Ferrari

Massa die heimliche Nr. 1

Foto: Daniel Reinhard

Felipe Massa ist der neue Hoffnungsträger im Titelrennen und damit die heimliche neue Nummer 1 bei Ferrari. Der Brasilianer hat Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen im teaminternen Duell überholt und damit die Hierarchie auf den Kopf gestellt.

Noch ziert sich die Scuderia aber, die veränderte Hackordnung öffentlich zu vertreten. "Wir behandeln beide Fahrer gleich", lautet der offizielle Tenor. Massa hütet sich wohlweislich davor, Ansprüche auf einen "1a-Status" hinauszuposaunen. Der 27-Jährige kann sich auch so sicher sein, dass Ferrari im WM-Zweikampf mit Silberpfeil-Star Lewis Hamilton Prioritäten setzen muss.

Chance auf WM-Führung

Schon beim Großen Preis von Italien am Sonntag in Monza kann Massa zusätzliche Pluspunkte gegen Raikönnen sammeln. Sollte er beim prestigeträchtigen Ferrari-Heimspiel erstmals triumphieren, übernähme er zum zweiten Mal in dieser Saison nach Magny-Cours die WM-Spitze. Aber auch zwei Zähler mehr als Hamilton reichen Massa, um den McLaren-Mercedes-Mann dann trotz Punktgleichheit dank bislang 5:4-Siegen von Platz eins zu verdrängen. Vor dem 14. Saisonlauf führt der Brite mit 76:74 gegen den Brasilianer. Der viertplatzierte Finne Räikkönen liegt bereits 19 bzw. 17 Punkte zurück.

"Ein Sieg in Monza und in der WM? Ja, das wäre möglich", sagte Massa im Gespräch mit Lesern des italienischen Blatts "La Gazzetta dello Sport" (11.9.) Der Südamerikaner geht davon aus, dass die "Roten" die Silberpfeile in den fünf ausstehenden Grand Prix in die Schranken verweisen können. "Ferrari fürchtet sich vor nichts, außer vor der Kälte", versicherte er siegessicher. "Ich kann Hamilton am Sonntag wieder schlagen."

Traum vom Titel

Schon vor Monza hatte Massa mehrfach betont: "Ich will den WM-Titel." So greifbar nah wie dieses Jahr war sein großer Traum noch nie für ihn. Auch Michael Schumacher traut seinem früheren Teamkollegen den WM-Coup zu. "Felipe kann es schaffen", sagte der  siebenmalige Rekord-Champion. Den nächsten großen Schritt möchte Massa in Monza machen: "Ich will hier gewinnen", sagte er. Allerdings bliebe auch dann ein schaler Beigeschmack wegen seines geschenkten Siegs in Spa-Francorchamps. Der Ferrari-Fahrer verteidigt die Zeitstrafe gegen Hamilton beim Großen Preis von Belgien indes als "völlig korrekt".

Obwohl seit dem 1994 in Imola tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeister Ayrton Senna kein Landsmann mehr so reelle Titelchancen hatte, herrscht in Brasilien keine "Massa-Mania". Die Formel 1 spielt in der automobilverrückten Nation dieser Tage am Strand oder in den "Boteco"-Stehkneipen kaum eine Rolle.

Der stets bescheidene und sympathische Massa will sich mit seinen großen Vorgängern auch gar nicht vergleichen. "In der Nähe von Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet oder Ayrton Senna bin ich noch sehr, sehr klein", sagte er neulich. "Wenn ich aber eines Tages ähnlich viel schaffe wie diese Fahrer, werde ich der glücklichste Mensch auf Erden sein." Auch mit seinem ehemaligen Lehrmeister möchte sich Massa nicht auf eine Stufe stellen: "Michael war der Allergrößte. Aber ich habe bewiesen, dass ich bereit bin, um den Titel zu kämpfen." Schumacher soll ihm dafür die entscheidenden Tipps geben.

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