Louis Camilleri - Mattia Binotto - Ferrari xpb
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Ferrari stellt Quartalszahlen vor

Umsatzverlust durch Formel-1-Ausfälle

Ferrari gilt als Gegner einer niedrigeren Budget-Obergrenze in der Formel 1. Doch sinkende Einnahmen könnten zu einem Umdenken führen. Zumindest lassen sich so Aussagen von Ferrari-Oberhaupt Louis Camilleri gegenüber Investoren verstehen.

Ursprünglich hatte die Formel 1 für 2021 eine Budget-Obergrenze von 175 Millionen Dollar (162 Millionen Euro) vereinbart. Doch dann kam die Coronakrise. Die ersten zehn Saisonrennen sind entweder verschoben oder wie im Fall von Melbourne, Monte Carlo und Paul Ricard bereits ganz abgeblasen.

Rechteinhaber Liberty Media brechen die kommerziellen Einnahmen weg. Ohne Rennen fließt auch kein Geld von den Streckenbetreibern und Promotern. Und ohne Rennen müssen auch die TV-Anstalten nicht bezahlen. Die Teams müssen deshalb das Sparen lernen. Selbst die Großen. Die Umsätze brechen ein, die laufenden Kosten für Fabrik und Personal bleiben.

Zustimmung unter Bauchschmerzen

Liberty Media und die FIA begreifen die Krise als Chance, um die Ausgaben zu senken. Man will aus der Not eine Tugend machen. Die Budget-Obergrenze soll fallen. 2021 aller Voraussicht nach auf 145 Millionen Dollar (134 Millionen Euro). In den folgenden Jahren soll die Summe weiter reduziert werden.

Bislang hatte sich Ferrari gegen eine zu drastische Verringerung gesträubt. Schon der ursprünglichen Budgetdeckelung von 175 Millionen hatte Ferrari im letzten Jahr erst in letzter Sekunde zugestimmt. Ende Oktober 2019 gab der erfolgreichste Rennstall der Formel 1-Geschichte seine Vorbehalte auf und machte den Weg frei für das neue Reglement. Plötzlich waren auch Mercedes und Red Bull an Bord.

Die aktuelle Krise zwingt die Formel 1 zu weiteren Einschnitten. Es sieht ganz danach aus, dass selbst Ferrari unter Bauchschmerzen einer weiteren Reduzierung des Budget Caps zustimmt. Doch zu weit soll die Obergrenze nicht fallen. So ließ es zumindest Teamchef Mattia Binotto verlautbaren. Sollte Ferrari zu weit abrüsten müssen, wäre der Rennstall möglicherweise gezwungen, sich nach weiteren Optionen neben der Formel 1 umzusehen. Binotto warnte davon, vorschnell zu handeln. Nicht wenige verstanden das als eine Art verdeckte Ausstiegsdrohung.

Ferrari - SF1000 - F1-Test Barcelona 2020
Ferrari
Bisher lehnte Ferrari zu starke Restriktionen ab.

Obergrenze für Wirtschaftlichkeit

Ferrari fährt einen gewissen Zickzack-Kurs. Mal ist man für Einschnitte, mal dagegen. Dass Ferrari einer weiteren Absenkung für 2021 nicht im Weg steht, deutete CEO Louis Camilleri nach Vorstellung der Quartalszahlen in einer Telefonkonferenz gegenüber Finanzinvestoren an. Das soll aber nicht heißen, dass Ferrari mit dem Stufenplan einverstanden ist, wonach der Budgetdeckel ab 2023 bis auf 135 Millionen Dollar fällt. Camilleri hofft, dass die Einbrüche bald der Vergangenheit angehören und die Formel 1 sowie der Markt spätesten 2021 wieder zur Normalität zurückkehren.

Das Oberhaupt des italienischen Sportwagenbauers ließ verlautbaren, dass die Formel 1 große Fortschritte beim Einfrieren bestimmter Komponenten für das Reglement und der Ausarbeitung der Budget-Obergrenze mache.

Camilleri schlug für Ferrari ganz neue Töne an. "Wir hoffen weiterhin, dass eine solche Obergrenze die Formel 1 für alle Teilnehmer wirtschaftlicher macht und gleichzeitig sicherstellt, dass sie die weltweit führende Rennmeisterschaft bleibt und die Quelle bedeutender Fortschritte bei Innovationen und Technologien im Automobilbereich darstellt." Ferrari sorgt sich um das Wohl anderer Teams. Das hörte man in der Vergangenheit nicht oft.

In der Coronakrise ist Sparen angesagt. Selbst für Ferrari mit einem Marktwert von 27,76 Milliarden Euro (Stand 6. Mai 2020). Zum Vergleich: Daimler kommt auf eine Marktkapitalisierung von 32,81 Milliarden Euro.

