Ferrari-Krise

Todt zweifelt am Erfolg

Ferrari-Teamchef Jean Todt zweifelt an einem schnellen Ende der Scuderia-Krise in der Formel 1. "Es ist schwieriger geworden. Falls es uns gelingen sollte, ein sehr wettbewerbstaugliches Paket für die nächsten Rennen
zusammenzustellen, dann könnte die WM offen bleiben", meinte der Franzose in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Aber wir müssten vor den Gegnern ins Ziel kommen. Zuletzt ist uns das nicht gelungen."

Die vergangenen beiden Rennen in Magny-Cours und Silverstone hatten den Abstand von Ferrari zur Spitze noch einmal deutlich gemacht. "Es ist wahr, dass wir uns seit ein paar Rennen rückwärts bewegen", sagte der Ferrari-Teamchef und schloss sich der Meinung seines Chefpiloten Michael Schumacher an. "Während der Rennen waren wir in dieser Saison schon oft nahe dran an den Schnellsten. In Frankreich und England aber 1,3 und 1,2 Sekunden hinterher." Die Gegner schafften es, in der letzten Runde eines Rennens am schnellsten zu fahren, "während wir nach etwa 20 Runden mehr und mehr kämpfen müssen." Sein Fazit: "Wir sind ganz einfach zu langsam."

In der Ursachenforschung ist Ferrari noch nicht entscheidend vorangekommen. Es fehle der Grip. "Es ist sehr schwierig für uns, klar zu beurteilen, woran es liegt", gestand Todt. Es sei nicht nur die Aerodynamik. "Wenn es daran läge, dann wären wir nirgendwo in der Lage, eine Zeit gut zu fahren."

Durch die Bridgestone-Reifen sieht der 59-Jährige seinen Rennstall im Nachteil gegenüber der Konkurrenz von Renault und McLaren-Mercedes und fünf weiteren Teams, die von Michelin ausgerüstet werden. Für sie scheine es einfacher zu sein, technische Probleme mit dem Reifenhersteller zu lösen, weil es mehr Vergleichswerte gebe. "Für uns ist es - bei allem Respekt für Jordan und Minardi - kaum möglich, Vergleichswerte zu bekommen."

Vor dem Großen Preis von Deutschland am kommenden Sonntag rangiert Ferrari in der Konstrukteurs-Wertung hinter Renault (102 Punkte) und McLaren-Mercedes (87) mit 74 Punkten Rückstand nur auf Rang drei. Im Fahrer-Klassement ist Rekordweltmeister Schumacher (43) ebenfalls Dritter hinter Renault-Pilot Fernando Alonso (77) und Kimi Räikkönen (51) im McLaren-Mercedes.

Die Situation nach sechs Konstrukteurs- und fünf Fahrertiteln durch Michael Schumacher hintereinander bezeichnete Todt als "neue Herausforderung". Er habe aber auch nach einem Sieg nie geglaubt, "dass wir nun automatisch den nächsten Grand Prix gewinnen. Ich habe immer gezweifelt."

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