Carlos Sainz - Ferrari - GP Portugal - Portimao - 1. Mai 2021 xpb
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Ferrari in Portugal: Stallregie nach Taktik-Fehler

Ferrari mit Licht und Schatten Stallregie nach Taktik-Fehler

GP Portugal

Ferrari hat sich in Portugal selbst das Leben schwer gemacht. Charles Leclerc kam in der Qualifikation nicht zurecht. Carlos Sainz kämpfte im Rennen mit Problemen. So verlor man am Ende wertvolle Punkte auf Konkurrent McLaren. Positiv ist, dass es keine Animositäten zwischen den Fahrern gibt.

Ferrari ist einer der großen Gewinner der aktuellen Saison. Nach dem Pleitenjahr 2020 geht es mit dem SF21 wieder deutlich aufwärts. Das rote Rennauto ist in der Qualifikation regelmäßig die dritte Kraft im Feld. Doch in den Rennen bringen die Piloten die gute Pace nicht immer auf den Asphalt. In Portugal kam Lando Norris mit seinem McLaren wie schon in Bahrain und Imola vor beiden Ferrari ins Ziel.

Die Scuderia-Piloten erlebten dabei zwei ganz unterschiedliche Wochenenden. Während sich Charles Leclerc im Qualifying einen ungewohnten Lapsus erlaubte, war für Carlos Sainz am Sonntag der Wurm drin. Der Neuling im Team konnte zu Beginn mit den Soft-Reifen noch ganz gut mithalten, brach dann aber nach dem frühen Wechsel auf Mediums komplett ein. Am Ende musste er auf Rang elf ohne WM-Punkte aus Portimao abreisen.

Ferrari schwach auf Medium-Reifen

Der Spanier kritisierte anschließend die Taktik: "Mit dem Wissen nach dem Rennen hätten wir uns sicher für eine andere Strategie entschieden. Der harte Reifen wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Auf dem Medium hatte ich mit extremen Graining-Problemen zu kämpfen. Wir müssen jetzt mal herausfinden, warum dieser Reifen nicht mit unserem Auto harmonieren wollte."

Daniel Ricciardo - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Motorsport Images
Sainz verlor im zweiten Stint viele Positionen und blieb am Ende ohne Punkte.

Laut Sainz wäre ein Top-6-Resultat bei einem normalen Rennverlauf locker drin gewesen. Mit dem fünften Startplatz hatte er seine starke Pace in der Qualifikation eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch in der zweiten Rennhälfte musste der Spanier einen Konkurrenten nach dem anderen kampflos passieren lassen: "Das war mein erstes schlechtes Rennen für Ferrari – das erste Rennen, in dem es nicht wie geplant lief. Das müssen wir jetzt selbstkritisch analysieren und schauen, was wir in der Zukunft besser machen können. Das ist alles noch Teil meiner steilen Lernkurve."

Schon in den Rennen davor ging es für Ferrari eher rückwärts. Teamchef Mattia Binotto will aber noch keinen klaren Trend erkennen. "In Bahrain hatten wir Probleme mit überhitzenden Reifen. Das Thema haben wir nun immer im Hinterkopf. In Imola herrschten auf der feuchten Strecke außergewöhnliche Bedingungen. In Portimao konnte Carlos mit dem Soft-Reifen am Anfang noch gut mithalten. Erst mit dem Medium ist er zurückgefallen. Das müssen wir analysieren. Da gibt es noch keine Schlussfolgerung."

Leclerc selbstkritisch nach Quali-Pleite

Charles Leclerc bewies, dass der Ferrari auch am Sonntag ein gutes Rennauto sein kann. Der Monegasse kämpfte sich von Startplatz acht auf Platz sechs nach vorne. Mit einem besseren Qualifying hätte er Lando Norris sicher mehr unter Druck setzen können. Auf dem Zielstrich fehlten gut vier Sekunden auf den direkten Konkurrenten von McLaren.

Charles Leclerc - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
xpb
Ferrari ließ die Positionen im Rennen tauschen, nachdem Sainz mit den Medium-Reifen kämpfte.

Leclerc blickte selbstkritisch auf seine Leistung: "Ich habe dieses Wochenende gelernt, dass ich es Schritt für Schritt angehen muss. Ich habe versucht, das Auto bei schwierigen Dingen direkt ans Limit zu treiben. Das hat leider nicht geklappt. Am Freitag und Samstag kam ich gar nicht zurecht. Meine Rundenzeiten waren einfach nicht konstant. Im Rennen habe ich es dann etwas ruhiger angehen lassen. Das hat besser funktioniert."

Auf dem Weg nach vorne musste Leclerc auch an seinem Teamkollegen vorbei. Der Kommandostand regelte den Platztausch in Runde 36 über eine Stallregie. Früher hätte so etwas bei Ferrari immer für große Diskussionen gesorgt. Dieses Mal wechselten die Piloten relativ lautlos die Reihenfolge.

"Wir versuchen es natürlich immer zu vermeiden, die Positionen zu tauschen", stellte Binotto klar. "Manchmal ist es aber notwendig. Die Autos waren in Sachen Pace sehr unterschiedlich unterwegs, als Carlos mit den Medium-Reifen zu kämpfen hatte. Er hat die Nachricht auch direkt verstanden, als wir ihn angefunkt haben. Er weiß, dass das Team an erster Stelle kommt. Für einen Teamchef macht das die Arbeit leichter."

Carlos Sainz - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Wilhelm
Die beiden Fahrer harmonieren gut. Das macht dem Kommandostand das Leben leichter.

Harmonie im Team passt

Der Respekt zwischen den beiden Piloten ist groß. Sainz und Leclerc funken auf der gleichen Wellenlänge. Von internen Spannungen, wie es in der Vergangenheit bei Ferrari oft der Fall war, ist noch nichts zu spüren. Das könnte aber auch damit zu tun haben, dass das Auto aktuell noch nicht siegfähig ist.

Obwohl Leclerc die Rolle des Platzhirschen innehat, gibt er gerne zu, dass er von seinem neuen Teamkollegen noch viel lernen kann: "Es ist interessant zu analysieren, wie Carlos fährt. Er hat einen ganz anderen Fahrstil als Seb (Vettel) im letzten Jahr. Ich verfolge genau, wie er mit den Ingenieuren arbeitet und wie er die Dinge angeht. Da kann ich mir sicher noch Einiges abschauen."

Und auch in die andere Richtung funktioniert der Informationsfluss, wie Sainz berichtet: "Man kann ja schon von außen gut erkennen, welche Qualitäten Charles besitzt. Es braucht schon ein ganz spezielles Können, um immer wieder solche Zeiten im Qualifying hinzuknallen. Ich schaue mir natürlich genau an, wie er das macht und konnte dieses Wochenende auch schon Fortschritte erzielen. Das Team erwartet, dass wir beide diese Mega-Runden aus dem Hut zaubern. Wir gehen beide sehr offen miteinander um, weil wir beide das Team in die gleiche Richtung pushen wollen."

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