Ferrari Präsident Luca di Montezemolo

"Wir müssen unsere Einstellung ändern"

Luca di Montezemolo Foto: dpa 27 Bilder

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ist verständlicherweise nicht zufrieden mit dem Saisonstart seines Formel 1-Teams. Damit die Scuderia wieder nach vorne kommt, müsse die Einstellung geändert werden.

"Wenn man so viel gewinnt wie wir, dann denkt man manchmal, dass man der Beste ist und dass es leicht sei, den Spitzenplatz zu verteidigen. Ich will, dass wir die Einstellung ändern", sagte Montezemolo am Rande des Bahrain Grand Prix. Mit null Punkten nach drei Rennen steht der amtierende Konstrukteursweltmeister fast am Ende des Feldes. Nur Force India steht ebenfalls ohne Zähler da.

Kein schneller Erfolg

"Ich habe Vertrauen, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Vielleicht nicht sofort, aber bald." Für die sportliche Talfahrt macht der Präsident drei Gründe verantwortlich. "Erstes haben wir ein schlecht geschriebenes Regelement mit Grauzonen, die einige Teams anders interpretiert haben als wir." Damit meint Montezemolo vor allem die Diskussion um den Doppeldiffusor, mit dem es Brawn GP an die WM-Spitze gebracht hat.

"Zweitens starten wir direkt mit KERS, einer Technologie, die viel Geld kostet und Probleme mit der Zuverlässigkeit nach sich zieht." Nach Aussage Montezemolos hat Ferrari schnell mit der Entwicklung des Hybrid-Antriebs begonnen. "Wir waren überrascht, dass es nur ein Vorschlag war. Jetzt haben wir drei verschiedene Meisterschaften: Autos mit dem (doppelten) Unterboden, Autos ohne den Unterboden aber dafür mit KERS und Autos ohne KERS und ohne den Unterboden."

Brawn GP ist Honda mit anderem Namen

Als dritten Grund für die sportliche Situation nannte Montezemolo den harten Kampf um den WM-Titel im vergangenen Jahr: "Wir konnten deshalb erst sehr spät mir der Entwicklung beginnen, und das vor einer Saison, in der das Reglement komplett neu ist." Für den Erfolg von Brawn GP hat der Ferrari-Präsident eine einfache Begründung: "Als das Auto früh in der vergangenen Saison entwickelt wurde, hatte Honda eines der größten Budgets der Formel 1. Das Auto hat nur einen anderen Namen und eine andere Interpretation der Regeln, was auch an den Grauzonen im schlecht formulierten Reglement lag."

Über Ross Brawn wollte sich der Ferrari-Boss aber nicht negativ äußern: "Ich mag Ross sehr. Er war Teil der Ferrari-Familie in einer wichtigen Zeit für uns." Trotz der sportlichen Unterschiede will der FOTA-Chef eine Spaltung verhindern. Die Einheit sei sehr wichtig, so Montezemolo. "Wir haben am 6. Mai ein FOTA-Meeting in London. Wir wissen leider immer noch nicht, wie die Regeln für die nächste Saison aussehen. Wir brauchen Stabilität für die Zukunft."

"F1-Leidenschaft keine unendliche Geschichte"

Zum Thema Budget-Begrenzung wollte sich der Italiener nicht konkret äußern. Allerdings ist bekannt, dass Ferrari die Pläne der FIA zu einer niedrigen Ausgabengrenze nicht begrüßt: "Wir sind seit 1950 in der Formel 1. Der Wettbewerb ist Teil unserer Firmenphilosophie. Die intensive Forschung im Bereich der Motoren, der Elektronik und auch KERS geht bei uns direkt in die Serienentwicklung ein." Am Schluss sprach Montezemolo noch eine kleine Drohung aus: "Ferrari besitzt eine große Leidenschaft, aber das ist keine unendliche Geschichte."

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