Ferrari im Rückwärtsgang

Entwicklung bringt Rückschritt statt Fortschritt

Red Bull - Technik - GP Spanien 2014 Foto: xpb 71 Bilder

Ferrari brachte mehr neue Teile nach Barcelona als Mercedes und Red Bull. Trotzdem wuchs der Rückstand auf die beiden Mitkonkurrenten um eine halbe Sekunde an. Wie im Vorjahr bringen die Ausbaustufen offenbar nicht den Fortschritt, den sie auf dem Papier versprechen.

Ferrari sprach im Vorfeld von einem kleinen Technik-Paket. Nun, so klein war es dann doch nicht. Jedenfalls nicht im Vergleich zu Mercedes und Red Bull. An den roten Autos waren der Frontflügel, Heckflügel, die Bremsbelüftungen und die Leitbleche unter der Nase überarbeitet worden. Der V6-Turbo bekam Software-Optimierungen und ein Auspuff-Endrohr mit größerem Durchmesser, um die Energie-Rückgewinnung durch die MGU-H zu verbessern.

Überrundung schmerzt Ferrari

Das Ergebnis war eine Enttäuschung. Der Rückstand auf die Mitbewerber wuchs an. Im Training von bislang durchschnittlich 1,3 auf 1,8 Sekunden auf Mercedes. Und von 0,4 auf 0,9 Sekunden auf Red Bull. Im Vergleich der schnellsten Rennrunde sah es nicht viel besser aus. Als Maßstab dient Kimi Räikkönen, weil der wie die Mercedes-Piloten und Daniel Ricciardo mit einer Zweistopp-Strategie unterwegs war.

Fernando Alonso eignet nicht für einen Vergleich. Er fuhr wie Sebastian Vettel mit drei Stopps quasi außer Konkurrenz. Räikkönen wurde überrundet. So wie Alonso vor drei Jahren an gleicher Stelle. Die schnellste Rennrunde des Finnen lag um 1,344 Sekunden über der von Nico Rosberg und um 0,568 Sekunden über der von Daniel Ricciardo.

Problemzone ist die Traktion

Die Ferrari-Piloten fühlten sich wohler in ihren Autos, aber sie wurden nicht schneller. Alonso drückte es so aus: "Das Auto ist besser als in China. Einige der neuen Teile haben funktioniert. Andere brauchen noch ein bisschen Zeit. Offenbar hat die Konkurrenz auch zugelegt." Der frühere Ferrari-Pilot Felipe Massa ist skeptisch: "Im letzten Jahr hat keine der vielen Ausbaustufen einen wirklichen Fortschritt gebracht."

Es ist die alte Frage: Klaffen bei Ferrari die Simulation und die Wirklichkeit auseinander? Führt der Windkanal die Ingenieure in die Irre? Offenbar kommt der Fortschritt, den die Daten versprechen, nicht in vollem Umfang auf der Rennstrecke an. Und das jetzt bereits seit zwei Jahren. Der Ferrari F14T verliert seine Zeit hauptsächlich beim Beschleunigen und dem zweiten Teil der Geraden. In schnellen Kurven ist das Auto ganz passabel.

Was passiert beim GP Kanada?

Alonso führte die schwierigen Bedingungen in Barcelona als Hauptgrund dafür an, dass die Technik-Offensive ins Leere lief. Je heißer es wurde, umso größer wurde der Rückstand. Doch mit der rutschigen Strecke mussten auch die anderen leben. Vom WM-Titel spricht der Spanier schon gar nicht mehr. "Mercedes fährt in einer anderen Liga." Ziel müsse jetzt Platz 2 in der Konstrukteurs-WM sein. Und auch das wird schwer. Red Bull macht größere Fortschritte als Ferrari.

Präsident Luca di Montezemolo machte den Tifosi Hoffnung, indem er für den GP Kanada einen Sprung nach vorne ankündigte. Auch Alonso erwähnte Montreal, ließ aber auf  Nachfrage offen, was Ferrari dort auspacken will. "Es wird dort neue Teile geben, aber Prognosen sind gefährlich. Den magischen Schlüssel gibt es nicht. Wir haben neue Teile nach Spanien gebracht und sind immer noch Sechster und Siebter im Feld. Wichtig ist, dass wir mit voller Kraft weiterarbeiten und uns kontinuierlich verbessern."

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