Lewis Hamilton - Charles Leclerc - GP Russland 2019 - Qualifying Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - GP Russland 2019 - Sotschi - Qualifying
Hamilton - Leclerc - GP Russland 2019 - Sotschi - Qualifying
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2019 - Sotschi - Qualifying
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Russland 2019 - Sotschi - Qualifying 34 Bilder

Ferrari im Jet-Modus

Mercedes will es über Strategie richten

Ferrari startet den GP Russland erwartungsgemäß von der Pole-Position. Charles Leclerc stellte abermals Sebastian Vettel in den Schatten. Mercedes verliert mehr auf den Geraden, als man in den Kurven wieder aufholt. Das Rennen verspricht trotzdem Spannung.

Die ersten beiden Startreihen sind gemischt. Ein Ferrari vor einem Mercedes einem weiteren Ferrari und dem zweiten Silberpfeil. Max Verstappen muss seinen vierten Platz abtreten. Eine Motorenstrafe wirft den Red Bull-Pilot auf den neunten Startplatz zurück. So läuft am Rennsonntag erst einmal alles auf ein Duell Ferrari gegen Mercedes hinaus.

Ferrari gewinnt über Zehntel auf Geraden

Ferrari überrannte seinen silbernen Rivalen mal wieder auf den Geraden. Siebeneinhalb Zehntelsekunden gewannen die roten Autos unter Geradeausfahrt. Auf Red Bull war es laut Max Verstappen über eine Sekunde. Der Ferrari-Sechszylinder mobilisiert in Kombination mit den beiden Elektromaschinen auf wundersame Art über 50 PS mehr als das Mercedes-Pendant. Lewis Hamilton zollte dem Gegner für seinen kraftvollen Motor einerseits Respekt, andererseits schüttelte er den Kopf. „Was sie haben ist kein Party-Modus, sondern vielmehr ein Jet-Modus.“

Über sieben Zehntelsekunden kann selbst das beste Chassis im Feld nicht mehr aufholen. Hamilton verkürzte den Abstand auf eine Runde immerhin auf vier Zehntel. Der Mercedes W10 gewinnt seine Zeit in den langsamen Kurven. Die verstecken sich insbesondere im letzten Sektor. Da war Hamilton zwei Zehntel schneller als Pole-Mann Leclerc im Ferrari. Weniger, als Mercedes lieb gewesen wäre. „Wir sind stark im letzten Sektor, aber nicht so überlegen wie zum Beispiel in Barcelona“, berichtete Teamchef Toto Wolff. In den mittelschnellen Passagen herrscht zwischen Silber und Rot praktisch Gleichstand. Schnelle Kurven gibt es in Sotschi mit Ausnahme von Kurve 3 und 12 nicht. Und die werden mit Vollgas gefahren. Da holt man kaum Zeit heraus.

Hamilton sprach von einer Runde, die sich angefühlt habe wie eine Pole-Runde. „Schon beim ersten Bremspunkt liegen wir drei Zehntel hinter Ferrari. Das ist eine Hypothek. Du hast die Einstellung: Ab jetzt muss ich aufholen. Meine letzte Runde im Qualifying war gleichzeitig meine beste des Wochenendes. Das Auto wurde immer besser. Ich bin fehlerfrei durch die Runde gekommen. Vielleicht habe ich sogar ein bisschen mehr aus dem Auto geholt, als eigentlich drin war. Ich war so nah am Limit, wie ich nur sein konnte.“

Es reichte immerhin, um dem zweiten Ferrari die erste Startreihe zu verwehren. Teamkollege Valtteri Bottas haderte mit Kurve 13. „Das Auto brach mir dort jedes Mal aus. Egal, welche Linie ich gefahren bin, oder welche Einstellung am Lenkrad ich wählte. In meiner letzten Runde hatte ich dann auch noch einen Quersteher in Kurve zehn. Danach machte es keinen Sinn, weiter Gas zu geben.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2019 - Sotschi
Motorsport Images
Sebastian Vettel verliert überall Zeit auf Teamkollege Charles Leclerc.

Vettel verliert überall

Die beiden Ferrari-Piloten erwischten keine sauberen Runden. Trotzdem enteilte Charles Leclerc. “Ich habe in Kurve 16 Zeit liegenlassen. Da hat das Heck ein bisschen ausgeschlagen„, berichtete der Monegasse, der seine vierte Pole-Position in Serie einsammelte. “Generell habe ich mich im Auto immer wohler gefühlt. Wir haben an der Aero-Balance die richtigen Änderungen vorgenommen.„

Sein Teamkollege hatte nichts am Ferrari SF90 auszusetzen. Trotzdem büßte Sebastian Vettel als Dritter 0,425 Sekunden ein. Unter Stallrivalen ist das eine Menge Holz. “Ich konnte einfach nicht das Quäntchen Extra aus dem Auto quetschen.„ Vettel verlor über die Runde hinweg. Ein kleines Bisschen hier, ein kleines Bisschen da. Ein Zehntel auf den ersten 33 Fahrsekunden. Zwei Zehntel im Mittelabschnitt. Ein weiteres Zehntel in den letzten sechs Kurven.

