Ferrari feiert erste Startreihe

Über was will Vettel sprechen?

Kimi Räikkönen - Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1- GP Italien - 1. September 2018 Foto: sutton-images.com 107 Bilder

Ferrari hat seinen Tifosi das größtmögliche Geschenk gemacht. Die erste Startreihe in Monza strahlt in Rot. Und trotzdem gab es Stunk. Sebastian Vettel verlor das Duell gegen Kimi Räikkönen und sagte am Funk, es gebe noch Gesprächsbedarf.

Kimi Räikkönen spielte den Iceman. Der 38-jährige Finne feierte in Monza fast stoisch in Monza seine 18. Pole Position, seine erste seit dem GP Monaco 2017. „Wenn du dir eine Pole Position in einem Ferrari wünschst, dann sicher in Monza.“ Räikkönen weiß offenbar, was die Stunde geschlagen hat. Die Würfel bei Ferrari für 2019 sind gegen ihn gefallen. Der Fahrerlagerfunk meldet: Ferrari wird im nächsten Jahr mit Charles Leclerc an der Seite von Sebastian Vettel fahren. Umso mehr muss die Trainingsbestzeit eine Genugtuung für den schnellsten Mann in Monza gewesen sein.

Ferrari bleibt bei seiner Version. Eine Entscheidung über die Fahrer fällt erst später. Doch die Indiskretionen im Zirkus und die Körpersprache der Beteiligten sagen etwas anderes. Ferrari konnte in Monza schlecht seine Karten aufdecken. Die Fans hätten die Scuderia gegrillt, wenn ihr heimlicher Liebling nach einer Pole Position gekündigt worden wäre. In Monza demonstrierte Ferrari noch einmal Nibelungentreue zu dem Fahrer, der nach Michael Schumacher die zweitmeisten Rennen für die Scuderia gefahren ist. Das Team hielt sich an seine internen Prozeduren, obwohl für Sebastian Vettel jeder WM-Punkt zählt, den er auf Lewis Hamilton aufholen kann. Doch was macht Ferrari, wenn Räikkönen in Monza nach 107 Rennen Pause auch noch den GP Italien gewinnt? Dann wird es immer schwerer, eine Trennung zu erklären.

Wer bekam wie viel Windschatten?

Die Qualifikation war eine Schlacht auf höchstem Niveau. Die erste Runde im Q3 ging an Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot legte mit einer Zeit von 1.19,390 Minuten vor und überraschte damit Freund und Feind. Das ganze Trraining über hatten die Ferrari die Nase vorn. Für den letzten Schuss belauerten sich die WM-Kandidaten gegenseitig. Mercedes schickten seine Fahrer als erste auf die Bahn, wohl wissend, dass man damit beiden Ferrari Windschatten gab. „Wir wollten nicht zu lange warten. Wenn du am Ende der Schlange hängst und es kommt eine gelbe Flagge, hast du verspielt“, erklärte Teamchef Toto Wolff.

Bei Mercedes war die Aufgabenstellung klar verteilt. Valtteri Bottas musste seinen Teamkapitän Hamilton ziehen. Ferrari schickte zu aller Überraschung Sebastian Vettel vor Kimi Räikkönen auf die Bahn. „Die Reihenfolge wechselt jedes Wochenende. Diesmal war Kimi als Zweiter dran“, erklärte Vettel. Für den WM-Zweiten wäre es umgekehrt besser gewesen.

Der Windschatten bringt in Monza im Idealfall drei Zehntel oder 5 km/h auf der Gerade. Dafür verliert man wegen der Turbulenzen in den Kurven etwas Zeit. Unter dem Strich ist aber der Zeitgewinn auf den Geraden höher. „Wir hatten alle Windschatten. Ich von Bottas, Vettel von mir, Kimi von Vettel.“, meinte Hamilton. Einspruch: Vettel hatte zu Hamilton mehr Abstand als Hamilton zu Bottas oder Räikkönen zu Vettel. Gekniffen war nur Bottas, der klar Langsamste des Quartetts.

Die Entscheidung fiel innerhalb von neun Sekunden

Die vier Fahrer von Mercedes und Ferrari flogen in einem Abstand von neun Sekunden über die Ziellinie. Die Abstände geben gleichzeitig Auskunft über die Qualität des Windschattens. Hamilton lag drei Sekunden hinter Bottas, Vettel vier Sekunden hinter Hamilton, Räikkönen lediglich zwei Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Sehen wir uns hierzu die Geschwindigkeitsmessungen auf dem Zielstrich und am Ende der Zielgerade an:

Topspeed-Analyse GP Italien 2018

Ziellinie Topspeed
Hamilton 318,2 km/h 343,8 km/h
Räikkönen 318,8 km/h 342,7 km/h
Vettel 317,1 km/h 341,5 km/h
Bottas 317,9 km/h 343,1 km/h

Hamilton konnte die vorgelegte Zeit um ein knappes Zehntel verbessern. Doch nur vier Sekunden später war der Engländer seine provisorische Pole Position wieder los. Vettel nahm ihm unter den Gesängen der Zuschauer den besten Startplatz um 14 Tausendstel ab. „Ich war nicht zufrieden mit meiner Runde, habe in beiden Schikanen Zeit liegengelassen, besonders in der zweiten“, meinte Vettel mürrisch. Die Roggia-Schikane war schon am Freitag seine Problemstelle auf der Strecke.

Über was will Vettel sprechen?

Vettels Jubel am Funk, bekam einen abrupten Dämpfer, als ihm sein Renningenieur Riccardo Adami mitteilte, dass da noch einer schneller war als er. Gegen Räikkönen hatte Vettel keine Chance. Der Vorsprung des Finnen fiel mit 0,161 Sekunden erstaunlich deutlich aus. Was nicht nur mit dem Windschatten zu tun hatte. „Kimi hatte eine großartige Runde“, applaudierte der Teamkollege.

Für Verwirrung sorgte ein Funkspruch von Vettel: „Wir müssen nachher noch sprechen.“ Über was genau, wollte der Deutsche trotz mehrmaligem Nachfragen nicht reden. Es kann also keine Lappalie gewesen sein. Hier können wir nur mutmaßen. Hätte sich Vettel die Umkehrung der Reihenfolge im Q3 gewünscht, damit er den besseren Windschatten bekommt? Hatte er das Gefühl, dass man ihn zu weit hinter Hamilton auf die Runde schickte? Oder war irgendetwas am Auto nicht in Ordnung? Wir werden es vielleicht nie erfahren.

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