Lewis Hamilton - GP Mexiko 2019 Motorsport Images
Lewis Hamilton - GP Mexiko 2019
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Mercedes gewinnt Angstrennen: Ferrari hat ein Samstags-Auto

Mercedes gewinnt Angst-Grand Prix Ferrari hat ein Samstags-Auto

Ferrari ist mit zwei Autos aus der ersten Reihe gestartet und kam mit einer Doppelführung aus der ersten Runde zurück. Und doch gewann Mercedes den Grand Prix von Mexiko. Warum kann der Ferrari am Sonntag nicht das, was er am Samstag kann?

Ein Punkt vorneweg. Max Verstappen hätte diesen Grand Prix gewinnen müssen. Er hat sich seinen dritten Saisonsieg durch Fehler selbst gestohlen. Unnötige Fehler. Das Missachten der gelben Flaggen in der Qualifikation, die Kollisionen mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas im Rennen. Da spielte dem Holländer die Ungeduld einen Streich.

Bei dem spektakulären Manöver gegen Bottas im Stadion wurde dem Red Bull der rechte Hinterreifen aufgeschlitzt. Nach dem Boxenstopp in der fünften Runde hatte Verstappen einen Rückstand von 59 Sekunden auf die Spitze. Game over.

So wurde das Rennen zum Duell zwischen Ferrari und Mercedes. Als Ferrari mit einer Doppelführung aus der ersten Runde zurückkam, schien eine Vorentscheidung bereits gefallen. Die roten Raketen sind auf den Geraden unüberholbar. Auch mit dem Vorteil von DRS. Und Mercedes schien der schwächere Gegner als Red Bull.

Der bereits feststehende Weltmeister hatte den GP Mexiko zum Angstrennen erklärt. Die Startplätze drei und sechs gaben den Pessimisten im Team zunächst einmal Recht. Die Konstellation nach 10 Runden auch. Ferrari bestimmte an der Spitze das Tempo. Lewis Hamilton hing hinter Alexander Albon fest. Valtteri Bottas musste einen 11-Sekunden-Rückstand wettmachen, den er sich im Zweikampf gegen die McLaren-Piloten eingehandelt hatte.

Nach 71 Runden waren alle Prognosen auf den Kopf gestellt. Mercedes belegte die Plätze 1 und 3, Ferrari die Ränge 2 und 4. Hamilton und Bottas kamen ohne ein Überholmanöver an den Ferrari vorbei. Den Platztausch besorgte allein die Strategie. Charles Leclerc war in dem Augenblick aus dem Rennen um den Sieg, als sich Ferrari bei ihm für ein Zweistopp-Rennen entschied. „Wir wollten uns gegen einen Undercut von Albon absichern“, erklärte Leclerc.

Es war im Rückblick ein Fehler, denn Albon spielte bei der Vergabe der Podiumsplätze keine Rolle. Sebastian Vettel folgte der Papierform der klassischen Einstopp-Strategie. Die besagte, dass man mindestens bis Runde 30 kommen musste, damit sie funktioniert. Mercedes spielte auf Risiko, traute sich mit Hamilton schon in Runde 23 an die Box. Es gab gewissen Anzeichen, dass die harten Reifen 48 Runden lang halten könnten, aber keine Gewissheit.

Charles Leclerc - GP Mexiko 2019
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Am Start lagen die beiden roten Autos noch vermeintlich sicher in Führung.

Ferrari fehlte der Mut

Ferrari hätte Hamiltons Undercut eine Runde später kontern können, doch Sebastian Vettel entschied sich dagegen. Er traute sich nicht zu, so lange auf einem Reifensatz durchzuhalten. Da nahm er lieber in Kauf, dass Hamilton durch den früheren Boxenstopp eine Position gegen ihn gewinnen würde. Ihm schien es wahrscheinlicher, am Ende mit frischeren Reifen Hamilton auf der Strecke den Platz wieder abzujagen.

Doch das Reifendelta spielte an diesem Tag keine Rolle. Die Reifen lieferten so lange ordentlichen Grip, so lange noch Gummi auf der Lauffläche war. Dadurch wurden die Autos auf abgefahrenen Reifen immer schneller. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gab zu: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Reifen so lange halten. Vielleicht hätten wir mutiger sein sollen.“

Ohne den Schachzug des frühen Boxenstopps hätte Mercedes wahrscheinlich nicht das Rennen gewonnen. Binotto war allerdings nicht sicher, dass man den Undercut mit einem Boxenstopp in der nächsten Runde hätte abwehren können. Vettel hatte nur ein Polster von 1,6 Sekunden. Das hatte er zu Beginn der nächsten Runde fast schon wieder eingebüßt. Sie war mit 1.22,197 Minuten sechs Zehntel langsamer als die vorangegangene. Renningenieur Ricardo Adami hätte seinen Fahrer gerne an die Box geholt, doch der schlug vor, länger draußen zu bleiben. Vettel setzte sich durch.

