Charles Leclerc - Ferrari - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Qualifikation xpb
Lance Stroll - Aston Martin - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - Samstag - 5.6.2021
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Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - Samstag - 5.6.2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - Samstag - 5.6.2021 32 Bilder

Leclerc auf Pole, Ferrari wird zum Allrounder

Leclercs nächster Husarenritt Ferrari wird zum Allrounder

GP Aserbaidschan

Wer hätte das gedacht? Ferrari hat ein Paket, das nicht nur Strecken für maximalen Abtrieb meistert. Der SF21 ist inzwischen ein aerodynamisch effizientes Auto. Charles Leclerc brauchte einen Windschatten, um auf die zweite Pole der Saison zu rasen. Teamkollege Carlos Sainz verlor sein Auto im Finale, nachdem sich Yuki Tsunoda vor ihm abgelegt hatte.

Es ist der letzte Beweis, dass Ferrari über den Winter großartige Arbeit verrichtet hat. Charles Leclerc auf Pole-Position für den fünften Grand Prix in Aserbaidschan. Maranello hat in den letzten Monaten nicht nur den Motor generalüberholt, sondern seinem Auto auch Allrounder-Qualitäten antrainiert. Kein Rennwagen ist besser in verwinkelten Kurven als der SF21. Das zeigte das Rennwochenende in Monte Carlo und bestätigt Baku.

Was Ferrari aber noch viel mehr freuen dürfte, ist die Tatsache, dass das rote Auto nicht nur auf einer Strecke abliefert, die maximalen Anpressdruck verlangt. In Monaco schnallen die Teams alles drauf, was irgendwie Abtrieb geniert. Luftwiderstand und Motorleistung spielen dort wegen der kurzen Geraden keine Rolle. Ganz anders verhält es sich auf dem Baku City Circuit. Hier sind nur Autos schnell, die windschlüpfrig sind und gleichzeitig genug Haftung aufbauen in den 20 Kurven.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Qualifikation
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Für Leclerc ist es die zweite Pole der Saison und die neunte der Karriere.

Ineffizientes Auto ist Geschichte

Genau darin lag in den letzten Jahren Ferraris große Schwachstelle. Die aerodynamische Effizienz war eine großes Manko, das bis einschließlich 2019 noch ein kraftvoller Motor kaschiert hatte. Doch als Ferrari im Vorjahr beim Antrieb zurückrüsten musste, wurde die Ineffizienz zu einem riesigen Laster. Das ist mit dem SF21 anders.

Dem V6-Turbo aus Maranello fehlen immer noch rund 20 PS auf den Mercedes. Ferrari muss deshalb in Baku einen kleinen Heckflügel fahren, um auf den Geraden kein zu leichtes Opfer zu sein. Die Ferrari gehören deshalb zu den schnellsten Autos auf der langen Zielgeraden. Und trotzdem verlieren sie in den Kurven keine Zeit. Viel mehr noch. "Ferrari ist in den 90-Grad-Kurven der Maßstab", stellen Red Bulls Ingenieure fest.

Besonders im zweiten Streckenteil mit elf Kurven spielen die Ferrari ihren Vorteil aus. Doch sie sind auch in den anderen beiden Abschnitten voll bei der Musik. "Dass wir hier wieder so schnell sind, ist ein gutes Zeichen für die Zukunft", sagt der Pole-Mann, bevor er sein Team anstachelt und gleichzeitig lobt. "Wir müssen so weitermachen. Seit unserem missraten Start 2020 haben wir viel Arbeit in das Auto investiert – sowohl in der Fabrik als auch auf der Rennstrecke. Seither machen wir viele kleine Schritte, die alle in die richtige Richtung gehen. In Summe haben wir einen großen Sprung gemacht."

