Sebastian Vettel - GP Österreich 2020 xpb
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020 45 Bilder

Analyse der Ferrari-Pleite

Vettel fliegt im Q2 raus

Ferrari landete im Q2 von Spielberg auf den Plätzen zehn und elf. Der Traditionsrennstall ist im Mittelfeld angekommen. Sebastian Vettel scheiterte sogar an der Top Ten-Hürde. Auch Ferraris Kundenteams sehen alt aus. Das größte Problem ist der Motor.

Was für eine Blamage. Nach den Testfahrten in Barcelona wurde Ferrari noch als dritte Kraft hinter Mercedes und Red Bull eingeschätzt. Tatsächlich sind die roten Renner unsanft im Mittelfeld gelandet. Racing Point, McLaren und Renault sind plötzlich Gegner auf Augenhöhe.

Die zweite Quali-Runde beim Auftakt-Grand-Prix in Spielberg sprach für sich. Charles Leclerc Zehnter, Sebastian Vettel Elfter. Für Ferrari wurde der zweite Durchgang der Qualifikation zur Zitterpartie. Die Alpha Tauri lagen mit zwei Zehntel Rückstand in Reichweite.

Sebastian Vettel fehlten 0,165 Sekunden auf seinen Teamkollegen. Das war ärgerlich, denn der Ex-Weltmeister lag am Freitag noch vor Leclerc. Vettel führte Probleme mit der Hinterachse an: " Da konnte ich das Auto nicht mehr mit so viel Vertrauen in die Kurven werfen."

Und er übte auch ein bisschen Selbstkritik: "Die Runde war jetzt auch nicht ganz ideal." Die steigenden Temperaturen haben Vettel offenbar auf dem falschen Fuß erwischt. "Das Auto fühlte sich nicht so gut an wie am Freitag."

Leclerc stieg im Q3 noch auf Platz 7 auf. Der Trainingsschnellste des Vorjahres hatte Glück mit dem Timing seiner letzten fliegenden Runde. Er kam noch vor dem Ausritt von Valtteri Bottas durch den Mittelsektor. Carlos Sainz, Lance Stroll und Daniel Ricciardo mussten ihren letzten Versuch wegen gelber Flaggen abbrechen.

Mit einer Zeit von 1.03,923 Minuten knackte Leclerc gerade so die 1.04er Grenze. Im letzten Jahr stand der Monegasse mit 1.03,003 Minuten noch auf der Pole Position. Ferrari hat sich demnach um 0,920 Sekunden zurückentwickelt.

Sebastian Vettel - GP Österreich 2020
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Der Arbeitstag von Sebastian Vettel war schon vor der letzten Quali-Runde beendet.

Motor kostet eine halbe Sekunde

Das wirft Fragen auf. Vor allem, weil das gleiche Phänomen bei den Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo und Haas zu beobachten war. Alfa Romeo verlor 1,119 Sekunden auf seine letztjährige Trainingszeit, Haas immerhin auch noch 0,619 Sekunden.

Im Vorjahr flogen die Ferrari um 11 km/h schneller über die Geraden des Red Bull-Rings. Da liegt der Schluss nahe, dass der Motor eine entscheidende Rolle bei dem Ferrari-Desaster spielt. Aus dem Dunstkreis von Maranello ist zu hören, dass eine halbe Sekunde pro Runde auf das Konto des Triebwerks geht. Das gibt den Kritikern neue Munition, die davon überzeugt sind, dass Ferrari im letzten Jahr mit dem Motor gemogelt hat.

Offiziell wollte keiner der Fahrer über die Motor-Misere sprechen. Romain Grosjean meinte nur: "Fragt bei Ferrari nach." Kollege Kevin Magnussen umschrieb das Problem elegant: "Uns fehlt der Speed auf den Geraden. Deshalb mussten wir Abtrieb wegnehmen. Das hat uns auch noch in den Kurven gestraft."

Sektor 1 ist ein guter Indikator für die Motorleistung. Die ersten anderthalb Kilometer bestehen aus zwei langen Geraden und einer Kurve. Alle Autos mit Ferrari-Motor liegen da im zweiten Teil der Tabelle. Romain Grosjean ist mit 16,222 Sekunden als Elfter noch der schnellste Ferrari-Fahrer in diesem Abschnitt. Leclerc landet mit 16,423 Sekunden auf dem drittletzten Rang. Von den guten Top-Speeds der beiden Alfa Romeo darf man sich nicht täuschen lassen. Dem C39 fehlt auch noch Abtrieb, was die mäßigen Sektorzeiten im kurvenreichen Mittelabschnitt zeigen.

Charles Leclerc - GP Österreich 2020
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Charles Leclerc muss aus der vierten Startreihe losfahren, hatte dabei aber noch Glück.

Da kann sich das Werksteam mit passablen Zeiten noch ein bisschen retten. Leclerc war in Sektor 2 mit 28,215 Sekunden immerhin Sechstschnellster. Auf Valtteri Bottas fehlen ihm in dem Abschnitt 0,310 Sekunden. Das heißt: Ferrari muss auch an der Aerodynamik massiv arbeiten. Teamchef Mattia Binotto warnte bereits vor: "Das Upgrade, das wir in Ungarn bringen, ist nur ein erster Schritt. Er wird nicht alle unsere Probleme kurieren."

Ferrari ist bei den ersten beiden Rennen nach eigener Aussage nur auf Schadensbegrenzung aus. So viele Punkte wie möglich. Vom Sieg darf man noch nicht mal träumen, vom Podium nach den Erkenntnissen der Qualifikation auch nicht. Ganz wirft Vettel die Flinte jedoch nicht ganz ins Korn: "Das ist sicher kein gutes Ergebnis heute. Aber morgen kann es schon ganz anders aussehen. Im Longrun sollten wir etwas stärker sein."

Der Elfte in der Startaufstellung hofft, dass ihm die freie Reifenwahl am Sonntag einen Joker in die Hand spielt. Leclerc muss dagegen auf Soft-Reifen starten. Der zweite Reifentyp in Ferraris Rennstrategien steht nach den Longruns am Freitag eigentlich auch schon fest. Vettel und Leclerc ließen die Medium-Reifen links liegen und konzentrierten sich stattdessen auf Pirellis härteste Mischung.

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