Ferrari bestätigte die Verbesserung aus Singapur. Das Upgrade aus Nase, Leitbleche, Unterboden und Diffusor hat das rote Auto in den Kurven schneller gemacht. Was vor allem die Performance im letzten Streckenabschnitt zeigt. Die Neuteile haben den Ferrari aber nicht schnell genug gemacht, um dort den Mercedes abzukochen. Ferrari zehrt von seinem Vorteil auf den Geraden. Mehr Motorleistung, weniger Luftwiderstand.

Mercedes baut Auto um

Nach dem Freitagstraining haderte Mercedes mit seinem Auto. Plötzlich waren die Seriensieger nur noch dritte Kraft. Selbst in den Kurven brillierte der W10 nicht wie üblich. Die Vorderreifen wollten einfach nicht schnell genug ins Arbeitsfenster kommen. Das führte zu Untersteuern. Der Mercedes kam nicht in die Kurven. Im Gegensatz zur Konkurrenz fuhr das Weltmeisterteam seine schnellsten Runden nicht im ersten Anlauf, sondern brauchte mehrere Versuche, bis die Reifen richtig temperiert waren.

Ingenieure und Fahrer zogen die richtigen Konsequenzen. Sie justierten am Setup nach, ohne dass dadurch die Hinterreifen überstrapaziert wurden, und änderten die Herangehensweise in den Aufwärmrunden. Die Fahrer fuhren nicht unbedingt schneller, sondern nahmen den weichen Pirelli-Reifen einfach härter ran. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden. Zum Beispiel stärkere Bewegungen am Lenkrad oder Bremsmanöver. Mercedes mögen auch die steigenden Streckentemperaturen geholfen haben. Auch wenn es nur ein paar Grad waren.

Mercedes sah trotz der Verbesserungen die Pole schon vor Beginn der Qualifikation außer Reichweite. Das war mit ein Grund, warum das Team im zweiten Durchgang auf den Medium-Reifen fuhr, und darauf am Rennsonntag starten wird. Ferrari setzt hingegen auf den weichen Reifen. “Das bringt ihnen einen Vorteil von ein paar Metern am Start„, rechnet der viertplatzierte Bottas vor. “Aber der Effekt des Windschattens wird größer sein.„ Im Team ist man dennoch skeptisch. Bei einem normalen Rennstart sollten die Ferrari nach dem 890 Meter langen Sprint mit einer Doppelführung in den ersten scharfen Rechtsknick abbiegen. “Sie können mit ihrem Motor rechts und links an uns vorbeifahren.„

Was bringt der Medium?

Dann will es Mercedes über die Strategie richten. Der Medium-Reifen, so glaubt das Team, eröffnet mehr Möglichkeiten. Mercedes kann beides probieren. Ein früher Reifenwechsel für den Undercut. Oder ein längerer erster Stint. “Ferrari sind die Hände gebunden. Sie müssen reinkommen, wenn der Softreifen einbricht„, glaubt Bottas.

Bei freier Fahrt können die Mercedes ihren üblichen Geschwindigkeitsvorteil im Rennen ausspielen. “Wir sind durch den schwächeren Motor im Nachteil. Das soll aber nicht heißen, dass wir das Rennen nicht aus eigener Kraft gewinnen können. Wir haben ein starkes Rennauto, starke Fahrer, für gewöhnlich eine gute Strategie„, lautet die Kampfansage von Wolff. Leclerc kontert: “Unsere Longruns waren in dieser Saison noch nie so gut wie am Freitag. Der Verschleiß ist auf dem Soft unserer Ansicht nach nicht viel größer als auf dem Medium.„

Mercedes sieht die Dürre von drei sieglosen Rennen und vier Grand Prix ohne Pole-Position als Herausforderung. Teamchef Wolff zieht Vergleiche mit 2013. “Auch damals waren wir in der Position, aufholen zu müssen. Nur führen wir dieses Mal die Weltmeisterschaft an.„ Und zwar komfortabel. Das Defizit auf den Geraden wird Mercedes in diesem Jahr nicht mehr kompensieren können. Das ist ein Projekt für 2020. “Wir müssen verstehen, was genau Ferrari besser macht. Nur dann kann uns so ein großer Schritt wie ihnen gelingen. Denn normalerweise gewinnst du von einem Jahr auf das andere nicht einmal ein Prozent.„

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Charles Leclerc holte souverän den ersten Startplatz in Sotschi.

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