Ferrari stockt Motor-Pool auf

Technik bremst Vettel aus

Sebastian Vettel - GP Malaysia 2017 Foto: sutton-images.com 59 Bilder

Schlimmer hätte es nicht kommen können. Ferrari hat das schnellste Auto auf dem Kurs von Sepang. Doch Sebastian Vettel startet wegen einer unglücklichen Verkettung von Motorproblemen vom letzten und Lewis Hamilton vom ersten Startplatz.

Die Geschichte kennen wir schon vom GP Singapur. Ferrari hat das schnellste Auto im Feld, doch Mercedes lacht zuletzt. Sebastian Vettel sah aus wie der große Favorit, doch er startet vom letzten Platz in den GP Malaysia, WM-Rivale Lewis Hamilton sah bis zum dritten Training kein Land und geht von der Pole Position ins Rennen.

Ferrari war am ersten Trainingstag über eine Sekunde schneller als Mercedes. Daran änderte auch eine Generalmobilmachung bei Mercedes nicht viel. Nach dem dritten Training trennten die beiden Titelkandidaten immer noch eine halbe Sekunde. In den Longruns sogar noch mehr als auf eine Runde.

Doch 5 Minuten vor dem Ende des dritten Trainings bahnte sich das Unheil an. Fehlzündungen zwangen Vettel an die Box. Ferrari hatte von da an nur 10 Minuten Zeit eine Entscheidung zu treffen, weil der Tausch eines V6-Turbos mit seinen Nebenaggregaten rund 2 Stunden dauert. Wenn man nicht gleich damit beginnt, läuft den Mechanikern die Zeit davon. Die Pause zwischen freiem Training und der Qualifikation beträgt exakt 2 Stunden.

Ferrari stand vor der Frage: Sucht man nach der Ursache des Elektrikproblems und checkt dabei, ob der Motor einen Folgeschaden davon getragen hat oder baut man gleich eine frische Antriebseinheit ein? Das Risiko der Ursachenforschung erschien Ferrari zu groß, weil sie zu lange dauert. Also Motorwechsel. Wie in Barcelona, wie in Baku. Vettel gab seiner Truppe Rückendeckung: „Es war die richtige Entscheidung.“

In Kurve 5 brach der Ladedruck zusammen

So kam der Motor ins Auto mit der Startnummer 5, der eigentlich erst in Suzuka hätte debütieren sollen. Es handelt sich um den vierten im Pool, die letzte Spezifikation aus Maranellos Motorenküche. Das Aggregat war bereits in der Fabrik als möglicher Austauschmotor vorbereitet worden. Und zwar als komplettes Paket mit Turbolader, MGU-H und MGU-K.

Der Tausch der einzelnen Komponenten von einem Motor zum anderen dauert länger als der Aus- und Einbau einer kompletten Antriebseinheit. Mercedes veranschlagt dafür allein viereinhalb Stunden. Deshalb scheuen sich die Teams diese schweißtreibende und riskante Operation an der Strecke vorzunehmen.

Ferraris Motor Nummer 4 war mit einem der beiden Turbolader/MGU-H-Einheit bestückt, die für den Renneinsatz noch in Frage kommen und zwischen denen Vettel seit dem GP Spanien hin- und herwechselt. Die beiden anderen Turbolader taugen nur noch für den Freitagseinsatz.

Der Auftritt des neuen Triebwerks währte nur kurz. „Ich fahre aus der Box raus, alles ist gut. In Kurve 5 der ersten fliegenden Runde spüre ich plötzlich einen Leistungsverlust.“ Vettel brachte sein Auto im Schleich-Modus zurück an die Box. Die Ingenieure sahen schon an der Telemetrie, dass sich nicht genug Ladedruck aufbaute. Neun Minuten reichten nicht aus, um bei einem Blick unter die Motorabdeckung den Grund für die Probleme zu erkennen. Also Verkleidung wieder drauf, Motor anlassen und beten. Doch auch das half nichts. Die Telemetrie meldete weiter Ladedruckverlust.

Eine zweite Inspektion danach ergab, dass der Turbolader offenbar funktionierte. Irgendwo zwischen Turbine, Verdichter und Motor ging Luft verloren. Ein Montagefehler an der Rennstrecke scheidet aus. „Das Aggregat wurde in Maranello zusammengebaut und dort auf dem Prüfstand gecheckt. Da hat alles funktioniert“, hieß es bei Ferrari.

Räikkönen traut Ferrari Siegchancen zu

Vettel steht nun eine Titanenaufgabe bevor. Lewis Hamilton könnte ihm erzählen, wie es ist, wenn man in Malaysia aus der 10. Reihe startet. Dem Engländer ist das 2010 passiert, weil sein damaliges Team McLaren bei wechselhaftem Wetter zu lange abgewartet und sich mehr auf das Wetterradar als auf den gesunden Menschenverstand verlassen hatte. Hamilton wurde am Ende noch Sechster, 23 Sekunden hinter dem Sieger.

Vettel hält einen vergleichbaren Vormarsch für möglich. Wenn alles normal verläuft, das Wetter nicht verrückt spielt und Safety-Cars Schicksal spielen, dann kann der WM-Zweite auf Platz 6 hinter den zwei Mercedes, den zwei Red Bull und Teamkollege Kimi Räikkönen fahren. Für mehr braucht er schon eine Prise Glück. „Wir haben ein schnelles Auto hier und einen guten Rennspeed. Außerdem habe ich viele neue Reifen. Das gibt uns viele Optionen bei der Strategie. Und vielleicht kommt ja auch das Safety-Car mal zur richtigen Zeit.“

Ferrari und Vettel versuchten in der Stunde der Not das Positive zu sehen. „Zum Glück hatten wir das Problem heute. Im Rennen wäre es schlimmer gewesen.“ Ferrari kann die Panne außerdem dazu nutzen, den Pool an Antriebskomponenten so aufzufrischen, dass man mit Sicherheit ohne Strafen über die restlichen 6 Grand Prix kommt.

Bei Motor, Turbolader und Batterie befindet sich Vettel bereits in der vierten Einheit. Es ist davon auszugehen, dass Ferrari diese Komponenten ersetzt, auch wenn sie gar nicht kaputt sind. Und weil auch der Turbolader betroffen ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch eine vierte MGU-H eingebaut.

Vettel wird im Rennen seinem Teamkollegen die Daumen drücken. Räikkönen kommt die Aufgabe zu, den Mercedes-Piloten Punkte wegzunehmen. Der Finne wäre um ein Haar schon auf die Pole Position gefahren. 45 Tausendstel trennen ihn vom besten Startplatz. Er verlor ihn durch Verbremser in den letzten beiden Kurven.

„Generell bin ich mit unserem Auto zufrieden“, grummelte der Finne anschließend. „Es hat sich vom ersten Tag an gut angefühlt. Aber wenn du so nah dran bist, tut es schon ein bisschen weh.“ Dann macht der große Schweiger aus dem Norden Hamilton eine Kampfansage: „Ich habe ein schnelles Auto für das Rennen, und ich werde diesmal versuchen länger als 100 Meter zu fahren. Und von da an ist alles möglich.“

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