Binotto sprach beschwichtigend von einer „Teamentscheidung“ und verteidigte die von Vettel angestoßene Regieänderung „Nach unserer Rechnung lagen wir schon nach Sebastians erstem Sektor hinter Hamilton. Wir hatten den Rest der Runde Zeit uns zu überlegen, was wir tun. Uns schien es unter den Umständen sinnvoller, zu warten und ein echtes Einstopp-Rennen zu fahren.“

Charles Leclerc - GP Mexiko 2019
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Bei Leclerc entschieden sich die Taktiker für die falsche Strategie.

Für eine gute Strategie braucht man ein gutes Auto

Das ist der Unterschied zu Mercedes. Da haben die Fahrer kein Mitspracherecht bei der Taktik. Es wird getan, was der Kommandostand entscheidet. Das kann manchmal etwas nervig sein, wenn Hamilton der Meinung ist auf der falschen Taktik unterwegs zu sein und von seinem Renningenieur Erklärungen fordert.

Diesmal trieb es der spätere Sieger etwas zu bunt, so dass sich Chefstratege James Vowles einschalten musste. Er erklärte dem zweifelnden Hamilton, dass ihm der frühe Boxenstopp die bessere Position auf der Strecke eingebracht habe, und dass es jetzt an ihm läge, die Reifen über die Runden zu bringen.

Um die Primadonna im Cockpit etwas aufzumuntern, wurde ihm erzählt, wie lange Daniel Ricciardo und Max Verstappen schon auf den harten Reifen unterwegs waren und dass deren Rundenzeiten trotzdem immer schneller würden.

Auf die Frage, ob Mercedes nur noch Rennen mit mehr Risiko oder der schlaueren Taktik gewinnen kann, antwortete Teamchef Toto Wolff. „Es geht nicht darum, schlauer zu sein. Um eine bestimmte Strategie zum Funktionieren zu bringen, brauchst du am Sonntag eine schnelles Auto und exzellente Fahrer. Nur so kannst du den Vorteil eines Undercuts oder Overcuts auch nutzen.“ Da sind wir beim Punkt: Ferrari hat ein Samstags-Auto, Mercedes eines für den Sonntag.

Wolff gibt zu, dass Ferrari im Moment das bessere Paket hat. Sechs Pole Positions in Folge lügen nicht. Ferrari hat jetzt auch auf einer Strecke, auf der wegen der Höhenlage mit maximalem Abtrieb gefahren wird, bewiesen, dass man die Silberpfeile schlagen kann. Auf eine Runde. So war das schon in Spa, Monza, Singapur, Sotschi und Suzuka.

Mit Ausnahme von Sotschi aber waren die Mercedes im Rennen immer leicht schneller. Bei den letzten drei Rennen konnten sie den Vorteil in Siege ummünzen. Mit der besseren Strategie (Mexiko), dem besseren Start (Japan) und ein bisschen Glück, das man aber mit einer Alternativ-Taktik herausgefordert hatte (Sotschi).

Lewis Hamilton - GP Mexiko 2019
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Der Mercedes ist im Rennen eine Bank. Lewis Hamilton feierte schon den zehnten Sieg der Saison.

Abtriebsmanko straft Ferrari im Rennen

Lassen wir die Fahrer sprechen, warum Samstag und Sonntag so verschieden sind. „Ferrari ist schneller auf der Gerade, hat aber weniger Abtrieb als wir. Auf eine Runde bringen sie das durch. Am Sonntag nutzen wir dank unseres Abtriebsvorteils die Reifen besser und sind deshalb etwas flexibler bei der Strategie“, analysiert Hamilton.

Vettel sieht es ähnlich: „In der Qualifikation maskieren die frischen Reifen unser Defizit beim Anpressdruck. Da kommt unsere Stärke auf den Geraden besser zur Geltung. Im Rennen bestraft uns der fehlende Abtrieb mit der stärkeren Reifenabnutzung.“

Vettel war in Mexiko zwar bei freier Fahrt ein Zehntel pro Runde schneller als sein Gegner, aber Hamilton saß auch in einem angeschlagenen Auto. Bei der Kollision mit Verstappen war ein großes Stück Boden vor dem rechten Hinterreifen gebrochen. „Das hat mich zwei Zehntel pro Runde gekostet. Ich musste die Balance anpassen und meinen Fahrstil ändern“, erzählte Hamilton.

Unter dem Strich war der Mercedes damit schneller. Was auch Bottas zeigte, der sich ohne Probleme in Vettels Windschatten halten konnte. Trotzdem muss Mercedes diese Entwicklung beunruhigen. Es wird für Ferrari einfacher sein, das bisschen Abtrieb noch zu finden, das noch fehlt als für Mercedes, die in der Qualifikation eklatante Leistungslücke zu schließen.

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