Rückschläge im F1-Geschäft

Ferrari hat die Corona-Pandemie getroffen. Maranello sperrte die Produktion am 14. März zu. Erst jetzt wird sie nach über sieben Wochen langsam hochgefahren. Die Auswirkungen auf den Produktionsstopp waren im ersten Quartal noch nicht stark sichtbar. Ferrari lieferte sogar mehr Straßensportwagen aus als im Vergleichszeitraum 2019: 2.738 zu 2.610 Sportwagen.

Der Nettoumsatz fiel minimal von 940 auf 932 Millionen Euro. Der Nettogewinn im ersten Quartal betrug 166 statt 180 Millionen Euro. Zwei Posten krachten ins Minus, die unmittelbar mit der Formel 1 zusammenhängen: Der Umsatz für ausgelieferte Motoren fiel von 58 auf 33 Millionen. Hier lähmten Ferrari einerseits geringere Auslieferungen von Straßenmotoren an Maserati. Andererseits auch geringere Einnahmen für die Formel-1-Motoren, die man an HaasF1 und Alfa Romeo liefert.

Die Umsätze aus Sponsoreneinnahmen, kommerziellen Rechten und der Marke Ferrari (Merchandising, Lizenz- und Lizenzgebühren) brachen von 128 auf 89 Millionen Euro ein. Camilleri gibt zu: Diese Posten hängen zum großen Teil von der Formel 1 ab. "Die Einnahmen, die von den Rechteinhabern generiert und an uns ausgeschüttet werden, und die Sponsorengelder sind unsere beiden wichtigsten Umsatzquellen."

Ohne Rennen fließen weniger Gelder der Sponsoren. Die kommerziellen Rechte beziehen sich auf die Ausschüttung der Rechteinhaber der Formel 1. Natürlich haben auch die zwischenzeitliche Schließung des Ferrari-Museums und der Merchandising-Läden zu den Einbußen beigetragen.

Ferrari - F1-Test Barcelona 2020
Wilhelm
Ferrari wird mit der Budget-Obergrenze Personal abbauen müssen.

Ferrari wird abbauen müssen

Bislang hat die Coronakrise Ferrari wirtschaftlich nicht mit voller Wucht getroffen. Im ersten Quartal 2020 hätten ja nur zwei der 22 Rennen ausgetragen werden sollen, die der Kalender vorsah. Viel wird davon abhängen, wie viele Formel-1-Rennen in diesem Jahr noch untergebracht werden können. Die Rechteinhaber hoffen auf 15 bis 18 Grand Prix. Alle Beteiligten wissen: Man ist von der Politik abhängig, die Reisebeschränkungen lockern und Rennen genehmigen muss. Rennen ohne Fans kosten auch Ferrari. Damit sinken die Einnahmen aus Verkäufen von Werbeartikeln wie T-Shirts oder Mützen.

Camilleri sagt: "Die Formel 1 ist zweifellos die Aktivität, die unsere Ergebnisse im Jahr 2020 am härtesten beeinträchtigen wird. Es ist auch das mit Abstand am schwersten vorherzusagende Feld." Wer so spricht, kann schwer gegen eine geringere Budget-Obergrenze in der Formel 1 argumentieren. Oder anders: Wer so spricht, kann schwer argumentieren, dass sein Team mehr als 400 Millionen in die Mission WM-Titel steckt. Jährlich. Und seit 2008 ohne Erfolg. Klingt eher danach, als sei Ferrari erstmals zum Sparen gewillt.

Sicher ist, dass Ferrari wie auch Mercedes und Red Bull und in kleinerem Ausmaß auch Teams wie McLaren und Renault einen Teil seiner Belegschaft mit einer verschärften Budget-Obergrenze abbauen muss. Was nicht in die voraussichtlich 145 Millionen Dollar fällt, sind die Gehälter der topangestellten Ingenieure und Fahrer. Und die Motorenentwicklung.

Für einen Budget Cap bei den Motoren hatte sich Mercedes zuletzt stark gemacht. Die Hybrid-Technik und der Wettbewerb unter den Herstellern Mercedes, Ferrari, Honda und Renault hat die Entwicklungskosten explodieren lassen. Es heißt, Honda habe sich die Aufholjagd etwa eine halbe Milliarde kosten lassen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Ferrari in dieser Frage positioniert. Der Motor war schon immer das Heiligtum der Italiener. Die sonstigen Einschitte kann man eher verkraften. Weil sie vor allem die Aerodynamik treffen, die in den letzten Jahren nicht gerade eine Stärke von Ferrari war.

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