Charles Leclerc - Formel 1 - GP Frankreich 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Frankreich 2021 48 Bilder

Ferrari: Erklärung für Nullnummer in Frankreich

Ferrari-Nullnummer in Frankreich Kleines Fenster, große Probleme

GP Frankreich

Im Vergleich zum Vorjahr ist Ferrari in dieser Saison ein großer Schritt nach vorne geglückt. Doch beim GP Frankreich erlebten Carlos Sainz und Charles Leclerc einen herben Rückschlag. Die Scuderia wurde von den veränderten Streckenbedingungen auf dem falschen Fuß erwischt.

Der Ferrari des Jahrgangs 2021 ist eine echte Wundertüte. In Monte Carlo und Baku konnte Charles Leclerc noch zwei Pole Positions feiern. Und auch in Le Castellet sah es mit dem fünften Startplatz von Carlos Sainz hinter den Mercedes- und Red-Bull-Piloten nicht so schlecht aus. Doch am Ende musste die Scuderia die Heimreise nach Maranello ohne WM-Punkte antreten.

So richtig konnten die Ingenieure nach dem Rennen nicht erklären, was passiert war. Schon ab Runde acht beklagten sich beide Piloten über extremes Graining auf den Medium-Reifen. In der Hoffnung auf Besserung mit der harten Mischung bog Leclerc als erster Pilot im Feld schon in Runde 14 an die Boxen ab. Doch auch beim weißmarkierten Pirelli rubbelte sich die Lauffläche in Windeseile ab.

Leclerc merkte schon früh im zweiten Stint, dass noch ein zweiter Wechsel fällig wird. Der Monegasse war neben Max Verstappen der einzige Fahrer im Feld, der drei Reifensätze für die 53 Rennrunden benötigte. Im Gegensatz zum siegreichen Red-Bull-Piloten ging es bei Leclerc aber stets rückwärts – am Ende bis auf Position 16.

Teamkollege Sainz versuchte mit aller Macht, mit nur einem Stopp über die Distanz zu kommen. Doch dieser Plan ging auch nicht auf. Der Spanier rollte auf Rang elf ins Ziel und verpasste damit ebenfalls WM-Zähler. Das Traditionsteam konnte sein Punktekonto somit zum ersten Mal seit dem GP Abu Dhabi im Vorjahr nicht aufstocken.

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Frankreich 2021
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Die Ferrari-Piloten mussten früh an die Box. Das Graining an der Vorderachse bekamen die Fahrer auch mit harten Gummis nicht in den Griff.

Reifenproblem bei Ferrari nicht neu

"Das war ein sehr schlechtes und schwieriges Rennen für uns. Wir konnten die Reifen einfach nicht zum Arbeiten bringen und darunter hat die ganze Performance gelitten", fand Teamchef Mattia Binotto deutliche Worte. "Das Ergebnis spiegelt aber nicht die wahre Leistungsfähigkeit unseres Autos wider. Wir müssen das Problem angehen und daraus für die Zukunft lernen."

Auch Sainz redete nicht lange um den heißen Brei herum. Der Spanier war sichtlich verärgert über den Absturz am Rennsonntag: "Bei uns ist das Arbeitsfenster für die Vorderreifen besonders klein. Wir haben oft mehr mit Graining und Verschleiß zu kämpfen als unsere Gegner. Man braucht kein Genie zu sein, um zu erkennen, dass wir in diesem Bereich Probleme haben."

Der Neuling im Team gibt zu, dass es sich nicht um ein neues Problem handelt. "Das steckte zuletzt schon immer in unseren Hinterköpfen, wenn wir zu einem Grand Prix gereist sind. Wir haben im Rennen eher Probleme als in der Qualifikation. Es gab aber auch schon Rennen, wo die Longrun-Pace überhaupt kein Problem war, wie zum Beispiel in Barcelona."

In Le Castellet wähnte man sich bei Ferrari auch schon auf einem guten Weg: "Am Freitag war das Graining noch kein Thema. Da hatten wir das Auto in dem kleinen Arbeitsfenster. Da sahen wir auch auf den Longruns stark aus. Deshalb sind wir am Abend vor dem Rennen auch sehr zuversichtlich ins Bett gegangen", so Sainz.

"Aber schon auf der Runde in die Startaufstellung habe ich gemerkt, dass sich die Gripverhältnisse total verändert haben. Da hatte ich beinahe das Auto verloren. Die Strecke war anderthalb Sekunden langsamer. Das soll aber keine Entschuldigung sein. Ich habe gehört, dass viele Fahrer vor allem im ersten Stint Probleme mit der Balance hatten. Aber keiner hat so sehr unter dem Graining gelitten wie wir."

Ricciardo vs. Leclerc - McLaren & Ferrari - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Motorsport Images
McLaren überholte Ferrari in der WM-Wertung und zog gleich 16 Punkte davon.

Problem nicht schnell zu lösen

Teamchef Binotto konnte noch keine definitive Antwort auf die Frage geben, warum Ferrari komplett einbrach. Es gab aber schon eine erste Theorie: "Die Temperaturen waren niedriger als im Training. Mit dem Regen am Vormittag war die Strecke wieder grün. Durch den niedrigeren Grip sind die Autos mehr gerutscht. Und mit mehr Rutschen entsteht Graining. Das war an unserem Auto schlimmer als an den anderen."

Warum traf es aber ausgerechnet Ferrari? "Wir haben hier schon vor zwei Jahren Probleme gehabt", entschuldigte sich der Capo bei den Fans. "Diese Strecke liegt uns offenbar einfach nicht. Wir konnten das Problem in der ganzen Zeit nicht lösen. Deshalb wird es jetzt Zeit, daran zu arbeiten und es auszusortieren." Die höheren Luftdrücke, die von Pirelli in letzter Minute für den Circuit Paul Ricard vorgeschrieben wurden, seien aber sicher kein Faktor gewesen: "Die betrafen ja nur die Hinterreifen. Bei uns lag das Problem vorne."

Binotto bat die Tifosi noch um etwas Geduld. Auf die schnelle lasse sich das Thema nicht aus der Welt schaffen: "Mit normalen Mitteln können wir die Situation vielleicht etwas lindern. Aber um das Problem endgültig zu lösen, bräuchten wir schon neue Teile – in diesem Fall zum Beispiel neue Felgen. Das ist aber mit dem aktuellen Reglement nicht erlaubt. Wir müssen das jetzt verstehen, um für nächstes Jahr die richtigen Maßnahmen zu treffen."

McLaren nutzte die Schwäche von Ferrari voll aus. Der direkte Rivale um Platz drei in der Teamwertung sammelte 18 Punkte und liegt im Klassement nun wieder deutlich vor der Scuderia. In nur einer Woche können die Italiener aber schon zurückschlagen. Mit Spielberg steht eine Strecke gleich zwei Mal auf dem Programm, auf der Leclerc im Vorjahr immerhin auf Rang zwei rasen konnte.

"Aber da hatte ich auch etwas Glück. Von diesem Ergebnis darf man sich nicht blenden lassen", winkte der Monegasse ab. "Wir müssen die nächsten drei Tage jetzt erst einmal nutzen, um die ganzen Daten von diesem Wochenende zu analysieren. Vielleicht können wir dann schon im Training am Freitag ein paar neue Sachen ausprobieren, die uns im Rennen helfen."

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