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Red Bull 2004
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Ferrari und Renault gegen Motor-Entwicklungsstopp

Ferrari & Renault gegen Entwicklungsstopp Red Bull-Deal droht zu platzen

Red Bull will ab 2022 den Honda-Motor in Eigenregie weiterbetreiben, braucht dafür aber einen Entwicklungsstopp. Mercedes befürwortet die Idee. Doch Ferrari und Renault sperren sich. Damit braucht Red Bull eine andere Lösung.

Die Formel 1 steckt in einem großen Dilemma. Hondas Rückzug aus der Königsklasse Ende 2021 bringt Red Bull in Bedrängnis. Man hat zwei Teams, aber noch keine Lösung für den Motor. Zurück in den Status eines Kunden, der Motoren von einem anderen Hersteller bezieht, will sich Red Bull nicht drängen lassen.

Nur ein Deal mit Mercedes wäre interessant. Doch die Weltmeister winken ab. Man habe keine Kapazitäten, um neben Williams, Racing Point und McLaren auch noch einen vierten Kunden zu versorgen. Die Motoren von Renault und Ferrari will Red Bull für sich und Alpha Tauri nicht. Zumindest nicht als Plan A. Weil beide Hersteller den V6-Turbo und die dazugehörigen Elektromaschinen für ihre Chassis maßschneidern und obendrein an einem PS-Defizit gegenüber Mercedes leiden. Ferrari deutlich mehr als Renault.

Wolff unterstützt Red Bull

Am liebsten würde Red Bull deshalb mit dem Honda-Sechszylinder ab 2022 in Eigenregie weiterarbeiten. Auch wenn den Verantwortlichen in Salzburg und Milton Keynes klar ist, dass dafür die Mannschaft aufgestockt werden muss, Personal angelernt und Prüfstände sowie Werkzeuge gekauft werden müssen. Diese Turbo-Hybridmotoren sind Wunderwerke der Technik und Höllenmaschinen zugleich. Red Bull traut es sich zu, sie zu warten, die Qualität zu sichern und sie zu betreiben – auch wenn man selbst kein Motorenhersteller ist.

Eine Weiterentwicklung wäre technisch allerdings nicht darstellbar. Weil es zu kompliziert und zu teuer wäre. Und genau deshalb ist der Deal an Bedingungen geknüpft. Die Formel 1 braucht einen Entwicklungsstopp auf der Motorenseite. Ansonsten können Red Bull und Alpha Tauri ab 2022 nicht weiter mit dem Honda-V6-Turbo fahren. Es kommt offensichtlich auch nicht infrage, für das Schwesterteam einen anderen Partner zu suchen. Red Bull und Alpha Tauri wollen ihre Synergien noch weiter vertiefen.

Mercedes steht der Idee offen gegenüber, die Motoren einzufrieren. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sicherte Red Bull seine Unterstützung zu. "Toto würde den Motor wohl am liebsten für 20 Jahre einfrieren", meint Red Bulls Teamchef Christian Horner süffisant. Schließlich hat Mercedes einen Leistungsvorteil gegenüber allen Herstellern.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Emilia-Romagna - Imola - Samstag - 31.10.2020
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Ferrari muss beim Motor aufholen - deutlich mehr als Renault.

Renault und Ferrari müssen aufholen

Ein Verbündeter reicht Red Bull jedoch nicht. Das Motorenreglement ist bis einschließlich 2025 festgeschrieben. Und sowohl Ferrari als auch Renault verweigern ihre Zustimmung, einen Entwicklungsstopp Ende 2021 einzuführen. "Es gibt die zwei Hersteller, die nicht mitmachen. Und wenn das so bleibt, wird es keinen Entwicklungsstopp bei den Motoren geben", fürchtet Mercedes-Teamchef Wolff. "Renault und Ferrari haben ihre Position bezogen. Sie haben ihre Gründe, warum sie dagegen sind."

Sowohl Ferrari als auch Renault verweisen darauf, dass Red Bull ja mit ihnen über einen Motorendeal verhandeln könne. Und schließlich sichert dem Team und Alpha Tauri das Reglement einen Motor zu. Weil Renault mit McLaren 2021 seinen einzigen Kunden verliert, müssten die Franzosen einspringen und die beiden Red Bull-Teams mit Motoren versorgen.

