari ist McLaren auch in der Qualifikation voraus. Nur der Red Bull bringt die Reifen so zuverlässig auf Temperatur wie der SF21. McLaren hat in dieser Beziehung nicht unbedingt Probleme, staunt aber. "Ferrari fährt raus, und ist sofort schnell. Das zeigt, dass die Fahrer direkt Vertrauen in ihr Auto haben."

In sechs Qualifikationen setzte sich Ferrari sechs Mal gegen McLaren durch. Leclercs durchschnittliche Position steht bei 3,6. Sainz bei Platz 6,5. Norris steht durchschnittlich bei Startplatz 6,8 (ohne Einbezug der Startplatzstrafe von Baku). Bei Ricciardo ist es die zehnte Position. Ferrari sprang mit einer Ausnahme – Sainz in Imola – immer ins Q3. McLaren verpasste es mit Ricciardo in Portimao, wo sogar nach dem Q1 Schluss war, Monaco und zuletzt in Baku. Da sieht man, wo das Team aus Woking ansetzen muss. Die Performance auf eine schnelle Runde muss besser werden. Sonst startet man weiter hinter Ferrari. Und bei fast gleichwertigen Autos ist Überholen umso schwerer.

McLaren - GP Aserbaidschan 2021
McLaren
Norris kennt den McLaren, Ricciardo noch nicht lange genug. Ihm fehlt Vertrauen.

Ricciardo fehlt Vertrauen

Vergleichen wir die Rennen. Norris brillierte beim Saisonstart als Vierter. Ricciardo schleppte sich mit einem angeschlagenen Diffusor nach dem Auffahrunfall von Pierre Gasly durch die Nacht von Bahrain, belegte aber immerhin den siebten Platz. Ferrari strauchelte wegen zu hohem Reifenverschleiß. Leclerc Sechster, Sainz Achter.

In Imola hätte Norris in der Quali durchaus eine Sensation gelingen können, wäre ihm die schnellste Runde wegen Überschreitens der Streckenlimits nicht aberkannt worden. Beim Restart überrumpelte er Leclerc und raste auf das Podest. Teamkollege Ricciardo blieb blass, weil im Regen das Vertrauen ins Auto fehlte. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine bisherige Saison. Immerhin kam er als Sechster ins Ziel – hinter den beiden Ferrari. Carlos Sainz rodelte mehrmals durch das Kiesbett, erholte sich aber.

In Portimao machte Ferrari Fehler beim Reifenmanagement. Die roten Autos zwangen die Medium-Mischung ins akute Körnen. Die Ferrari gingen die Stints zu aggressiv an. Leclerc erwischte zudem einen seltenen schwachen Samstag. Norris hatte die Oberhand im Mittelfeld. Wieder punktete McLaren mit beiden Autos, während Sainz als Elfter sein schwächstes Ergebnis für Ferrari einfuhr.

Ferrari vs. McLaren - Bahrain 2021
Wilhelm
Nach sechs Rennen ist Ferrari die dritte Kraft und McLaren der Jäger.

Leid in verwirbelter Luft

Spanien war Ferrari-Land. Das Team hatte aus den Fehlern von Portugal gelernt, die Reifen im Griff, und war im Renntrimm zwischen zwei bis drei Zehntel schneller als der Rivale um den dritten WM-Platz. McLarens wunder Punkt war der dritte Sektor mit den überwiegend langsamen Kurven. Dort waren die roten Autos um eine Ecke besser.

Barcelona offenbarte, wie wichtig die Qualifikation sein kann. McLaren bezahlte bei Ricciardo mit einem Fehler beim Timing. Der Australier hatte keine zweite Runde in Q3, weil er eine Sekunde zu spät den Zielstrich passierte. Norris beschädigte sich sein Auto leicht im ersten Q3-Versuch und erwischte keine saubere Runde mehr danach. McLaren glaubt, dass mit einem reibungslosen Finale die Startpositionen vier und fünf möglich gewesen wären – vor Ferrari. So wurde Platz sieben und neun draus.

Das Ziel sahen Ricciardo und Norris als Sechster und Achter. Mehr war im dicht gestaffelten Mittelfeld nicht möglich. Man musste in Barcelona schon 1,5 Sekunden schneller sein, um auf der Strecke zu überholen. Im Verkehr litten auch die Reifen. Ferrari stellte in Baku fest, dass der SF21 in verwirbelter Luft zu stark leidet. Daran wollen die Ingenieure nun arbeiten. Bei freier Fahrt habe die Pace hingegen auch im Rennen gestimmt.

In Monaco und Baku war Ricciardo ein Ausfall – so hart es klingt. Der siebenmalige GP Sieger-fasste zwischen Leitplanken und Mauern kein Vertrauen in sein Auto. Schlechte Pace, dazu ein Unfall in Q2 in Baku. Ricciardo ist froh, dass es jetzt von Stadtkursen auf permanente Rennstrecken zurückgeht, wo Fehler nicht gleich Schrott bedeuten.

Charles Leclerc - Formel 1 - GP Monaco 2021
Wilhelm
Ferrari hatte im Fürstentum ein siegfähiges Auto.

