Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020 xpb
Impressionen - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
Juan Manuel Fangio - Statue - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
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Ferrari hofft auf Spezial-Aero-Kit: Ein Auto, ohne echte Stärken

Ferrari hofft auf Spezial-Aero-Kit Ein Auto, ohne echte Stärken

Nach der Pleite von Belgien erwartet Ferrari ein schweres Heimspiel. Monza verlangt nach Motorleistung und geringem Luftwiderstand. In beiden Disziplinen mangelt es den roten Autos. Ein Spezial-Kit soll das Leid lindern.

Vor einem Jahr feierte Ferrari eine ausgelassene Party in Monza. Charles Leclerc raste auf Pole-Position und zum Sieg. Der Monegasse verteidigte sich erst bravourös und mit Ellbogen gegen Lewis Hamilton, später im Rennen gegen Valtteri Bottas. Ferrari bezwang Mercedes. Die Tifosi lagen sich vor Freude in den Armen. Wie wir heute wissen, basierte der Erfolg wahrscheinlich auf einem nicht ganz legalen Motor.

Zwölf Monate später reist eine geprügelte Mannschaft in den Hochgeschwindigkeitstempel vor den Toren Mailands. In Belgien war Ferrari aus dem Mittelfeld abgerutscht, und schlug sich mit den Hinterbänklern von Alfa Romeo, Haas und Williams herum. Es spricht vieles dafür, dass Ferrari auch beim Heimspiel hinten herumfährt. "Es fällt schwer, mehr zu erwarten als letzte Woche. Dieser Streckentyp liegt unserem Auto von Natur aus nicht", sagt Sebastian Vettel, der im gleichen Atemzug den Optimisten spielt. "In Belgien waren wir etwas neben der Spur. Hoffentlich kehren wir in Monza zur Normalform zurück."

Ferrari - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
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Der SF1000 dürfte in Monza zu den langsamsten Autos auf den Geraden gehören.

Zehn PS machen zwei Zehntel aus

Spa deckte schonungslos die Schwächen des SF1000 auf. Ein nach der FIA-Untersuchung im Winter und wegen zahlreicher Technischer Direktiven zurückgerüsteter Motor, der 50 bis 60 PS zu wenig leistet. Ein Auto, das sich Abtrieb durch zu hohen Luftwiderstand erschwindelt. Kurzum: das rote Auto ist die Verkörperung eines ineffizienten Rennwagens.

Platz fünf in der Team-Weltmeisterschaft schmeichelt deshalb dem erfolgreichsten Rennstall der Geschichte. Ferrari hat ihn größtenteils den beiden Podestplätzen von Leclerc in Österreich und Silverstone zu verdanken. Beim Heimspiel droht ein Abrutschen auf Platz sechs. Die pfeilschnellen Renault dürften von den flügellahmen Ferrari nicht zu halten sein.

19 Siege, 69 Podestplätze und 21 Pole-Positions verbuchte Ferrari bislang in Monza. In diesem Jahr darf man maximal von Punkten träumen. Der Motor wird für Ferrari wieder zur Krücke. Zehn PS weniger kosten in Monza zwei Zehntel. Der Volllastanteil steigt im Vergleich zu Belgien nochmals an: von 78 auf 84 Prozent. Auf keiner Strecke im Rennkalender ist die Rundenzeit so abhängig von der Motorleistung. Auf der italienischen Highspeed-Bahn zählt jedes PS. Ein Unterschied mit den Flügeln wird nicht zu machen sein. In Monza fahren alle mit kleinen.

Auch die neue Technische Direktive TD/037-20, die ab Monza greift, wird Ferrari nicht zu Gipfelstürmern machen. Obwohl Teamchef Mattia Binotto hofft, dass die Vereinheitlichung des Motor-Modus in Qualifikation und Rennen zu Verschiebungen führt. Ferrari wünscht sich herbei, dadurch in der Startaufstellung nach oben zu klettern. Bessere Startplätze erleichtern das Leben im Rennen. Während das Werksteam träumt, sind die Kunden pessimistisch. "Wir werden sehen, wo wir gewinnen, hauptsächlich aber wahrscheinlich verlieren. Ferrari ist unsere Benchmark. Wir wollen es wie Alfa Romeo in Spa machen und sie schlagen", sagt Haas-Pilot Romain Grosjean.

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Ferraris Heckflügel für das Heimspiel: sehr klein und sehr flach eingestellt.

Hoffen auf Monza-Kit

Damit man wenigstens die beiden Kundenteams Haas und Alfa Romeo sicher hinter sich lassen kann, hat Ferrari für das Heimspiel ein spezielles Aero-Paket aufgelegt. "Das sollte den Fahrern helfen, dass meiste aus dem Auto herauszuholen", heißt es aus Maranello. Ob es über die üblichen Monza-Modifikationen hinausgeht, ist nicht überliefert. Auch die Konkurrenz wird minimal kleine Flügel im Angebot haben, um den Luftwiderstand zu senken. Das ist in Monza notwendig, ansonsten verhungert man auf den vier langen Geraden. Üblich sind auch Modifikationen am Diffusor.

Monza verlangt aber nicht allein nach Motorleistung und wenig Luftwiderstand. Mechanischer Grip, Traktion, Bremsstabilität und ein Auto, das über die hohen Randsteine kann, sind Schlüsselfaktoren. Die Kunst ist es, mit dem Low-Downforce-Paket in den drei Schikanen, den beiden Lesmo-Kurven und der Parabolica genug Anpressdruck zu erzeugen. Abtrieb mit minimalsten Mitteln: Das war eines der Laster für Ferrari in Belgien.

Einen Lichtblick gibt es für Ferrari. Monza erfordert keine Verrenkungen bei der Fahrzeugabstimmung wie Spa mit Vollgassektoren und einem sehr kurvigen Mittelteil. Effizienz rückt ein wenig in den Hintergrund. Das freut Ferrari genauso wie die Wettervorhersage, die von sommerlichen Temperaturen ausgeht. Damit kommen die Reifen leichter in ihr Arbeitsfenster – ein Problem, mit dem sich Ferrari in Spa herumgeschlagen hatte.

Balance als Stärke

Auch wenn es bitter klingt. Wenigstens wird es kein Pfeifkonzert von den Rängen geben. Die Tifosi werden an den TV-Bildschirmen im Wohnzimmer leiden. Zuschauer sind auch in Monza ausgeschlossen. Bis auf eine Ausnahme. 250 Krankenpfleger und Krankenschwestern sowie Ärzte dürfen dem Spektakel beiwohnen. Ferrari ehrt die Helden der Corona-Pandemie.

Eine Woche später, bei Ferraris zweitem Heimspiel in Mugello – dem 1.000 Grand Prix der Teamgeschichte –, werden knapp 3.000 Zuschauer zugelassen. Mugello könnte richtungsweisend für die restliche Saison sein, glaubt Charles Leclerc. "Spa und Monza sind zwei spezielle Strecken mit speziellen Paketen. Mugello wird uns die Realität besser zeigen. Dann werden wir besser verstehen, ob Platz drei in der Weltmeisterschaft ein realistisches Ziel ist." Darum kämpfen momentan McLaren, Racing Point, die Scuderia und Renault. Abstand vor Monza: neun Punkte.

Echte Stärken scheint der SF1000 nicht zu haben. Leclerc meint: "Ich würde die Balance als Stärke nennen." Sebastian Vettel stimmt dem zu, hebt dafür den Daumen, verzichtet aber auf eine ausführliche Antwort.

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