Renault stößt auf, dass Red Bull seine Position innerhalb weniger Monate geändert hat. Erst hatte man sich gegen einen Entwicklungsstopp ausgesprochen. Da hatte man noch Honda an Bord und wollte alles dafür tun, dass den Japanern bei der Aufholjagd zu Mercedes nicht die Hände gebunden sind. In diesem Zusammenhang spielten auch Kosten keine Rolle. Nach Hondas angekündigtem Rückzug musste Red Bull seine Position überdenken – und für einen "Engine Freeze" plädieren.

Ferrari und Renault haben auch kein Interesse daran, die Entwicklung einzustellen, weil sie aufholen müssen. Beide wollen spätestens 2022 angreifen, wenn ein neues Chassis-Reglement in der Formel 1 greift. Dann müssen auch ihre Motoren konkurrenzfähiger sein. Und falls es noch ein Defizit gibt, will man es über weitere Entwicklungsstufen beseitigen.

Auf dem Weg dorthin engt sie das Regelwerk ohnehin ein. Für 2021 ist nur eine Ausbaustufe erlaubt, um in der Corona-Krise die Kosten zu senken. Außerdem wurden die Prüfstandsläufe reduziert. Ferrari gibt außerdem zu bedenken, dass die Formel 1 schrittweise auf CO2 neutrale Kraftstoffe umrüsten will. 2022 mit zehn Prozent E10 als Beimischung. Ab 2023 sollen die Motoren emissionsfrei laufen. Und dafür werden sie umgebaut werden müssen – zum Beispiel mit geänderten Zylinderköpfen.

Jeder verfolgt Interessen

Die Frage ist, ob Red Bull mit einem Partner wie Ilmor eine Umrüstung hinbekommen würde. Ein Aufschub der CO2 neutralen Kraftstoffe ist für die Formel 1 keine Option. Weil es die Lebensversicherung für die Königsklasse des Motorsports ist.

In der aktuellen Gemengelage mit zwei Gegenstimmen droht Red Bulls Masterplan zu platzen. Und dann stellt sich die Frage, was die Konzernführung machen wird. Dabei sein, um mitzufahren, ist Red Bull nicht genug. Der eigene Anspruch ist die Rückkehr an die Spitze der Formel 1. Red Bull will Siege und Titel mit Max Verstappen feiern. Ohne passenden Motor dafür steht selbst der Ausstieg mit zwei Teams zur Debatte.

Christian Horner gibt sich diplomatisch. "Jede Partei verfolgt seine eigenen Interessen. Die Rechteinhaber und die FIA müssen aber das ganze Bild sehen. Der Honda-Ausstieg war eine schlimme Nachricht für die Formel 1. Wir brauchen jetzt konstruktive Gespräche und eine vernünftige Lösung im Interesse des Sports."

Max Verstappen - Red Bull - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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Red Bull braucht einen Plan B für den Motor.

Dann wäre Formel 1-DNA weg

Einer Lösung, die manch einer ins Spiel bringt, gibt Wolff eine Abfuhr. Eine Balance of Performance sei nichts für die Formel 1. "Das wäre der Anfang vom Ende. Das funktioniert in anderen Rennserien schon nicht, und würde es in der Formel 1 schon gar nicht tun. Hier gewinnt der Beste. Die DNA der Formel 1 wäre mit einer Balance of Performance weg."

Gemeint ist, dass das Reglement Ferrari und Renault zum Beispiel ein bisschen mehr Benzin zusteht, um mehr Leistung aus den Motoren zu kitzeln. Doch man würde damit die Mercedes-Motoren-Abteilung in Brixworth bestrafen, wenn herausragende Arbeit sich nicht im Ergebnis widerspiegelt. Eine andere Möglichkeit wäre es, Ferrari und Renault eine weitere Entwicklungsstufe zuzugestehen. Doch wie soll der Rahmen dafür gesetzt werden?

Schließlich haben die Franzosen einen besseren Motor als die Italiener. Und was, wenn Renault und Ferrari dann plötzlich mehr Leistung entfesseln als Mercedes? Da muss man nur eins und eins zusammenzählen, dass Mercedes einer künstlichen Angleichung nicht zustimmen wird. Und die anderen würden den Status quo nie akzeptieren. Weil das PS-Defizit von Renault und Ferrari dann auf Jahre manifestiert wäre. Da könnte man Mercedes die WM-Titel gleich schenken.

Eigentlich bleibt nur ein Weg. Das neue Motoren-Reglement von 2026 um ein paar Jahre vorzuziehen. Doch reicht das aus, um Red Bull zu besänftigen und bei der Stange zu halten? Man müsste mindestens 2022 wieder mit einem Kompromiss leben. Und spätestens da soll Mercedes eigentlich gestürzt werden. Auf die Formel 1 warten stürmische Zeiten.

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