Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016 Wilhelm
Lewis Hamilton - GP Mexiko 2016
Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016
Verstappen & Ricciardo - GP Mexiko 2016
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Ferraris verpasste Chancen

Wenig Ideen, viele Fehler

Ferrari wartet seit Monza auf ein Podium. Das von Mexiko verloren die Italiener 3 Stunden nach dem Rennen im Büro der Rennleitung. Es war der negative Höhepunkt eines Wochenendes, in dem sich Ferrari wieder einmal auf den eigenen Füßen stand.

Der GP Mexiko war für Ferrari ein Spiegel der Saison. Es gab Rennen, in denen die Scuderia von Anfang an chancenlos war. Russland, Silverstone, Hockenheim, Sepang, Austin. Und solche, in denen sogar ein Sieg möglich gewesen wäre, hätte Ferrari 3 fehlerlose Tage geschafft. Doch irgendwann während dieser besseren Wochenenden stolperte das Team aus Maranello immer über die eigenen Füße.

Ferrari stolpert über eigene Füße

In Melbourne ging die Risiko-Strategie mit den weichen Reifen nicht auf. In Barcelona verlor man das Taktik-Duell gegen Red Bull. In Monte Carlo fanden die Reifen am Samstag plötzlich keinen Grip. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen bezahlten mit schlechten Startplätzen. In Montreal traute man sich nicht ein Rennen mit einem Boxenstopp zu. In Spielberg platzte ein Reifen. In Singapur verbannte ein Problem an der Hinterachse Vettel in die letzte Startreihe.

In Mexiko scheiterte Ferrari zum wiederholten Male am Verständnis der Reifen. Ferrari war schnell am Freitag und schnell am Sonntag. Das Rennen wurde am Samstag verloren. Als die Ingenieure wieder einmal nicht in der Lage waren, die Reifen für einen Anstieg der Asphalttemperaturen um 27 Grad zu konditionieren.

Räikkönen bremste dazu noch ein Motorproblem. Zum wievielten Mal? Die Defekte sind austauschbar. Motor, Getriebe, Hinterachse. Vettel und Räikkönen mussten wegen Getriebewechseln schon 4 Mal um 5 Startplätze zurück.

Temperaturwechsel sind Gift für Ferrari

Zugegeben, die Reifen sind heikel. Williams-Technikchef Pat Symonds sagt, dass bei bestimmten Umständen das Reifenfenster manchmal mikroskopisch klein wird. „3 Grad rauf oder runter können einen Riesenunterschied ausmachen.“ Das zu treffen wird besonders dann zur Wissenschaft, wenn sich die Temperaturen so verschieben, dass der schnellste Reifentyp am Samstag nicht zum Wetter passt. Wie in Mexiko.

Der Supersoft-Gummi ist ein so genannter „Low working range“-Reifen. Soll heißen: Es fühlt sich bei niedrigen Temperaturen besonders wohl. Wenn es plötzlich wärmer wird, müssen die Ingenieure mit dem Fahrzeug-Setup, dem Reifendruck, den Temperaturen in den Heizdecken und die Fahrer mit dem Aufwärmprozess auf der Strecke reagieren.

Mercedes, Red Bull und Force India können das fast immer. McLaren meistens. Und Ferrari? Nur ganz selten. Teamchef Maurizio Arrivabene erinnerte daran, dass man das Mexiko-Problem schon mehrmals in dieser Saison gehabt hat. In Monte Carlo, in Baku, in Hockenheim, in Austin. Den Preis bezahlt Ferrari im Rennen.

Was hilft es Vettel, wenn er hinterher weiß, dass er das Tempo der Mercedes und Red Bull hatte? Wer nach 10 Runden 11,3 Sekunden Rückstand auf die Spitze hat, weil er im Verkehr steckt, wird mit der besten Taktik der Welt nicht gewinnen. Dass Vettel dann noch den dritten Platz von Mexiko am grünen Tisch verlor, passte ins Bild. Wenn der Wurm mal drin ist, bleibt er drin.

Unsichtbarer Druck lähmt Ferrari

Der frühere Ferrari-Mitarbeiter Luca Baldisserri hat mit seiner Kritik Recht gehabt, dass in Maranello ein Klima der Angst herrscht. Da kann Arrivabene im Tagesgeschäft noch so viel auf gute Stimmung machen. Der Druck ist unsichtbar. Er kommt von ganz oben. Weil jeder weiß, was der Anspruch ist. Auch wenn er gerade nicht mehr öffentlich ausgesprochen wird.

Auch Jean Todt musste in der Schumacher-Ära Erfolge abliefern. Auch der damalige Präsident Luca di Montezemolo hat plakativ Siege gefordert. Doch Todt hielt dem Team den Rücken frei. Gegen Montezemolo. Gegen die Presse. Gegen interne Heckenschützen. Technikchef Ross Brawn und Chefdesigner Rory Byrne haben im Technikbüro eine Kultur geschaffen, die auf dem Motto aufbaute: Ein Fehler ist erlaubt. Zwei Mal der gleiche nicht.

Es kann nicht sein, dass es im Designbüro von Ferrari keine Ideen gibt. Doch seit 3 Jahren sieht man an den roten Autos nichts mehr, das ein Alleinstellungsmerkmal hätte. Wer Angst vor dem Scheitern hat, traut sich nichts. Weder am CFD-Computer, noch am Kommandostand. Genau das ist die Stärke von Mercedes und Red Bull. „Wenn bei uns in Hockenheim beim Boxenstopp ein Fehler mit der Stoppuhr passiert, dann ist die Stoppuhr schuld und nicht der Mann, der sie bedient“, erklärt Teamchef Toto Wolff.

Der aktuelle SF16-H ist ein Puzzle von Konzepten anderer. Da trägt der Force India mehr Eigenleistung in sich. Und das mit einem Drittel des Budgets und einem Drittel der Leute. Nico Hülkenbergs fünfter Startplatz muss auf Ferrari wie eine Ohrfeige gewirkt haben.

Viele im Formel 1-Zirkus befürchten, dass Ferrari aus diesem Dilemma nur schwer wieder rauskommen wird. Präsident Sergio Marchionne hat seinem Team die Daumenschrauben noch fester gezogen. Für das Unternehmen Wiederaufbau gibt es keinen Cent mehr als jetzt vorhanden ist. Mit anderen Worten: Das Budget ist eingefroren.

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