Sebastian Vettel - Ferrari - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Vettel - Hamilton - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Sergio Perez - Racing Point - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen 58 Bilder

Punkteregen für Ferrari: Vettel auf dem Podest

Punkteregen für Ferrari in Istanbul Vettel in letzter Runde aufs Podest

Ferrari hatte in der Türkei das beste Wochenende des Jahres. Sebastian Vettel erlebte endlich einen reibungslosen Grand Prix und belohnte sich mit dem Podest. Teamkollege Charles Leclerc warf es in der letzten Rennrunde weg.

Wer hätte das gedacht? Im Seuchenjahr 2020 mit Corona, Pleiten, Pech und Pannen erlebte Sebastian Vettel doch noch ein Highlight. Zum ersten Mal in dieser Saison kletterte der Ex-Weltmeister auf das Podest. Zum ersten Mal seit Mexiko 2019. "Es ist schön, nach einer so langen Durststrecke wieder ein Erfolgserlebnis zu haben. Aber ich habe auch in der schlechten Phase immer an mich geglaubt und in meine Fähigkeiten vertraut", erklärte ein sichtbar erleichterter Pilot.

Ausgerechnet im ersten Rennen, das Teamchef Mattia Binotto nicht vom Kommandostand verfolgte, sondern aus der Fabrik in Maranello, erzielte Ferrari sein bestes Saisonergebnis. Sebastian Vettel Dritter, Charles Leclerc Vierter. Da war der Podest-Stürmer direkt für einen Spaß zu haben. "Wenn wir im nächsten Rennen wieder so gut abschneiden, sollte Mattia vielleicht immer zuhause bleiben." Ferrari ergatterte im Regen von Istanbul 27 WM-Punkte.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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Mit einem guten Start schwamm Sebastian Vettel vor in die Spitzengruppe.

Weniger Regen hilft Ferrari

Wer glaubt, Ferrari habe eine Wunderheilung vollzogen, ist auf dem falschen Dampfer. Der SF1000 ist durch eine Reihe von Upgrades in den letzten Rennen zwar besser und berechenbarer geworden, noch immer aber kein verlässliches Auto unter allen Bedingungen. Ferrari ist weit davon entfernt, einen Allrounder zu haben. Als Beleg dienen die Vorstellungen vom Samstag und Sonntag. Im Qualifying scheiterten die roten Autos im zweiten Durchgang. Im Rennen zauberten sie plötzlich konkurrenzfähige Rundenzeiten auf den Asphalt, obwohl es in beiden Fällen nass war.

In Istanbul hing alles von den Reifentemperaturen ab. Wer die Pirellis ins Fenster brachte, war schnell. Und konnte Defizite bei Abtrieb und Leistung nicht nur ausgleichen. Sie spielen dann einfach keine Rolle. Das Auto rückt in den Hintergrund, die Fahrer in den Vordergrund und die Reifen in den Mittelpunkt. "Unter diesen Verhältnissen kannst du als Fahrer einen Unterschied machen", weiß Vettel. Auf dem aalglatten Asphalt schafften er und Leclerc das, was ihnen in der Qualifikation nur im ersten Teil gelungen war. Die Reifen auf nasser Strecke anzuzünden.

Ferrari hat über Nacht aber kein Heilmittel gefunden. Die Autos dürfen zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr angefasst werden. Die Bedingungen bauten der Scuderia eine Brücke. Es regnete nur vor dem Rennen. Zum Rennstart war es zwar nass, aber nicht so nass wie noch am Samstag. "Der Regenreifen funktionierte prompt viel besser. Trotzdem hatten wir darauf noch unsere Schwächen. Das hat man im Vergleich zu Racing Point gesehen, die uns davonfuhren", berichtete Vettel.

Endlich freie Bahn für Vettel

Die blaumarkierten Full Wets und der rote Ferrari harmonierten nur bedingt. Ferrari profitierte, dass schon nach sechs Runden die Intermediates die besseren Reifen waren. Leclerc steckte direkt um. Vettel zog zwei Runden später nach. Auf den Intermediates war Ferrari schon am Samstag schnell gewesen. Und auf diesem Reifen bestritten alle Piloten das restliche Rennen.

Vettel und Leclerc erlebten einen gegensätzlichen Grand Prix: Sie starteten zwar nebeneinander, doch ihre Wege kreuzten sich erst nach 40 Runden. Da überholte der Monegasse seinen Teamkollegen und machte sich auf die Jagd nach Sergio Perez. Bis zu seinem zweiten Reifenwechsel war Leclerc noch im Mittelfeld festgesteckt. Die Entscheidung, die alten Intermediates gegen eine neue Garnitur zu tauschen, zahlte sich bei ihm voll aus.

