Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 10. Mai 2019 Motorsport Images

Ferrari muss Motor-Plan umstellen

Saison ohne Strafen noch möglich

Der vorgezogene Einsatz des zweiten Motors zwingt Ferrari beim Einsatz der Motoren auf Plan B umzuschalten. Trotzdem ist es noch möglich, mit nur drei Antriebseinheiten durch die Saison zu kommen. Wir erklären warum.

Honda, Renault und Ferrari haben schon im fünften Rennen ihre zweiten Motor-Spezifikation im Umlauf. Honda und Renault wurden durch Schäden bei Motor 1 dazu gezwungen. Ferrari hat den Schritt freiwillig getan. Oder doch nicht?

Bei der Konkurrenz wurde vermutet, dass Ferrari den Einsatz des zweiten Motors vorgezogen hat, um einen sich anbahnenden Defekt zu verhindern. Teamchef Mattia Binotto bestreitet das: „Wir haben in Melbourne gemerkt, dass wir bei der Aerodynamik und beim Motor Rückstände haben. Deshalb haben wir die Programme vorgezogen.“

In diesem Fall kann sich das angesprochene Defizit beim Motor nur um den Benzinverbrauch drehen. Sebastian Vettel und Charles Leclerc mussten beim GP Australien in der Endphase massiv Sprit sparen. In Baku wiederholte sich die Benzinspar-Nummer.

Dafür würde auch die neue Ölspezifikation von Shell deuten. Vermutlich sollte dünnflüssigeres Öl die innere Reibung reduzieren. Benzinsparen ist bei den aktuellen Antriebseinheiten gleichzeitig mit einem Leistungsgewinn verbunden. Somit war Ferraris Eingriff nicht nur eine Notoperation.

Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 9. Mai 2019
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In Barcelona baute Ferrari die zweite Motor-Spezifikation ein.

Motor 1 muss noch zwei Rennen schaffen

In Barcelona stellten sich viele Ferrari-Fans die bange Frage, ob wegen des verfrühten Einsatzes von Motor 2 nicht irgendwann Motorstrafen drohen. Binotto beruhigte: „Wir können immer noch mit dem vorgeschriebenen Kontingent von drei Motoren über die Distanz kommen.“ Allerdings muss Ferrari seinen Einsatzplan massiv umstellen.

Mercedes-Motorenchef Andy Cowell erzählt uns, was es für Mercedes in einer vergleichbaren Situation bedeuten würde: „Um es mit drei Motoren zu schaffen, muss Motor Nummer 1 wenigstens noch bei zwei Rennen zum Einsatz kommen. Weil es von den drei Motoren der mit der geringsten Leistung ist, würden wir versuchen, ihn in Monte Carlo und Singapur noch einmal ins Auto zu stecken. Und entsprechend viele Freitage.“ Es könnte also gut sein, dass Ferrari in Monaco noch einmal den alten Motor ausgräbt.

Da Ferrari seine Entscheidung erst in Melbourne getroffen hat, waren von der Entwicklungsabteilung und der Produktion einige Klimmzüge notwendig. Ingenieure und Mechanikern blieben nur sieben Wochen Zeit, die Änderungen auf den Weg zu bringen. Das ist für Motorkomponenten ein extrem enges Zeitfenster und würde erklären, warum Haas und Alfa Romeo die zweite Spezifikation erst in Monte Carlo bekommen. In Barcelona waren einfach noch nicht genügend Teile für sechs Triebwerke fertig produziert.

Ferraris Plan B ist auch aus einem anderen Grund noch kein Weltuntergang, wie uns Cowell erklärt: „Motor 1 ist generell der Motor mit der geringsten Laufzeit, vor allem wenn man während der Testphase im Winter noch das ein oder andere kleine Problem entdeckt. Bis Melbourne bleibt kaum Zeit zu reagieren. Also ist dieser Motor per Definition etwas weniger zuverlässig als die Motoren 2 und 3. In die fließt ja schon die ganze Erfahrung der erste Saisonphase mit ein.“

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