Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020 xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020
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Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020 36 Bilder

Ferrari-Blamage in Spa: Von der Pole ins Nirgendwo

Ferrari-Blamage in Spa Von der Pole ins Nirgendwo

Vor einem Jahr startete Ferrari aus der ersten Reihe. Diesmal stehen Charles Leclerc und Sebastian Vettel vereint in Reihe 7. Spa hat Ferrari klar aufgezeigt, wo das größte Defizit liegt. Es fehlt massiv an Motorleistung. Daraus entstehen beim Setup Notgeburten.

Größer kann ein Absturz nicht ausfallen. Beim GP Belgien 2019 strahlte die erste Startreihe in Rot. Der Trainingsschnellste Charles Leclerc hängte die Mercedes um sieben Zehntel ab. Zwölf Monate später blieben beide Ferrari-Fahrer im Q2 hängen. Charles Leclerc und Sebastian Vettel starten vereint aus der siebten Startreihe. Mit seiner Zeit von 1.42,996 Minuten war Leclerc vier Zehntel langsamer als bei seiner Pole Position vor einem Jahr. Der Monegasse war damit der einzige Fahrer im Feld, der seine 2019er Zeit verfehlte.

Die ganz große Blamage blieb Ferrari erspart. Nach dem dritten Training mussten Leclerc und Vettel sogar Angst haben, nicht einmal die erste Qualifikationshürde zu überstehen. Es gelang nur mit Hilfe von Windschatten. Beide Ferrari klemmten sich vor dem letzten Versuch im Q1 absichtlich in den Verkehr. "Ohne einen Windschatten kommen wir hier nicht weiter", warnte Leclerc am Funk. Er hatte Glück. Am Ende schlug er Kimi Räikkönen im Kampf um Platz 15 um 0,087 Sekunden.

Spa zeigt die Defizite des Ferrari-Pakets

Sebastian Vettel lag bis zum letzten Versuch im Q2 vor seinem Teamkollegen. Dann schlug Leclerc mit einer Chaosrunde zurück und hängte Vettel noch um 0,265 Sekunden ab. "Mehr kriege ich aus dem Auto nicht raus", bedauerte der Vorjahressieger. Vettel robbt sich Schritt für Schritt wieder an seine alte Form heran. Spa war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020
xpb
Ferrari konnte im Qualifying froh sein, dass nicht schon im Q1 Schluss war.

Der Ex-Weltmeister konzentriert sich weiter auf die mittelschnellen Kurven, wo er bislang Zeit auf Leclerc verloren hat. "Ich kann den Speed nicht optimal mit in die Kurve nehmen. Normalerweise versuche ich das Auto so schnell wie möglich zu drehen, damit ich im zweiten Teil der Kurve richtig attackieren kann. Dazu fehlt mir noch das Vertrauen ins Heck des Autos. Es ist ein bisschen besser geworden, aber kein Quantensprung."

In Spa waren jedoch nicht die Fahrer das Problem. Der Kurs in den Ardennen zeigte dramatischer als jede andere Strecke im Kalender das Problem der roten Autos. Dem Motor fehlt massiv Leistung. Im Q1 lagen die sechs Fahrer mit Ferrari-Power im Heck auf den Plätzen 13, 14, 16, 17, 18 und 20. Das lässt sich nicht mehr mit hohem Luftwiderstand erklären.

Die Ferrari-Kunden Haas und Alfa Romeo sind von der Motor-Misere genauso stark betroffen wie das Werksteam. "Es wird auch nicht besser. Wir haben zu wenig Leistung und die Motoren sind auch noch unzuverlässig", rumort es aus dem Ferrari-Untergrund.

Ferrari verliert in Kurven und auf Geraden

Um auf den Geraden nicht zu verhungern, musste Ferrari die Flügeleinstellung bis an die Schmerzgrenze herunterfahren. "Es geht nur noch eine Stufe drunter", erklärten die Fahrer. Leclerc versuchte es am Freitag zwei Mal kurz mit einer Monza-Einstellung, ließ dann aber die Finger davon. Zu gefährlich auf einer Strecke mit vielen schnellen Kurven.

Mattia Binotto - Ferrari - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 29. August 2020
Wilhelm
Teamchef Mattia Binotto versucht von den Motorenproblemen abzulenken und schiebt die Schuld stattdessen auf die Reifen.

Es war eine lange Nachtschicht im roten Lager. Vettel notierte leichte Fortschritte zum Freitag. "Leider nicht gut genug. Es ist wie es ist. Uns fehlt nicht zum ersten Mal in dieser Saison Rundenzeit." Trotz dem Verzicht auf Abtrieb und trotz Windschatten landeten die Ferrari-Fahrer bei der Top-Speed-Messung am Ende der Kemmel-Gerade nur auf den Plätzen 12 und 13. Und mussten dafür im zweiten Sektor die Zeche bezahlen. Die Mercedes waren allein in diesem Abschnitt um 1,5 Sekunden schneller.

Teamchef Mattia Binotto macht zu niedrige Reifentemperaturen für die Pleite verantwortlich. Doch das ist ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit und die Konsequenz aus anderen, viel gravierenderen Problemen. Wenig Power bedeutet wenig Abtrieb, und wenig Abtrieb macht es schwerer, die Reifen in ihr Fenster zu bringen. Leclerc fand den Absturz zum Vorjahr erschreckend. Man müsse dringend herausfinden, wo die Rundenzeit in den letzten zwölf Monaten verloren gegangen sei. Tief in sich drin wird er es wohl ganz genau wissen.

Für Sebastian Vettel war das blamable Abschneiden jedenfalls keine allzu große Überraschung: "Wir kennen das Auto und seine Defizite seit dem ersten Rennen. Da wir keine Upgrades dabei haben, war auch nicht zu erwarten, dass sich etwas ändert. Das Auto ist einfach nicht schnell genug. Wir verlieren auf den Geraden und in den Kurven. In Spa ist der Anteil der Geraden sehr groß, deshalb treffen uns hier unsere Probleme härter als sonst."

Der Ferrari SF1000 braucht Strecken, die maximalen Abtrieb verlangen, auf denen Motorleistung und Luftwiderstand eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Konstellation gab es bis jetzt nur in Budapest. Dort standen beide Ferrari in der dritten Startreihe.

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