Ferrari mit perfekter Taktik

Vettel lässt Rosberg leben

Vettel & Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 Foto: xpb 70 Bilder

Sebastian Vettel machte das Titelrennen spannend. Er hätte für Nico Rosberg und Lewis Hamilton Schicksal spielen können. Doch volle Attacke auf die Mercedes-Piloten war Vettel zu riskant.

Das hatten wir in dieser Saison selten. Ferrari hat taktisch alles richtig gemacht. Sebastian Vettel sah 30 Runden lang nicht aus wie einer, der Nico Rosbergs WM-Träume durchkreuzen und für Lewis Hamilton zum Mitspieler werden könnte. Der Ferrari-Pilot hing lange auf Platz 5 fest. „Ein bisschen frustrierend. Als nach vorne nichts ging, habe ich mich darauf konzentriert, meine Reifen zu schonen.“

Vettel musste sich bis zur 24.Runde in Geduld üben. Dann holte Red Bull Daniel Ricciardo zum zweiten Reifenwechsel an die Box. Und Ferrari zog mit Kimi Räikkönen nach. Max Verstappen drehte hinter Vettel in einem Einstopp-Rennen seine Runden. Doch der Holländer musste nicht mehr an die Box. „Max ging in die eine extreme Richtung, wir in die andere. Es lag auf der Hand, so lange wie möglich draußen zu bleiben, um dann am Ende mit Supersoft-Reifen anzugreifen.“

Red Bull-Berater Helmut Marko meinte grimmig: „Verstappen hat mit seinem 21-Runden Stint auf Supersoft-Reifen Ferrari auf die Idee gebracht, es auch mit den weicheren Reifen zu probieren. Und sie wussten, wie lange man mit den Supersoft-Reifen fahren kann“ Vettel musste auf den Supersoft-Reifen nur noch 18 Runden lang durchhalten. Aber mit einem deutlich leichteren Auto als der Red Bull-Pilot.

Grundstein zu Platz 3 in Runden 30 bis 37

Vettels Verdienst bei der Umsetzung der Strategie lag in den Runden 30 bis 37. Da fuhr der Ex-Weltmeister trotz ausgelutschter Soft-Reifen fast so schnell wie seine Gegner auf frischen Garnituren. „Ich habe nicht allzu viel auf die Gruppe verloren, die schon an der Box war. Das war der Schlüssel zum späteren dritten Platz.“

Vettel fiel zunächst auf den 6. Rang zurück. Mit 17,7 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Dann flog der Ferrari. Teilweise um 2 Sekunden pro Runde schneller als der Rest des Feldes. Seine Rundenzeiten lösten am Mercedes-Kommandostand Alarm aus. Weil Vettel mit den frischen und weicheren Reifen eine Unbekannte in der Rechnung war, solange Hamilton ein Bummeltempo anschlug.

Vettel durfte Teamkollege Räikkönen ohne Gegenwehr passieren. Erst schnupfte er Ricciardo auf, dann Verstappen. „Daniel war relativ einfach, Max schon schwieriger. Mein Auto begann bereits zu rutschen und die Reifen bauten langsam ab. Was mir bei Max half: Er hatte kein DRS.“ In Runde 52 waren die ersten vier Fahrer innerhalb von 2,9 Sekunden zusammengeschweißt.

Vettel nimmt Rücksicht auf WM-Kampf

Hier unterlief Hamilton bei seinen Taktikspielchen ein Denkfehler. Er ließ Rosberg bei seiner Schleichfahrt so stark aufschließen, dass der Deutsche ins DRS-Fenster geriet. Das machte es für Vettel schwieriger, den zweiten Mercedes zu überholen. „Nico war auf der Geraden eine Spur zu schnell für mich. Ich hatte mir Kurve 11 als besten Überholpunkt ausgesucht, doch Nico hat gut die Innenspur verteidigt.“

Vettel ließ es bei zwei Angriffen bewenden. Einer richtig, der andere halbherzig. Aber beide mit Augenmaß. Vettel wollte nicht den Königsmörder spielen. „Mein Problem war nicht nur, dass Nico vom DRS profitierte und meine Vorderreifen immer heißer wurden. Er lag so dicht hinter Lewis, dass ich nicht volles Risiko gehen konnte. Wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste innen durchziehe, räume ich auch noch Lewis mit ab. Ich wollte kein dummes Manöver riskieren.“

Vettels Rücksicht rettete Rosberg. Dabei hätte der Mercedes-Fahrer den Ferrari vorbeilassen können. Dritter hätte auch gereicht. Renningenieur Tony Ross bot es ihm an, doch Rosberg wollte lieber kämpfen. Man kann sagen, mit dem Mut der Verzweiflung.

Vettel konnte mitfühlen: „Ich wollte am Ende nicht in Nicos Schuhen stecken. Es war ja jedem klar, was Lewis vorhatte. Er war so langsam wie ein Bus unterwegs, und er wollte Nico in uns reintreiben. Ich wollte das Rennen für Ferrari gewinnen, aber ich wusste auch, dass Lewis und Nico um die WM fuhren.“

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