Zu viele Fehler in Monaco und Baku

Ferrari war mit zwei Pole-Positions in Folge on fire, beging aber zu viele Fehler. Leclercs Crash im zweiten Q3-Versuch in Monaco. Bremsplatten im zweiten Stint in Baku. Der Sainz-Verbremser nach dem Boxenstopp in Runde elf mit noch etwas kalten harten Reifen. Es kam auch etwas Pech hinzu.

Leclerc musste in der zweiten Runde in Kurve 15 einem Ast ausweichen. Das trieb ihn in Hamiltons Arme. Mit jedem Überholmanöver danach – erst Verstappen, dann Perez – verlor der Monegasse an Boden. Pierre Gasly wurde immer größer im Rückspiegel. Ferrari versuchte sich mit einem frühen Reifenwechsel gegen den Alpha Tauri abzusichern. Das Problem war, dass an diesem Tag der spätere Stopp die bessere Option war.

McLaren spielte seinen Motorenvorteil auf den Geraden in Baku nicht gewinnbringend aus und machte sich das Leben in der Qualifikation schwer. Das Missachten der roten Flagge warf Norris um drei Startpositionen zurück. Rennleiter Michael Masi tadelte: "Es ist vom Kartsport bis in die Formel 1 gleich. Bei Rot fährt man langsam in die Box zurück." Das Team stellte sich schützend vor seinen Fahrer. Innerhalb von einer Sekunde habe eine Entscheidung getroffen werden müssen.

Irgendwie begrenzten beide Teams im Chaos von Aserbaidschan den Schaden. Bei einem normalen Rennverlauf hätten weder Ferrari (16) noch McLaren (12) mit so vielen Punkten rechnen dürfen.

Updates bei McLaren und Ferrari

Beide profitieren von einem sehr guten Winter in der heimischen Fabrik. McLaren baute auf einer guten Basis auf, und bewerkstelligte fast geräuschlos die Herztransplantation vom Renault- auf den Mercedes-V6-Turbo. Dieser Kraftakt verdient Applaus. Genauso wie der Umschwung bei Ferrari. Den hatte die Scuderia bereits früh im Vorjahr angestoßen, nachdem klar war, dass der SF1000 für Ferrari-Verhältnisse eine Fehlkonstruktion war.

Der Motor 50 PS zurück, der Luftwiderstand viel zu hoch, das Auto in den Kurven trotzdem kein Überflieger, die Aerodynamik schlichtweg ineffizient. Ferrari schaffte neue Strukturen in der Fabrik und den Turnaround. Das Paket ist rundum verbessert. In verwinkelten Kurven ist der SF21 sogar der Maßstab im Feld. Beide haben über die Saison in kleinen Schritten aufgerüstet. Beide haben noch kleinere Neuerungen bis zur Sommerpause in der Pipeline.

Ferrari hat sich in den ersten Rennen vermutlich unter Wert verkauft. Das meinen zumindest die McLaren-Fahrer. Andererseits hat Ferrari schnell auf die Probleme mit den Reifen in Bahrain und Portimao reagiert, und war bereits im nächsten Rennen besser aufgestellt. Die Fehleranalyse gehört zu den neuen Stärken der Mannschaft aus Maranello. Die Vorbereitung in der Fabrik passt. Die Ferrari sind meist ab der ersten Trainingsrunde schnell. McLaren braucht länger, um das Potenzial freizusetzen.

Lando Norris- McLaren - Formel 1 - GP Monaco 2021
xpb
McLaren hat nun Sicherheit bei den Stopps, doch die Standzeit ist oft noch zu lang.

McLaren zu langsam bei Stopps

Bei der Rennstrategie sind beide sattelfest. Ferrari arbeitet auch hier an der Teamstruktur. In Baku saß erstmals Ravin Jain am Kommandostand und verantwortete die Rennstrategie. Inaki Rueda gibt etwas Verantwortung ab und kümmert sich um die sportlichen Aspekte während des Rennens – etwa der Kommunikation mit dem Renndirektor.

Fortschritte sind auch bei den Boxenstopps zu verzeichnen. McLaren unterlaufen zumindest keine Pannen mehr, die wichtige Punkte kosten und in den Vorjahren sogar manchmal in Ausfälle mündeten, weil ein Rad nicht richtig festgezurrt war. Die Sicherheit ist da. Doch Woking muss noch an der Schnelligkeit arbeiten. Im DHL-Ranking der Boxenstopps belegt McLaren nur die neunte Position. Den schnellsten Reifenwechsel wickelte man bei Norris in Monte Carlo in 2,29 Sekunden ab.

Ferraris schnellster Boxenstopp der Saison steht bei 2,24 Sekunden – aufgestellt in Barcelona am Auto von Leclerc. Im Schnitt ist die Scuderia aber deutlich schneller in der Box. Im Ranking ist man Sechster, eingepackt ins enge Feld ab Platz zwei. Red Bulls Schrauber kreisen einsam an der Spitze und operieren für alle in einer anderen Welt.

Noch ein abschließendes Wort zu den Fahrern. Sowohl bei McLaren als auch bei Ferrari kam es in dieser Saison bereits zu Stallregie. Bei McLaren zum Beispiel in Imola. Bei Ferrari in Portimao. Ricciardo und Sainz gehorchten dem Befehl des Kommandostands. Das Teamplay stimmt in beiden Teams.

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