Ferrari gewinnt Schlacht um Platz 2

„Mehr war nicht möglich“

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 26.5.2018 Foto: sutton-images.com 48 Bilder

Die Pole Position war gesetzt. An Red Bull führte kein Weg vorbei. In der Schlacht um den zweiten Startplatz behielt Ferrari die Oberhand. Trotzdem war Mercedes zufrieden. Auf einem Kurs wie Monte Carlo gibt das Auto einfach nicht mehr her.

Es kommt selten vor, dass Rennfahrer mit Niederlagen zufrieden sind. Doch diesmal waren sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton einig. Mehr war nicht drin. Die Pole Position war für Red Bull reserviert. Die WM-Gegner konnten froh sein, dass sich Max Verstappen mit seinem Unfall im dritten Training selbst aus dem Favoritenkreis schoss. So ging es zwischen Ferrari und Mercedes schon um Platz 2 hinter Daniel Ricciardo. Der beste Startplatz des Australiers war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Auch wenn der Vorsprung von 0,229 Sekunden auf Vettel scheinbar gering ausfiel.

Vettel gab sich keinen Illusionen hin. „Natürlich glaubst du hinterher immer, dass du da oder dort noch ein bisschen Zeit hättest finden können. Doch Daniels Zeit war heute außer Reichweite für uns. Wir haben viel mit der Abstimmung herumexperimentiert, weil wir wussten, dass wir nur vorne stehen, wenn wir das Setup perfekt hinkriegen. Die Rundenzeit und der Platz waren das Beste, das wir unter den Umständen aus dem Auto herausholen konnten.“

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco 2018 - Rennen GP Monaco 2018 - Rennen Ricciardo gewinnt vor Vettel

Lewis Hamilton konnte seine Enttäuschung, diesmal nur die dritte Geige spielen zu können, zunächst schlecht verbergen. Immer wenn sich der Engländer ärgert, werden seine Antworten so kurz wie die von Kimi Räikkönen. Später, nach der Konversation mit seinen Ingenieuren sah er ein: „Meine Zeit war so gut, wie es das Auto zuließ. Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Teamchef Toto Wolff lobte: „Wir können zufrieden mit der Qualifikation sein. Mehr war nicht möglich. Wir haben keine Fehler gemacht, uns solide vorbereitet und uns auch auf die richtigen Experimente eingelassen. Lewis hat am Ende eingesehen: Das ist der Speed unseres Autos in Monte Carlo.“ Hamilton fügte erleichtert hinzu: „Es ist ja nur ein Rennen.“ Dummerweise das wichtigste des ganzen Jahres.

Auch Niki Lauda fügte sich in die Erkenntnis, dass Monte Carlo seit 2017 keine Mercedes-Strecke mehr ist: „Red Bull war unschlagbar, Ferrari einen Tick schneller. Die anderen haben mehr Abtrieb und mehr Grip. Die Balance hat gepasst, aber wir waren nicht schnell genug. Das ist das Ärgste.“ Valtteri Bottas bestätigte: „Die Balance war gut. Es fehlte nur der Grip. Ich konnte die Mauern küssen, doch am Ende fehlte der Speed.“

Hamilton verlor im dritten Sektor

Die Analyse der Trainingszeiten ist diesmal ziemlich einfach. Lewis Hamilton dominierte den ersten Sektor. Von Start und Ziel bis zur Abfahrt nach Mirabeau zählen Power, guter Abtrieb für mittelschnelle Kurven und ein Reifen, der sofort im Fenster ist. Dann verlor der WM-Spitzenreiter sukzessive auf seine Gegner. In Sektor 2 und 3 war Ricciardo eine Klasse für sich. Nach zwei Sektoren lag Hamilton noch 77 Tausendstel vor Vettel. Doch dann verlor der Engländer alles auf knapp 19 Sekunden im Schlussabschnitt. „Da hatten die Reifen schon nicht mehr genug Grip“, erklärte Wolff.

Die besten Sektorzeiten im Überblick

Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3
Red Bull 18,638 s (P2) 33,392 s (P1) 18,779 s (P1)
Ferrari 18,674 s (P3) 33,443 s (P2) 18,922 s (P2)
Mercedes 18,594 s (P1) 33,446 s (P3) 19,061 s (P5)

Monte Carlo ist wie für Red Bull gemalt. Vettel gab unumwunden zu: „Der Red Bull hat den meisten Abtrieb. Dafür sind sie beim Luftwiderstand vielleicht nicht die Besten. Was auf dieser Strecke aber nicht so viel ausmacht. Deshalb ist es keine Überraschung, dass sie vorne stehen.“ So sahen es auch die Mercedes-Ingenieure: „Wenn Red Bull bei diesem Rennen ihre Autos nicht in die erste Startreihe gebracht hätte, dann hätten sie etwas falsch gemacht.“

Ultrasoft-Experiment zu großes Risiko

Die Startaufstellung deutet auf die übliche Monaco-Prozession hin, weil die Top-Autos in der Reihenfolge ihrer Schnelligkeit gestaffelt sind. Trotzdem gibt es Fragezeichen und Hoffnung auf Überraschungen. Der Hypersoft-Reifen ist nicht so stabil wie erwartet. Bei den meisten Autos zeigt er vorne links starkes Körnen. Was passiert, wenn sich die Gummischnipsel von der Lauffläche schälen, erzählt Valtteri Bottas. „Der Moment kommt plötzlich. Dann verlierst du auf einen Schlag eine halbe Sekunde pro Runde. Wenn es schlimmer wird, können es bis zu zwei Sekunden sein.“ Und das ist genau das Delta, ab dem es schwierig wird, seine Position zu verteidigen.

Bei der Frage, ob der GP Monaco ein Einstopp-Rennen wird, zögerten die drei schnellsten Fahrer der Qualifikation. „Das ist der Plan“, antwortete Hamilton kurz angebunden. Vettel stellte fest: „Dieser Hypersoft-Reifen wird nicht ewig halten.“ Bei Mercedes fürchtet man inzwischen, dass die Fahrer, die mit Hypersoft-Reifen starten, sich schwer tun werden, mit einem Stopp über die Distanz zu kommen. Deshalb versuchten es Hamilton und Bottas im Q2 kurz mit Ultrasoft-Gummis. Doch das Risiko rauszufliegen wäre zu groß gewesen. „Wenn du nicht von vorne losfährst, hätte dir der Ultrasoft-Reifen eine Chance eröffnet, taktisch Boden gutzumachen. Leider hatten wir nicht den Speed, mit den Ultrasofts durchs Q2 zu kommen“, bedauerte Bottas.

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