Bei Vettel hingegen verhielt sich der Fall anders. Ein Blitzstart brachte den 33-jährigen Heppenheimer aus der sechsten Reihe bis auf die vierte Position nach vorn. Vettel hatte Glück, als Elfter auf der richten Seite der Startaufstellung zu sehen. Sein Teamkollege rutschte auf der linken Seite vom zwölften auf den 14. Platz ab. "Ich bin gut weggekommen. In der ersten Kurve bin ich es vorsichtig angegangen. Dort kannst du so ein Rennen nicht gewinnen, sondern nur verlieren. Ich habe abgewartet, bis der Weg auf der Innenseite frei wurde." Vettel schaute zu, wie sich zwei Mercedes und zwei Renault vor ihm gegenseitig bekriegten.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Türkei 2020 - Istanbul - Rennen
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Charles Leclerc profitierte von seinen frühen Wechseln auf die Intermediate-Reifen.

Zeitweise vor Sieger Hamilton

Ein Fehler von Lewis Hamilton brachte Vettel einen weiteren Positionsgewinn in der Startrunde. Plötzlich war der Ex-Weltmeister Dritter. Mit freier Sicht nach vorn. Endlich einmal studierte Vettel nicht den Diffusor eines anderen Autos. Bei freier Fahrt konnte der Routinier sein Tempo fahren und so die Reifen auch leichter auf Temperatur bringen und halten. "Der Start war sicher ausschlaggebend für mein Rennen. Wenn du vorne bist, fällt dir alles viel leichter."

Einzig auf den Intermediate-Reifen hatte Vettel zum jeweiligen Beginn des Stints seine Probleme. Im Gegensatz zu Leclerc. "Da bin ich nicht sofort in Schwung gekommen. Es dauerte ein paar Runden, bis ich mich auf den Intermediates wohl fühlte." Sein Glück an diesem Tag. Es gab auf einer auftrocknenden Rennstrecke eigentlich nur eine Linie. Abseits der Rennlinie rutschten die Autos noch mehr, als sie es ohnehin schon taten. Und so schaffte es nicht einmal der spätere Sieger vorbei. Lewis Hamilton brauchte schon eine andere Taktik, um Vettel zu überholen.

Mercedes ließ seinen Superstar bis ins Ziel auf dem einen Intermediate-Satz. Ferrari hingegen entschied sich in den Runden 30 und 33 für jeweils eine zweite Garnitur der grünmarkierten Pirellis. Vettel folgte dem Beispiel des Teamkollegen, der sofort schnellere Rundenzeiten auf die Bahn knallte.

Zum Zeitpunkt seines zweiten Stopps lag Vettel sogar noch 1,3 Sekunden vor Hamilton. Doch Ferrari steckte ein zweites Mal um, weil die Vorderreifen zu stark körnten, und der Wetterbericht einen Regenguss für die Schlussphase versprach. Da wollte man sich auch mit beiden Autos mit frischen Gummis eindecken. "Ich hätte wahrscheinlich stärker attackieren müssen, um die Phase des Grainings zu überstehen. Da war ich zu konservativ und bezahlte es mit einer körnenden Oberfläche." Hamilton machte es besser, überstand das Körnen und brauste zum Sieg.

Leclerc verhaut Podest

In den letzten 20 Runden kokettierte Vettel sogar mit Slickreifen. Der 53-fache GP Sieger witterte doch noch die Chance auf den großen Coup. "Doch die Vorhersage für neuen Regen hat uns davon abgehalten, einen Versuch zu wagen." Die Nummer war ihm doch zu heiß. Die Schlussphase wurde auch ohne Regen zu einem Krimi.

Nach seinem Überholmanöver sah es danach aus, dass Leclerc den letzten Podestrang erobert, und nicht Vettel. Der Monegasse war gierig nach mehr. Auf ihren frischen Intermediates holten die Ferrari mit Siebenmeilenstiefel auf den vor ihnen fahrenden Racing Point von Sergio Perez auf, der sich mit abgewetzten Reifen quälte.

In der letzten Runde hatte Leclerc den pinken Rennwagen eingeholt. Doch dann unterlief ihm in der drittletzten Kurve ein folgenschwerer Fehler. Mit stehendem Vorderrad purzelte Leclerc von der Ideallinie. Perez und Vettel schlüpften wieder durch. "Mein Fehler. Ich habe Kurve zwölf innen angebremst. Dort war einfach kein Grip. Deshalb wurde ich zu weit herausgetragen", bedauerte der Monegasse.

Eine Runde mehr und Vettel hätte sich noch Perez geschnappt. Doch der verpasste zweite Platz war kein Anlass zur Trauer. Nach dem Doppelschlag von Istanbul kann Ferrari in den letzten drei Rennen doch noch Hoffnung schöpfen, eine verkorkste Saison versöhnlich ausklingen zu lassen. Der sechste Platz in der Team-WM ist so gut wie abgesichert. Renault ist in Reichweite. Auf die Franzosen fehlen Ferrari nur noch sechs Punkte. Und selbst McLaren und Racing Point sind nicht einteilt. Ferrari machte mehr Punkte als die versammelte Konkurrenz im Mittelfeld. Ein weiteres Chaosrennen, und der dritte Platz könnte doch noch herausspringen.

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