Ferrari deklassiert Mercedes

Opfert Ferrari Renntempo für Pole?

Vettel, Räikkönen & Bottas - GP China 2018 Foto: sutton-images.com 96 Bilder

Ferrari steht schon wieder in der ersten Startreihe. Sebastian Vettel feierte seine 52. Pole Position mit einem Vorsprung von einer halben Sekunde auf die Mercedes. Hat Ferrari etwa Renntempo für ein gutes Trainingsergebnis geopfert? Vettel bestreitet das.

Das war eine Demonstration der Stärke. Wie schon in Bahrain brachte Ferrari beide Autos in die erste Startreihe. Doch diesmal fuhren die roten Rennwagen in einer eigenen Klasse. Sebastian Vettel hängte Valtteri Bottas im schnelleren der beiden Mercedes um 0,530 Sekunden ab. Der Kampf um die Pole Position fand nur zwischen den Ferrari-Piloten statt. Kimi Räikkönen legte mit Bestzeiten in Sektor 1 und 2 vor. Doch dann schlug Vettel im letzten Abschnitt zurück. Räikkönen hatte mit 87 Tausendstel das Nachsehen.

Der Finne konnte am Ende nicht erklären, wo er die Zeit hatte liegenlassen. „Vielleicht waren zwei Kurven nicht ideal. Aber ich habe in der Runde keine groben Fehler gemacht.“ Bei Vettel hat es im Gegensatz zum ersten Versuch im Q3 perfekt gepasst. „Da war ich beim Rausbeschleunigen aus den Kurven 3 und 6 noch etwas zu gierig und bin quergestanden. Im zweiten Anlauf hat alles wunderbar gepasst. Ich musste nur auf den starken Wind aufpassen. Deshalb habe ich immer die Fahnen beobachtet, um zu sehen, woher der Wind weht.“

Ferrari findet Setup-Schlüssel

Sebastian Vettel - GP China 2018 Foto: sutton-images.com
Nach der Bahrain-Pole steht Sebastian Vettel erneut auf dem ersten Startplatz.

Am Freitag sah Ferrari noch nicht wie ein Kandidat für die erste Startreihe aus. Die Fahrer klagten über Balanceprobleme. In der Nacht zum Sonntag fanden die Ferrari-Techniker den Schlüssel zu schnellen Rundenzeiten. „Wir haben das Setup gar nicht so stark verändert. Aber ich hatte schon im dritten Training ein gutes Gefühl mit der Vorderachse. Ab da haben wir das Auto praktisch nicht mehr angefasst. Es wurde von Runde zu Runde besser“, erzählte Vettel. Der Eindruck am Freitag, so der WM-Spitzenreiter, sei auch dadurch verfälscht worden, weil seine Rennsimulationen durch Verkehr und den Regen am Ende gestört worden waren.

Shanghai ist eigentlich Mercedes-Land, weil das Streckenlayout den Vorderreifen mehr fordert als den Hinterreifen. Außerdem fiel die Asphalttemperatur von 21 auf 14 Grad. Kaltes Wetter hilft normalerweise ebenfalls den Silberpfeilen. Sie haben eher ein Problem mit Überhitzen als mit zu kalten Reifen. Doch während die Mercedes sichtbar die Reifen nicht auf Temperatur brachten, war bei Ferrari alles im grünen Bereich.

Die Ferrari-Piloten schienen es auch bei ihren Aufwärmrunden nicht sonderlich eilig zu haben. Trotzdem war sofort so viel Grip da, dass Vettel und Räikkönen schon in den ersten beiden Kurven die entscheidende Zeit auf die Konkurrenz gutmachen konnten. Daran, dass Ferrari mittlerweile auch auf den Geraden auf Mercedes gewinnt, haben wir uns schon gewöhnt.

Ferrari auch für höhere Temperaturen gerüstet

Die Leichtigkeit, mit der Ferrari seine Reifen in ihr Arbeitsfenster brachte, ließ den Verdacht aufkommen, man habe die Autos zu sehr auf die kühlen Bedingungen in der Qualifikation getrimmt, um das Rennen von der Spitze diktieren zu können. Am Sonntag werden um 18 Grad höhere Asphalttemperaturen erwartet.

Vettel sieht in dem angekündigten Wetterwechsel kein Problem: „Wir haben die wärmeren Bedingungen morgen bei unserem Setup berücksichtigt. Ich glaube nicht, dass wir Renntempo geopfert haben, erwarte aber, dass uns Mercedes und Red Bull morgen stärker unter Druck setzen werden.“ Räikkönen pflichtet bei: „Ich habe noch nie gehört, dass man ein Auto für die Qualifikation abstimmt.“

Bei Mercedes geht man davon aus, dass Ferrari am Sonntag leiden muss. Man selbst stimmte die Autos auf Reifenschonen ab, aus Angst der Gummi könnte bei dem prognostizierten Temperaturanstieg körnen. So hofft man sich relativ zu Ferrari am Sonntag zu verbessern. „Wenn Ferrari im Rennen genauso überlegen ist wie heute, dann haben wir ein massives Problem“, hieß es aus dem silbernen Lager.

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