Der Windschatten als Helfer

Eine der großen Stärken des roten Autos ist es, dass es die Reifen sofort anzündet. McLaren-Teamchef Andreas Seidl staunt. "Ferrari fuhr wie in Monaco raus und war sofort schnell. Das ist ein Zeichen dafür, wie gut das Auto ist. Die Fahrer haben dadurch sofort Vertrauen." Leclerc brauchte auch das Glück des Tüchtigen, um zum neunten Mal in seiner Laufbahn auf die erste Startposition zu brausen. Ein Mercedes spendete ihm zur richtigen Zeit Windschatten. Das kaschierte eine zum Teil unsaubere Runde. Der Monegasse mahnte Fehler in den Kurven vier bis sechs an. "Meine Runde war alles andere als optimal. Ich hatte drei Fehler drin. In Schlusssektor hat mich zum Glück Lewis gezogen. Das hat ein paar Zehntel gebracht."

Doch in dieser Beziehung herrschte Gleichstand. Auch der Weltmeister ließ sich über die Gerade ziehen. Im Schlepptau von Teamkollege Valtteri Bottas gewann er drei Zehntelsekunden. Im Ziel hatte das rote Auto gegenüber dem schwarzen um 232 Tausendstel die Oberhand. Nur Max Verstappen war auf verlorenem Posten. Ohne Vordermann verfehlte der WM-Führende die Pole-Zeit von 1:41.218 Minuten um 0,345 Sekunden.

Leclerc sprach von einer unerwarteten Bestzeit. Man sei davon ausgegangen, mit McLaren um die Plätze hinter Red Bull und Mercedes zu kämpfen. "Oder sogar ein bisschen hinter McLaren zu sein", berichtete Leclerc. Obwohl sich wie in Monaco bereits in den Trainings abzeichnete, dass die Italiener ein pfeilschnelles Auto haben. In allen drei Übungseinheiten lagen Leclerc und Teamkollege Carlos Sainz unter den schnellsten fünf Fahrern. Doch Ferrari erwartete, dass die Konkurrenz im entscheidenden Moment mehr Reserven würde freisetzen können. Vielleicht war es auch ein bewusstes Tiefstapeln.

Lewis Hamilton - Charles Leclerc - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Qualifikation
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Gegen Lewis Hamilton setzte sich der Ferrari-Pilot um 32 Tausendstel durch.

Leclerc sieht sich nicht als Favorit

Der Schlussspurt ähnelte dem Quali-Finale von vor zwei Wochen. Mit einem großen Unterschied. Dieses Mal landete nicht Leclerc in der Barriere, sondern der Teamkollege. Sainz hatte sich im letzten Anlauf in der dritten Kurve von der Strecke gedreht. Es war das Ergebnis eines misslungen Ausweichmanövers gegen Yuki Tsunoda, der vor dem Ferrari mit der Startnummer 55 in der Tecpro-Schutzmauer klebte.Wegen der roten Flagge musste Leclerc seine letzte Runde abbrechen. Wie die Konkurrenz. Dem Monegassen war es recht. So stand er sicher auf Pole-Position.

Es müsste am Rennsonntag schon mit dem Teufel zugehen, wenn das Auto mit der Startnummer 16 dieses Mal nicht auf den Sonnenplatz in der Startaufstellung rollt. In Monaco hatte er aufgrund eines Folgeschadens nach seinem Leitplanken-Einschlag in der Qualifikation nicht einmal am Rennen teilnehmen können. Jetzt ist der SF21 intakt und dem Team steht keine schlaflose Nacht bevor.

Dieses Mal werden sich Red Bull und Mercedes mit den roten Raketen herumschlagen müssen. Sofern Ferrari seine Reifenprobleme vom Freitag gelöst hat. Im Training klagte Leclerc über starkes Graining auf den Hinterreifen. So büßte der Ferrari-Pilot im Longrun mehr als drei Sekunden gegenüber seiner Startrunde ein.

Der zweimalige GP-Sieger führt die Probleme mitunter darauf zurück, dass ihm nach seinem Trainingsunfall der Rhythmus fehlte. "Es war wenig förderlich, in der Mauer zu stecken. Da hat mir das Gefühl für die Reifen im Longrun gefehlt. Ich bin nicht optimal gefahren nach dem Unfall." Von der Favoritenrolle will er trotzdem nichts wissen. "Red Bull und Mercedes waren am Freitag schneller als wir."

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