Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020 Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
Valtteri Bottas - Mercedes - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
George Russell - Williams - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
Sergio Perez - Racing Point - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020 156 Bilder

Ferrari stapelt nach erstem Testtag tief

Lieber Letzter als Erster

Auf den letzten drei Plätzen des ersten Testtages standen drei Autos mit Ferrari-Motoren. Das Werksteam, Alfa Romeo und Haas. Das Versteckspiel am Ende des Feldes hatte einen Grund. Ferrari ließ seine Motoren noch auf Schmalspur laufen. Und alle drei Teams waren mit viel Benzin unterwegs.

Der erste Testtag für Charles Leclerc begann früher als erwartet. Um 6.45 Uhr klingelte nicht der Wecker, sondern das Telefon. Sebastian Vettel hatte sich krank gemeldet. Den Deutschen plagt eine lästige Erkältung. Also musste der Teamkollege ran. Leclerc wird jetzt durchgehend bis Donnerstagmittag im Ferrari sitzen bleiben und dann an Vettel übergeben. So blieb es dem Monegassen überlassen, den ersten Testtag zu kommentieren. Nicht ganz einfach, wenn man nach 132 Runden auf Platz 11 gelandet ist mit einer Rundenzeit, die 1,313 Sekunden über der schnellsten Runde von Lewis Hamilton lag.

Leclerc wollte nicht zu viel und nicht zu wenig sagen. Nein, man sei nicht auf Rundenzeit gefahren so wie im Vorjahr, wo Ferrari schon am ersten Testtag loslegte wie die Feuerwehr und damit eine riesige Erwartungshaltung geschaffen hatte. Der Ansatz, so Leclerc, sei diesmal ein anderer. Erst das Auto kennenlernen, dann Gas geben. Nicht die Rundenzeit in Barcelona zählt, sondern die in Melbourne. Der zweifache GP-Sieger wich geschickt jeder Frage aus, die sich spezifisch um das Potenzial des SF1000 drehte. Ist dieser Ferrari ein Schritt vorwärts, Herr Leclerc? „Das ist schwer zu sagen. Wir versuchen gerade, das Auto zu verstehen und Daten zu sammeln um zu schauen, ob Windkanal und Rennstrecke die gleiche Sprache sprechen.“

Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
Stefan Baldauf
Ferrari verfolgt bei den Testfahrten einen anderen Ansatz als 2019: erst lernen, dann Gas geben.

Ferraris Fokus liegt auf Lernen

Der Fokus der ersten Testwoche liegt auf Lernen. Dazu hatte man ausgiebig Zeit. Nur Max Verstappen und Carlos Sainz drehten mehr Runden. „Wir haben unser komplettes Programm abgespult. Es gab keinerlei Probleme“, berichtete der Fahrer. Über das erste Bauchgefühl wollte Leclerc nicht sprechen. Es könnte irreführend sein, wenn man die Möglichkeiten des Autos nicht voll ausschöpft. „Der erste Testtag sagt den Ingenieuren mehr als dem Fahrer. Es ist der Tag des Datensammelns. Wir sind mit dem Auto nicht ans Limit gegangen. Nur ich habe alles gegeben.“ Einen kleinen Hinweis gab es doch. Es existiert ein Foto von Leclerc, wie er sich handschriftlich in der Garage Notizen macht. Und darauf ist zu lesen: „Untersteuern in der Kurvenmitte langgezogener langsamer Kurven.“ Fehlt etwa immer noch Abtrieb auf der Vorderachse?

Es fällt auf, dass alle drei Autos mit Ferrari-Motoren am Ende des Feldes stehen. Nicht ohne Grund. Aus dem Umfeld des Teams hören wir, dass die Devise ausgegeben wurde, lieber erst einmal tiefzustapeln. Die Motoren wurden offenbar auf der niedrigsten Leistungsstufe gefahren. Und sowohl das Werksauto wie auch Alfa Romeo-Sauber und HaasF1 waren mit ordentlich Benzin unterwegs. Besser gar keine Erwartungen wecken als überzogene.

Leclerc sprach lieber über Ferraris Ansatz, mehr Flexibilität in die Abstimmung des Fahrzeugs einzubauen. „Wir kamen letztes Jahr mit manchen Strecken besser klar als mit anderen. Das lag auch daran, dass wir mit dem Setup nicht flexibel genug waren. Das wollten wir abstellen.“ Der schöne Nebeneffekt ist, dass die Fahrer jetzt auch ihr Auto präziser ihrem Fahrstil anpassen können. Wir haben 2019 gelernt: Vettel und Leclerc kommen auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel. Leclerc sieht darin einen klaren Fortschritt: „Die Ingenieure kennen mich jetzt besser als vor einem Jahr. Sie wissen, welche Balance ich vom Auto verlange, um schnell zu sein. Wir können jetzt das Auto besser auf meinen Fahrstil adaptieren.“ Ziele hat sich Leclerc vorerst nur eines gesetzt: „Ich will am Ende der Saison weniger verpassten Chancen nachtrauern als im letzten Jahr.“

Mehr zum Thema Scuderia Ferrari
Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2020
Aktuell
Sebastian Vettel - GP Kanada 2019
Aktuell
Charles Leclerc - Ferrari - Carlos Sainz - McLaren
Aktuell