Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Toskana - Mugello - 2020 Wilhelm
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Impressionen - Formel 1 - GP Toskana - Mugello - 2020
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Leclerc rettet Ferrari-Ehre

Vettel auf Kriegsfuß mit zwei Kurven

Ferrari atmet auf. Endlich ein Erfolgserlebnis nach den zwei Pleiten in Spa und Monza. Charles Leclerc startet vom fünften Platz. Sebastian Vettel dagegen bleibt weiter ein Sorgenkind.

Ferrari hat bei seiner Feierstunde zum 1000. GP-Start mehr als nur einen Grund zum Jubeln. Das Traditionsteam darf sich über einen fünften Startplatz von Charles Leclerc freuen. Das haben nach den beiden Pleiten in Spa und Monza nicht einmal die größten Optimisten für möglich gehalten.

Zuletzt war schon der Aufstieg ins Q2 ein Erfolg. Das war der zweitbeste Startplatz für Ferrari in diesem Jahr nach dem GP England, wo Leclerc als Vierter ins Rennen ging.

Der WM-Siebte hatte mit seinen Trainingsplatzierungen 3, 10 und 7 bereits angedeutet, dass er den Sprung in die Top Ten schaffen kann. Auch in den drei K.O.-Runden der Qualifikation lag Leclerc regelmäßig unter den zehn schnellsten Piloten.

Die Steigerung zu den beiden Rennen davor lag hauptsächlich daran, dass in Mugello mit mehr Abtrieb gefahren wird als in Monza in Spa, obwohl die Durchschnittsgeschwindigkeit bei beeindruckenden 251 km/h liegt.

Die schlechte Effizienz des SF1000-Chassis straft Ferrari nicht so stark wie auf vielen anderen Kursen. Es gibt nur eine Gerade, dafür 15 Kurven. Ferrari entschied sich für viel Flügel, war mit 309,5 km/h das zweitlangsamste Auto im Feld, lag aber in allen drei Sektoren mitten unter den Racing Point, Renault und McLaren.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Toskana - Mugello - 2020
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Charles Leclerc schaffte mit Startplatz 5 eine kleine Sensation.

Leclerc zwang seinem Ferrari in mühsamer Kleinarbeit auch eine ordentliche Balance auf. Der zweifache GP-Sieger war in allen drei Streckensektoren gleich stark. Im zweiten Streckenabschnitt mit seinen vielen superschnellen Kurven waren nur die beiden Mercedes und Max Verstappen schneller.

Das erinnerte fast an Zustände wie im letzten Jahr. "Die Strecke kam uns entgegen. Unser Auto ist für Anforderungen für mittleren Abtrieb besser. Da fällt es mir leichter, Vertrauen in das Auto zu finden", begründete der Monegasse die Formsteigerung.

Mit Glück durch das Q1

So gut das Training für Charles Leclerc lief, so groß war die Enttäuschung bei Sebastian Vettel. Der Teamkollege Fünfter, er selbst auf Platz 14. Die Zeitdifferenz von 0,534 Sekunden auf einer Fahrerstrecke wie Mugello tat weh.

Damit setzte sich für Vettel die Serie unerklärlich deutlicher Trainingsniederlagen fort. Wieder einmal war der Ferrari nicht sein Freund. Er musste sogar fürchten, das Q1 nicht zu übersteuern. Trotz eines Fehlers zu Beginn der Runde rutschte er mit 0,053 Sekunden auf Pierre Gasly gerade so durch und hatte noch Glück, dass George Russell sich mit einem Ritt durchs Kiesbett selbst aus dem Rennen schoss.

Schon Vettels Rückfrage beim Ingenieur sagt alles über seine Erwartungshaltung: "Sind wird durch?" Ricardo Adamis Antwort, "Ja, sind wir", entlockte beim Fahrer keine Freudensprünge. Seine Reaktion war nur ein Wort: "Ha."

Ferrari - GP Toskana 2020
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Ein Ferrari zeigte sich überraschend stark, der andere überraschend schwach.

Im Q2 konnte sich Vettel nur noch um 0,214 Sekunden steigern. Andere schafften größere Sprünge, Leclerc um immerhin 0,374 Sekunden. Vettel nannte den Zustand "nicht zufriedenstellend".

Dann das Geständnis: "Das Auto war etwas besser als zuletzt, aber ich komme noch immer nicht so klar, wie ich will. Es geht nur in kleinen Schritten vorwärts. Jetzt muss ich mir anschauen, was wirklich los war."

Das klang nach Ratlosigkeit. Der Sektor-Vergleich mit Leclerc liefert keine große Aufklärung. Vettel verlor im direkten Q2-Vergleich gleichmäßig: 0,147 Sekunden, 0,188 Sekunden, 0,199 Sekunden. An den beiden Messpunkten auf der Strecke gab es keine gravierenden Unterschiede, die zur Aufklärung beitragen würden.

Im Anflug auf die Casanova-Kurve (T6) war Leclerc um zwei km/h schneller. Am Ausgang der Palagio-Kurve (T11) herrschte mit 257,8 km/h absoluter Gleichstand. Im Top-Speed fehlten zwar nur 0,7 km/h, doch dafür verlor Vettel auf allen Geraden zusammengerechnet drei Zehntel auf den Stallrivalen. Das gleiche hatte er schon mal in der Qualifikation zum GP Ungarn.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Toskana - Mugello - 2020
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Vettel verliert viel Zeit in einem bestimmten Kurventyp.

Problem mit mittelschnellen Kurven

Dann machte Vettel noch eine interessante Anmerkung, die mehr Aufschluss über seine Probleme gibt. "Im Vergleich zu Charles haben mir das ganze Wochenende zwei Ecken nicht gelegen." Es waren die Kurven 2 und 10. Beide mit 170 und 160 km/h eher mittelschnell.

Und exakt mit diesem Kurventyp steht der dreifache Weltmeister in diesem Ferrari auf Kriegsfuß, besonders wenn die Kurven auch noch weit geschwungen sind. Die Luco-Kurve (T2) hat einen Radius von 45 Grad und eine Länge von 45 Metern. Die Scarperia-Kurve (T10) ist 68 Meter lang und weist einen Radius von 50 Grad auf.

In diesen Kurven hatte der nächstjährige Aston Martin-Pilot schon in Silverstone, Barcelona und Spa seine Schwierigkeiten. "Ich kann einfach nicht den Speed mit in die Kurve nehmen. Normalerweise versuche ich das Auto so schnell wie möglich zu drehen, damit ich im zweiten Teil der Kurve früh am Gas stehen kann. Da fehlt noch ein bisschen, weil ich zu wenig Vertrauen in das Heck des Autos habe."

Das kennen wir von der ersten Saisonhälfte des letzten Jahres. Leclerc kann sich mit der Heckschleuder arrangieren, Vettel nicht. Oder Leclerc hat für seinen Fahrstil ein Setup parat, dass ihn mehr Vertrauen fassen lässt.

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